BERLIN

Echokammerspiel für Gehry und Scharoun

Hans Scharoun, Architekturphantasie, 1939-1945. Akademie der Künste, Berlin, Hans-Scharoun-Archiv, Nr. 2537.

Hans Scharoun hat die Walt Disney Concert Hall in Los Angeles gebaut. Nee, die ist natürlich von Frank Gehry, aber ganz im Ernst: In einer aktuellen Ausstellung, die den Bezügen zwischen den beiden Architekten nachspürt, gibt es ein paar Aquarellzeichnungen von Scharoun, die verblüffenderweise aussehen, als seien es Vorstudien zu Gehrys Konzerthaus in Los Angeles. Überhaupt gibt es ein paar äußerst enge Parallelen im Werk von Scharoun und Gehry, und dass beide jeweils eine Philharmonie gebaut haben, ist nur eine davon, wenn auch eine, an der sich die „Zusammenklänge“, so der Titel der Ausstellung im Max Liebermann Haus in Berlin, zwischen den Architekten besonders gut aufzeigen lassen, weshalb die Berliner Philharmonie und die Walt Disney Concert Hall in L.A. darin besonders viel Raum erhalten. (mehr …)

Auf der art berlin bitte das hier kaufen

Ooooh… nee. Sonst alles super auf der art berlin, aber diese Outdoor-Skulpturenabwurfstelle…

Als es während der Aufbautage zur art berlin in den Hangars des Flughafen Tempelhof hieß, die Messe hätte ein Taubenproblem, hatte ich natürlich erstmal so überhaupt keine Lust auf einen Besuch derselben, also ernsthaft, wie kann man nur „Tauben“ und „Problem“ sinnstiftend in einem Satz unterbringen, geschweige denn in einem Wort, und überhaupt, die Möglichkeit von über Sammlerköpfen kreisenden und auf Kunst kackenden Tauben ist ja wohl eher lustig als problematisch, es liebt halt nicht jeder Kunst, manche scheißen drauf, und das ist voll ok. (mehr …)

Für eine Erweiterung des Galeriebegriffs

Neue Vermittlungswege: Gruppenausstellung per Fahrradkurier. „Gallery. Delivery“ von Sebastian Schmieg, präsentiert von Galerie Roehrs & Boetsch. Photo©André Wunstorf.

Als vor ein paar Monaten die Galerie Gillmeier Rech nach fünf Jahren ihre Schließung bekannt gab, ging ein Schauer durch die Berliner Galerienszene: Oh Gott, noch so jung und schon so gestorben! Als kurze Zeit darauf der Galerist Christian Siekmeier verkündete, mit seiner Galerie Exile nach Wien umzusiedeln, befeuerte er damit das ewig hart an der selbsterfüllenden Prophezeiung entlangschrammende Gerücht, in Berlin gäbe es eben keinen galerieexistenzsichernden Kunstmarkt. Und es ist ja nicht nur Berlin. Das Interview mit Jose Freire von der Team Gallery über seine Gründe, fortan keine Kunstmessen mehr zu bestreiten, ging im Frühjahr um die Galerienwelt und ermutigte weitere Galerien, ihr wirtschaftliches Ringen öffentlich zu machen. Wenn man sich so umhört unter Galeristen, könnte man meinen, das Ende der gesamten Branche sei nahe. Aber stimmt das? Warum reagieren Galerien so sensibel auf jede Schließung eines Kollegenunternehmens, als seien sie die nächsten? Warum schaut jede Galerie so intensiv auf das, was die anderen machen? Was ist überhaupt eine Galerie? (mehr …)

Gebrauchsfertige Unikate

Seit einigen Jahren kann man als Künstler wieder was mit Keramik machen, ohne dafür in die Hobbyecke gestellt zu werden. Vorausgesetzt natürlich, was man mit Keramik macht, sieht nicht nach Gebrauchskunst aus, sondern nach Konzeptkunst. Wenn man sich allerdings entschließt, etwas aus Keramik zu machen, das nicht nur nach Gebrauchskunst aussieht, sondern auch explizit als solche zu verstehen und zu verwenden ist, dann sollte man in seinem Künstlersein besser ordentlich gefestigt sein, um angesichts der Fragen, die einem dann unweigerlich gestellt werden, nicht in Selbstzweifel zu verfallen. Fragen wie „Ist das Kunst, die aber nicht wie Kunst aussehen soll?“ „Ist das Nichtkunst, die aber wie Kunst aussehen soll?“ „Machst du jetzt keine Kunst mehr?“ „Machst du trotzdem noch weiter Kunst?“ „Warum sind die Sachen so billig?“ „Warum sind die Sachen so teuer?“ (mehr …)

Frauen, hört auf mit dem Erbsenzählen!

©CC0 Creative Commons.

War ja klar. Auch dieses Jahr sind drei Galerien für den VBKI-Preis für Berliner Galerien nominiert, und alle drei haben sich mit Ausstellungsprojekten männlicher Künstler beworben – sowas von klar, dass die reflexhafte Empörung angesichts des Fehlens von Frauen nicht lange auf sich warten ließ. Man könnte meinen, wir seien langsam mal einen Schritt weiter, aber dafür erfahren empörte Hinweise auf weiblich unterbesetzte Künstlerlisten immer noch zu viel Zustimmung im Facebook-Feed.

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Jenseits von prekär: Kunstmachen in Berlin

Einfach so eins zu eins eine Pressemitteilung veröffentlichen? Ein guter Kunstblog tut das nicht. Untenstehend also die Copy-Paste-Veröffentlichung der Pressemitteilung zu einer Studie über die Situation von KünstlerInnen in Berlin, denn die darin genannten Zahlen wirken für sich, die muss man nicht in Interpretations-Blabla einbetten. Der Text ist recht lang, deshalb hier die tltr-Version: Kunst machen lohnt sich finanziell gesehen für Frauen noch weniger als für Männer, und in Berlin noch mal weniger als anderswo. Für tiefergehend Interessierte hier die Mitteilung in voller Länge: (mehr …)

ZKR und Schloss Biesdorf sind sich nicht mehr grün

Schloss Biesdorf. Photo© Wikimedia Commons, CC-BY-SA-3.0,2.5,2.0,1.0.

Kleine Berliner Bombe zum Jahresende: Das ZKR – Zentrum für Kunst und öffentlichen Raum verlässt seinen Standort Schloss Biesdorf. Der Betreiber, die Grün Berlin GmbH, war erst im September 2016 im Auftrag des Bezirkes Marzahn-Hellersdorf angetreten, das architektonisch nicht ganz einfache, aber irgendwie zickig-attraktive und landschaftsgärtnerisch toll umarmte Gebäude in der Aufmerksamkeit des Berliner Kulturgeschehens zu verankern – und zwar mit einem großartigen Programm und deshalb unabhängig von den Besucherzahlen erfolgreich. (mehr …)

Solidaritätszuschlag

David Zink Yi, „Lieblingsarm (Favourite Arm)“, 2009. Werk aus der Auktion bei lend-me-your-ear.org. Aktuelles Gebot: noch zu niedrig.

Eben noch war alles gut. Liebe, Familie, Geld, Wohnung, Reihenfolge egal, alles gleich gut. Dann passiert irgendwas, und dann blöderweise gleich darauf noch was, und auf einmal ist nichts mehr gut, und dann zeigt sich aber mal wirklich, wer die sprichwörtlich echten Freunde sind. Je höher in einem sozialen Umfeld der Stellenwert der Außenwirkung, desto weniger gibt es davon, sagt das Klischee. Wenn es stimmt, dann ist dieser Stellenwert in manchen Bereichen der Kunstwelt ziemlich gering. (mehr …)

Aquatisches Wabern und handfestes Holz

Man kann Ewigkeiten verdaddeln auf der Website der Galerie Zierfische, die streng genommen keine Galerie ist, jedenfalls keine mit einem Raum, sondern nur mit Schaufenstern, aber das ist eine andere Geschichte und im übrigen auch kein Defizit, denn abgesehen davon, dass die Galerie Zierfische über die Kooperation mit dem Späti nebenan mitttelbar doch über Räume verfügt, in denen man die zu jeder Ausstellung herausgegebene Edition erwerben kann, gibt es eben auch noch die bereits erwähnte und zu recht erwähnenswerte Website. (mehr …)

Vier Frauen, zwei Paarungen, ein Preis

Sicherer Anwärter auf den Publikumssieg: „Amazonas Shopping Center“ von Sol Calero. Installationsansicht „Preis der Nationalgalerie 2017“, Hamburger Bahnhof Museum für Gegenwart, Berlin.

Warum Udo Kittelmann auf der Pressekonferenz zum Preis der Nationalgalerie 2017 mit der Vorstellung des Sponsors BMW in Gestalt des BMW-Repräsentanten Thomas Girst verkündet, er fahre einen nicht von BMW gesponserten BMW, was ihm „viel Freude“ bereite, wird sein Geheimnis bleiben, ansonsten umweht nichts Geheimnisvolles die Auswahl der Shortlist für den diesjährigen Preis. Dass sie mit Sol Calero, Iman Issa, Jumana Manna und Agnieszka Polska nur aus Frauen besteht, ist Zufall, und solange Männer noch anderswo Gelegenheit zum Erhalten von Preisen haben und die wichtigste museale Auszeichnung Deutschland grundsätzlich weiterhin auch an Männer gehen kann, auch kein Problem. (mehr …)