Gebrauchsfertige Unikate

Seit einigen Jahren kann man als Künstler wieder was mit Keramik machen, ohne dafür in die Hobbyecke gestellt zu werden. Vorausgesetzt natürlich, was man mit Keramik macht, sieht nicht nach Gebrauchskunst aus, sondern nach Konzeptkunst. Wenn man sich allerdings entschließt, etwas aus Keramik zu machen, das nicht nur nach Gebrauchskunst aussieht, sondern auch explizit als solche zu verstehen und zu verwenden ist, dann sollte man in seinem Künstlersein besser ordentlich gefestigt sein, um angesichts der Fragen, die einem dann unweigerlich gestellt werden, nicht in Selbstzweifel zu verfallen. Fragen wie „Ist das Kunst, die aber nicht wie Kunst aussehen soll?“ „Ist das Nichtkunst, die aber wie Kunst aussehen soll?“ „Machst du jetzt keine Kunst mehr?“ „Machst du trotzdem noch weiter Kunst?“ „Warum sind die Sachen so billig?“ „Warum sind die Sachen so teuer?“

Kunstmachen und Wasanderesalskunstmachen aus ein und derselben Quelle, das ist immer noch die zuverlässigste Methode, alle Standardkriterien der Kunstbewertung außer Kraft zu setzen. Auch deshalb ist die Studiokeramik der bildenden Künstlerin Tine Furler einen Kauf wert, und natürlich deshalb, weil sie sehr gut aussieht und gut gemacht ist. Die meisten Stücke versuchen gar nicht erst, irgendetwas anderes zu sein als einfach nur ästhetisch wohltuende Teller, Becher oder Vasen für den täglichen Gebrauch. In manche aber ist ein konzeptueller Twist mit eingetöpfert, und aus Kunstsicht sind das natürlich die besten, während aus Gebrauchssicht alle gleich gut sind, wenn auch keines dem anderen gleicht, denn es sind alles Unikate, weshalb Leute auf der Suche nach einem sechsteiligen Geschirr hier nicht richtig sind, und langsame Leute auch nicht, denn was weg ist, ist weg, und wenn man sich anschaut, was allein am Eröffnungsabend der als Pop-up-Store geführten „Studio Pottery Boutique“ schon alles weg gegangen ist, dann sollte man aber jetzt mal ganz schnell sein.

Tine Furler, Studio Pottery Boutique | Temporärer Verkauf bei BEINGHUNTED, Wallstr. 4, 10179 Berlin, bis 4. Oktober 2018, täglich während üblicher Bürozeiten, Keramik ab 20 Euro.