Alles hängt zusammen

Botschaft innen kl

Photo© Stefan Draschan.

Und sie funktioniert immer noch, diese Berliner Spezialität der von Künstlern organisierten Ausstellungen mit unfassbar dimensionierten Künstlerlisten, unfassbar, so denkt man, bis man dann sieht, wie alles fassbar gemacht wird, in einem Raum, von dem man nie gedacht hätte, dass da alles reinpasst, aber es passt, auf das Prinzip der Petersburger Hängung ist noch immer Verlass, und auch auf seine demokratisierende Wirkung, dieses Phänomen von unzähligen Arbeiten, die man selbst, wenn man die einzelnen Künstler kennt, in so einer geballten Ansammlung ihren jeweiligen Urhebern nicht mehr zuzuordnen vermag, ein hübsches Ratespiel, genauso interessant wie das Paradox, dass diese zwangsversammelten Arbeiten einerseits um Aufmerksamkeit streiten, sich andererseits aufmerksamkeitsökonomisch höchst effizient verhalten. (mehr…)

Traumhafte Aufbruchstimmung bei Michael Sailstorfer x COS

Sailstorfer Silver Cloud

Eine silbern glänzende Wolke, wie hübsch. Eine silbern glänzende Wolke, die vom Himmel fällt, wie poetisch. Denn Wolken sind Träume, Sinnbilder für Sehnsucht, für Unerreichbares, sie vom Himmel holen zu können, wie wäre das schön. Aber ach, zu oft zerschmettert so ein Traum, wenn er auf den harten Boden der Realität aufschlägt, also lässt man ihn besser am Himmel stehen, oder? Natürlich nicht, ihr Luschen! Das weiß jeder, der Zeuge des Wolkenexperiments von Michael Sailstorfer geworden ist. (mehr…)

Blogger bei Mutti

Erwin Wurm_Bei Mutti_02

Dass Blogger die wichtigeren Journalisten seien, wie Erwin Wurm jüngst vor einer Gruppe von ebensolchen angab, kann natürlich bezweifelt werden, schließlich ist Reichweite nicht alles. Aber manchmal werden sie besser behandelt. Während eines Previews von Wurms Ausstellung “Bei Mutti” in der Berlinischen Galerie nur für Blogger jedenfalls durften sie alles. Überall rumlaufen, Aufbauhelfer bei der Arbeit stören, Kunst anfassen, alles fotografieren und den Künstler alles fragen machte nur erstmal keiner, also fragen. Fotografieren dafür umso mehr. (mehr…)

Dogs looking at Things #17

Dogs looking at things_Schmuck

Bis zu 800 Hunderassen gibt es auf der Welt. So viele Hunderassen braucht kein Mensch. Und erst recht kein Hund. Zwar sind Hunde Studien zufolge in der Lage, auf Fotos Vertreter ihrer Spezies zu erkennen, aber zu mehr als zur Unterscheidung zwischen “Hund” und “Auto” reiche es nicht. Für einen Hund sei ein Hund ein Hund, kein “Dackel”, “Pitbull” oder “Labrador”, behauptet eine Studie des bekannten Hundekognitionsfachmagazins Animal Cognition.

Auch Menschen wird die Fähigkeit zugeschrieben (und zwar ganz ohne Beleg durch entsprechende Studien), zwischen “Mensch” und “Auto” zu unterscheiden, und nicht nur das: Menschen sollen Vertreter ihrer Spezies sehr viel differenzierter wahrnehmen als Hunde; sie sehen statt “Mensch” zum Beispiel “dunkelhäutiger Mensch”, “hässlicher Mensch” oder “beschissen angezogener Mensch”, weshalb es nur logisch ist, dass sie nicht einfach nur “Hund” sehen, sondern eben “Dackel”, “Pitbull” oder “Labrador”. Unterschiedliche Hunderassen gibt es also nur aus einem Grund: um die komplexen kognitiven Fähigkeiten des Menschen zu bedienen. (mehr…)

Rauchen und Fasten am Ende

Urs Fischer Skateboard Smoking

Urs Fischer for Supreme, “Toasted, Fried & Baked”, 2016. ©supremenewyork.com

Dass sich manche in der Fastenzeit neben anderen Lustbefriedigern auch das Rauchen verkneifen, ist insofern kein Akt religiöser Hingabe, als die Fastenzeit ja jener 40 Tage gedenken soll, die Jesus in der Wüste verbrachte. Ganz allein, ohne Essen, aber auch ohne Zigaretten, was ihm allein schon deshalb nichts ausgemacht haben dürfte, weil er Nichtraucher gewesen sein soll. Sich etwas zu verkneifen, was Jesus egal war, hat also jedenfalls nichts mit Religion zu tun, sondern höchstens mit dem Austesten der eigenen Willenskraft, aber damit ist es mit dem heutigen Ende der Fastenzeit vorbei, weshalb für Rauchfastende der Anblick der von Urs Fischer für das Skate-Label Supreme gestalteten Boards keine Versuchung mehr darstellt. (mehr…)

Globales Studio-Karussell

www.christoph-neumann.com

Stusu-Gründer Melina Volkmann, Ralf Dereich. Photo© Christoph Neumann.

Am Studentenwerk der kalifornischen St. Thomas University ist Stusu mittlerweile vorbeigezogen. Dessen Website war bislang der erste Treffer bei Google, wenn man “Stusu” suchte. Aber offenbar hat die Suchmaschine schnell begriffen, dass, wer “Stusu” googelt, kein amerikanisches Studentenwerk braucht, sondern ein Atelier auf Zeit.

Die Idee, eine Art Airbnb für Künstlerstudios zu launchen, ist so schlau wie eingängig. Noch schlauer ist es, die angebotenen Studios nur zu inserieren anstatt Provision für die Vermietung zu verlangen, weil man auf diese Weise das leidige Thema Haftung umgeht und die Verantwortung für Transaktionen bei den Akteuren selbst verbleibt. Aber solange das Inserieren umsonst ist, wie generiert das von den Gastronomen Stephan Landwehr und Boris Radczun mit Startinvestition versehene Stusu dann Umsatz? Die Macher Melina Volkmann und Ralf Dereich entstammen selber der Zielgruppe, für die ihr Angebot gedacht ist, womit das Wichtigste gegeben wäre, was es zur erfolgreichen Gründung braucht: Authentizität. (mehr…)

Neuer Space für Kunst

Hubble Teleskop_Kunst im All 02

©NASA/ESA/Hubble Heritage.

Will jemand auf einem Planeten ausstellen? Bennu 101955 ist aber gar kein Planet, du gestirnignoranter Kunstblog! Ja, schon klar, aber “Planet” klingt halt besser als “Asteroid”. Jedenfalls, will jemand auf einem Asteroiden ausstellen? Dann bitte bei der NASA bewerben, denn die plant eine digitale Galerie, und zwar in Form eines Datenträgers, welchen die Raumfähre OSIRIS-REx bei ihrer nächsten Mission mit Startdatum September 2016 mitführen soll. (mehr…)

Ist das Schreiben über Kunst umsonst?

Kunstkritiker können nicht vom Schreiben leben, Kunstmagazine werfen keinen Gewinn ab… Ist das Schreiben über Kunst zum unbezahlten Zeitvertreib verdammt?

Geldelephant

“Wer über Kunst schreibt, kann in der Regel nicht davon leben.” Das sagt die Kunsthistorikerin und Autorin Ana Finel Honigman in einem Interview dem Whitewall Magazine. Honigman weiß, wovon sie spricht. Sie schrieb jahrelang für Kunst- und sogenannte Lifestyle-Magazine, darunter viele unabhängige Publikationen, jene Sorte Publikationen also, die ohne die Finanzierung eines Großverlages auskommen müssen und ihre Autoren und Fotografen statt in leistungsgerechten Honoraren in “Sichtbarkeit”, “Image” oder “inhaltlicher Freiheit” bezahlen. Das ist ok, It takes two to tango, wer sich auf solche Deals einlässt, weiß in der Regel, was er davon hat. Allerdings zahlen selbst solche Magazine schlecht, die von amerikanischen Medienmogulen oder russischen Oligarchen verlegt und finanziert werden. Denn in jenem Teil der Medienlandschaft, in dem es um Kunst geht, oder um “independent”, oder um ästhetisch ganz weit vorn sein, da lässt sich kein Geld machen, sowas ist schwierig zu vermarkten, und überhaupt, weiß doch jeder, dass man sich mit Kunst nicht beschäftigt, um Geld zu verdienen, sondern weil man will, dass das Schöne in der Welt bleibt, oder vielleicht noch wegen der tollen Parties; die ganzen Galerieassistenten, die alle freiwillig für Hungerlöhne arbeiten, weil das nunmal so ist in der Kunstwelt, können das sicher noch besser erklären, aber jedenfalls, was ich sagen wollte: Honigman hat recht, und jeder weiß es, aber warum scheint jeder zu glauben, dass man nichts daran ändern kann? (mehr…)

Ai Weiwei ist nicht zu retten

Ai Weiwei Cinema for Peace

©www.instagram.com/aiww

Ernsthaft Kunstinteressierte hatten jahrelang kein Problem mit Ai Weiwei. Schließlich war es sehr leicht, seine Kunst zu ignorieren, ihr Spektakeleffekt verhinderte ein Eindringen in tiefere Schichten des Kunstbetriebs, sie verblieb stattdessen an der Oberfläche einer Medienberichterstattung, die sich darauf verständigte, Ai Weiwei gut zu finden sei ein Ausdruck dafür, schlimme Dinge schlimm zu finden. Und weil die Menschenrechtsverletzungen des chinesischen Regimes so richtig schlimm waren, fand man Ai Weiwei so richtig gut. Auch die Flüchtlingskrise ist so richtig schlimm, und deshalb ist Ai Weiwei so richtig… (mehr…)