10 Versäumnisse aus 2015

Opener

Was 2015 nicht passiert ist, das wird 2015 auch nicht mehr passieren, denn 2015 ist vorbei. Und was nicht passiert ist, kommt in keinem Jahresrückblick vor. Es sei denn, es handelt sich um den BLITZKUNST-Jahresrückblick, der zwar mit ein paar Wochen Verspätung erscheint, dafür aber zehn Blogeinträge versammelt, die 2015 nicht passiert sind, obwohl genau dies nicht hätte passieren dürfen. (mehr…)

Dogs Looking at Things #16

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Caniner Besucher im Haus am Lützowplatz (zur Pecha Kucha Art Night, 15.10.2015). Photo© Christoph Neumann.

Neulich hat Laurie Anderson ein Konzert für Hunde gegeben. Ein Hoffnungsschimmer. Vielleicht eine Anregung für Galerien, mal eine Ausstellung für Hunde zu zeigen. Beziehungsweise, mal Hunde als Besucher mit zu bedenken. Die müssen nämlich – zumindest bei der klassischen Hängung klassischer Flachware – Klimmzüge am visuellen Brotschrank machen, um den Krümel eines Blickes auf ein Werk zu erhaschen. Denn wer auch immer sich ausgedacht hat, dass bei klassischer Hängung die Bildmitte auf durchschnittlicher Augenhöhe hängen soll, hat dabei ausschließlich Menschen im Kopf gehabt. Erwachsene Menschen dazu. (mehr…)

„Jeweiliger Zauber wird dann erlernt“

eo2-alchemist-male1Mittlerweile hat es ja Tradition, dass sich BLITZKUNST regelmäßig (also etwa einmal pro Jahr) auf die Suche nach Blitzkunst begibt. Das fördert immer super interessante Funde zutage, von denen nicht nur blitzkunstinteressierte Menschen was haben.

Neulich war es wieder so weit, ein genialer Fund von Blitzkunst offenbarte sich ausgerechnet in einem Winkel des Internets, in dem BLITZKUNST sonst nie unterwegs ist: in der Spieleecke. (mehr…)

Das Sehen sehen

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Ornella Fieres, “Fading Away”, 2015. Courtesy Sexauer Gallery, Berlin.

„Nie wissen wir genau, was wir sehen“, heißt es in der Pressemitteilung zur kommenden Ausstellung von Ornella Fieres in der Sexauer Gallery. Diese Aussage bezieht sich auf den facettenreichen Manipulationsgehalt der Arbeiten der Künstlerin, hat im Zweifel aber Allgemeingültigkeit. Und sie lässt sich weiterdrehen: Selten wissen wir genau, dass wir sehen. Als Voraussetzung für die Rezeption von Kunst gilt dieses Sehen ja als so notwendig wie selbstverständlich. Dummerweise ist aber gerade die Selbstverständlichkeit der größte Feind der Wahrnehmung. Erschreckend, der Gedanke, was wir alles nicht sehen, weil wir uns nicht bewusst machen, dass wir es tun. (mehr…)

Mehr Licht! Oder überhaupt mal welches!

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Simulation der Lichtinstallation “Traumzeit” im Körnerpark. ©Design Boris Matas/WerkStadt e.V. via Facebook

Eigentlich eine tolle Sache, die Ausschreibung einer Lichtkunstinstallation für den Neuköllner Körnerpark. Gut, dass an Budget für die Illumination eines ganzen Parks lediglich 3.000 Euro zur Verfügung gestellt wurden, hat sicher den einen oder anderen Künstler von der Bewerbung abgehalten, aber wer sich auf diese Ausschreibung bewarb, gab damit seine Überzeugung zum Ausdruck, auch mit 3.000 Euro zurechtzukommen. Ihr Scheitern an der Aufgabe kann die Gewinnerin des Körnerpark-Lichtprojektes, Karin Albers, also nicht im Nachhinein mit einer zu geringen Budgetierung entschuldigen. Ein Gutes hat die Sache um die groß angekündigte „Illumination“ des Parkes, die in kläglichem Gefunzel endete, aber doch: die Kommentare auf Facebook. (mehr…)

Was wird da für ein schmutziges Spiel gespült!

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Es wird ja jede Menge schmutziges Geschirr gewaschen in der Spülenbranche – und wo es schmutzig ist, klar, da ist die Kunst natürlich nicht weit. Deshalb ist es grundsätzlich erst einmal weder verwunderlich noch verwerflich, wenn in einer Galerie, sagen wir zum Beispiel bei Johann König, ein paar Spülen stehen. Die machen Spaß, die kann man gut anschauen, und sie sind totally relational und laden auf spülerische Art zur Interaktion ein. Wenn es denn was Schmutziges zum Spülen gibt. Was ja wie gesagt in der Kunst schon mal der Fall ist. Aber kann eine Spüle selbst Kunst sein? Anscheinend nicht. Kunst ist nämlich etwas Originäres. Die Spülen bei Johann König aber, die sind nicht originär, sondern nachgemacht. Spülenplagiate! (mehr…)

Macht Kunst, Leute!

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Kann sich noch jemand an die mehrere Stunden füllenden Warteschlangen vor der Deutsche Bank KunstHalle vor zwei Jahren erinnern? Als die Öffentlichkeit dem Aufruf „Macht Kunst!“ folgte und den damals noch Deutsche Guggenheim heißenden Ausstellungsraum tatsächlich bis an die Decke mit Kunst füllte? Nun, es ist wieder soweit. Gefordert ist diesmal eine Skulptur für den Außenraum. Abgabe der Entwürfe ist am 5. und 6. November, am 7. werden diese dann öffentlich in der KunstHalle präsentiert. Der mit Spannung erwartete Entwurf von BLITZKUNST (oben ein Foto des Modells) wird schweren Herzens nicht eingereicht, um dem Wettbewerb nicht jede Spannung zu nehmen und das Erraten des möglichen Siegerentwurfs nicht schon bei erster Sichtung der Beiträge zur Gewissheit zu machen – großmütig soll hier weniger sicheren Händen und Geistern Hoffnung auf den Sieg ermöglicht werden. (mehr…)

Lucien Smith kaputt gefeiert

Bronx Party Lucien Smith

Die Party-Location in der Bronx. Links bei den Säulen ein Obdachloser mit Pappkarton-Behausung. ©www.welcome2thebronx.com

Eine A-Lister-Party mit Obdachlosen-Motto (dunkle Location, brennende Mülltonnen und so) zu veranstalten erfordert schon ein bisschen Mut zur Geschmacklosigkeit. Richtig eklig wird’s aber erst, wenn diese Party in einem Stadtviertel stattfindet, für dessen Bewohner Obdachlosigkeit eine reale Bedrohung bis Realität bedeutet. Es lässt sich aber noch eins draufsetzen: Indem die Party von Immobilienentwicklern gesponsert wird, die in diesem Viertel die Abschaffung von bezahlbarem Wohnraum vorantreiben. Und die kleine Kirsche auf diesem herrlich abgefuckten Kuchen: Gegeben wird die Party zu Ehren eines Übererfolgskünstlers der Stunde, nämlich Lucien Smith. Der kürzlich erst verkündet hatte, in Zukunft alles richtig machen zu wollen. Im Sinne von richtig falsch? (mehr…)

Dogs looking at things #15

Hundebabies haben eine ähnliche Wahrnehmung wie Katzen. Deshalb sehen sie etwas in Computerspielen für Haustiere. Gott sei Dank legt sich das, wenn sie erwachsen sind, wie dieser Vergleich zwischen einer bescheuerten Katze und einem schlauen Hund (DLAT #8) zeigt, wobei man sich die Intelligenzbewertung durch die hier verwendeten Adjektive natürlich auch sparen kann, Hunde sind schließlich Hunde und Katzen sind halt nichts als Katzen.

Ich hab’s für Yoox getan

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Jetzt macht auch Modeonlinehändler Yoox was mit Kunst. Einen Kunstwettbewerb nämlich, und der klingt auf den ersten Blick erst einmal gar nicht so unvernünftig: Künstler (oder Menschen, die sich für solche halten) sind aufgerufen, eine Arbeit zum Thema „Wasserglas“ zu produzieren, welche die Essenz dieses so universalen Gegenstandes erfasst – klingt banal, ist aber gar nicht so blöd gedacht. Präsentiert wird – auch nicht so blöd – der „You Make It“ betitelte Wettbewerb von einem respektablen Kunstwelt-Schwergewicht, Francesco Bonami. Trotzdem gibt es an der Sache etwas auszusetzen. (mehr…)