Gebastelte Gemütlichkeit

9. Berlin Biennale_Aufbau

Vor keiner Berlin Biennale hatte ich so viel Angst wie vor dieser. Überhaupt hatte ich noch nie Angst vor einer Berlin Biennale, nicht mal vor der, bei der ich selber mitgearbeitet habe, und das will was heißen, denn es war die erste und keiner hatte einen Plan, nur das Ziel, dass es gut werden musste, damit sich die Leute in Zukunft um uns reißen und wir alle berühmt würden und super Jobs bekämen, was für manche ja auch geklappt hat. Für mich zumindest. Das mit der Angst hatte zwei Gründe: zum einen die vom Kuratorenkollektiv formulierte Erkenntnis, dass die Zukunft klarer sei als die Gegenwart, welche wiederum ein Mekka der Orientierungslosigkeit biete, was ja stimmt, das weiß jeder, der in ihr lebt, weshalb ich einen Overkill an Orientierungslosigkeit induzierender Kunst befürchtete, und es ist ja so schon schwierig genug, sich in der aktuellen Kunst zu orientieren, da muss die ja Orientierungslosigkeit nicht noch zum Thema machen. Zum anderen muss ich bei DIS immer an Dissen denken, und ich disse doch so gern, weshalb ich Angst vor einem unkontrollierten und womöglich ungerechtfertigten Diss-Ausbruch hatte. (mehr …)

Dogs Looking at Things #18

Dogs Looking at Things18_Blitzkunst

©www.instagram.com/voindevoin

Eigentlich müsste die Headline dieses Beitrags lauten, “Dogs looking LIKE things”, denn der hier gezeigte Hund sieht nichts an, sondern nach was aus, und zwar nach einem Wischmob, wie man unschwer erkennen kann und deshalb nicht extra erwähnen müsste, zumal es hier gar nicht darum gehen soll, wonach der Hund aussieht, sondern wo er sich befindet. Nämlich in der Luft. (mehr …)

Totally contemporary, diese Steinzeit!

Augstein Inea_01

Augstein Inea_02

©Inea Gukema-Augstein.

Wie lange braucht man, um sich einen Überblick über die Menschheitsgeschichte von der Steinzeit bis heute zu verschaffen? Ein paar Minuten vielleicht, jedenfalls nicht länger als eine Stunde. Man muss dazu nur die Ausstellung „Amazing Steinzeit“ von Inea Gukema-Augstein bei Heit Berlin besuchen. „A tribute to turbo times, accidents, feminism and ancestors“, so heißt es in der Ausstellungsankündigung, gestützt vom Motiv der Einladungskarte, einem knallrosafarbenen Porsche 911 Turbo, der natürlich auch Sinnbild für accidents, feminism und ancestors ist, in seinem Turbo-Rosa ein Zusammenprall von Geschlechterklischees, brutal und humorvoll zugleich. (mehr …)

Scheiße, aber geil!

Daily VR Poop_01

Laura JuoHsin Chen, Still aus „Daily Life VR, Chapter 1: Poop“, 2016. ©www.jhclaura.com.

Endlich muss man nicht mehr gleich koksen, wenn man einfach mal mit anderen Leuten gleichzeitig auf die Toilette gehen will. Denn jetzt gibt es „Daily Life VR“, eine Virtual Reality-Webserie von Kunstcoderin Laura JuoHsin Chen, und die widmet sich der gemeinsamen Befriedigung von Grundbedürfnissen. Erstes Kapitel: „Poop“. (mehr …)

Alles hängt zusammen

Botschaft innen kl

Photo© Stefan Draschan.

Und sie funktioniert immer noch, diese Berliner Spezialität der von Künstlern organisierten Ausstellungen mit unfassbar dimensionierten Künstlerlisten, unfassbar, so denkt man, bis man dann sieht, wie alles fassbar gemacht wird, in einem Raum, von dem man nie gedacht hätte, dass da alles reinpasst, aber es passt, auf das Prinzip der Petersburger Hängung ist noch immer Verlass, und auch auf seine demokratisierende Wirkung, dieses Phänomen von unzähligen Arbeiten, die man selbst, wenn man die einzelnen Künstler kennt, in so einer geballten Ansammlung ihren jeweiligen Urhebern nicht mehr zuzuordnen vermag, ein hübsches Ratespiel, genauso interessant wie das Paradox, dass diese zwangsversammelten Arbeiten einerseits um Aufmerksamkeit streiten, sich andererseits aufmerksamkeitsökonomisch höchst effizient verhalten. (mehr …)

Traumhafte Aufbruchstimmung bei Michael Sailstorfer x COS

Sailstorfer Silver Cloud

Eine silbern glänzende Wolke, wie hübsch. Eine silbern glänzende Wolke, die vom Himmel fällt, wie poetisch. Denn Wolken sind Träume, Sinnbilder für Sehnsucht, für Unerreichbares, sie vom Himmel holen zu können, wie wäre das schön. Aber ach, zu oft zerschmettert so ein Traum, wenn er auf den harten Boden der Realität aufschlägt, also lässt man ihn besser am Himmel stehen, oder? Natürlich nicht, ihr Luschen! Das weiß jeder, der Zeuge des Wolkenexperiments von Michael Sailstorfer geworden ist. (mehr …)

Blogger bei Mutti

Erwin Wurm_Bei Mutti_02

Dass Blogger die wichtigeren Journalisten seien, wie Erwin Wurm jüngst vor einer Gruppe von ebensolchen angab, kann natürlich bezweifelt werden, schließlich ist Reichweite nicht alles. Aber manchmal werden sie besser behandelt. Während eines Previews von Wurms Ausstellung „Bei Mutti“ in der Berlinischen Galerie nur für Blogger jedenfalls durften sie alles. Überall rumlaufen, Aufbauhelfer bei der Arbeit stören, Kunst anfassen, alles fotografieren und den Künstler alles fragen machte nur erstmal keiner, also fragen. Fotografieren dafür umso mehr. (mehr …)

Dogs looking at Things #17

Dogs looking at things_Schmuck

Bis zu 800 Hunderassen gibt es auf der Welt. So viele Hunderassen braucht kein Mensch. Und erst recht kein Hund. Zwar sind Hunde Studien zufolge in der Lage, auf Fotos Vertreter ihrer Spezies zu erkennen, aber zu mehr als zur Unterscheidung zwischen „Hund“ und „Auto“ reiche es nicht. Für einen Hund sei ein Hund ein Hund, kein „Dackel“, „Pitbull“ oder „Labrador“, behauptet eine Studie des bekannten Hundekognitionsfachmagazins Animal Cognition.

Auch Menschen wird die Fähigkeit zugeschrieben (und zwar ganz ohne Beleg durch entsprechende Studien), zwischen „Mensch“ und „Auto“ zu unterscheiden, und nicht nur das: Menschen sollen Vertreter ihrer Spezies sehr viel differenzierter wahrnehmen als Hunde; sie sehen statt „Mensch“ zum Beispiel „dunkelhäutiger Mensch“, „hässlicher Mensch“ oder „beschissen angezogener Mensch“, weshalb es nur logisch ist, dass sie nicht einfach nur „Hund“ sehen, sondern eben „Dackel“, „Pitbull“ oder „Labrador“. Unterschiedliche Hunderassen gibt es also nur aus einem Grund: um die komplexen kognitiven Fähigkeiten des Menschen zu bedienen. (mehr …)

Rauchen und Fasten am Ende

Urs Fischer Skateboard Smoking

Urs Fischer for Supreme, „Toasted, Fried & Baked“, 2016. ©supremenewyork.com

Dass sich manche in der Fastenzeit neben anderen Lustbefriedigern auch das Rauchen verkneifen, ist insofern kein Akt religiöser Hingabe, als die Fastenzeit ja jener 40 Tage gedenken soll, die Jesus in der Wüste verbrachte. Ganz allein, ohne Essen, aber auch ohne Zigaretten, was ihm allein schon deshalb nichts ausgemacht haben dürfte, weil er Nichtraucher gewesen sein soll. Sich etwas zu verkneifen, was Jesus egal war, hat also jedenfalls nichts mit Religion zu tun, sondern höchstens mit dem Austesten der eigenen Willenskraft, aber damit ist es mit dem heutigen Ende der Fastenzeit vorbei, weshalb für Rauchfastende der Anblick der von Urs Fischer für das Skate-Label Supreme gestalteten Boards keine Versuchung mehr darstellt. (mehr …)