Das ist nicht witzig!

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©Eran Shakine.

Es gibt viele Dinge, die sind überhaupt und sowas von gar nicht lustig, da macht man keine Witze drüber. Überhaupt, wir leben in einer so schlimmen Zeit, Probleme überall auf der Welt, wo man nur hinschaut, das ist jetzt wirklich nicht die richtige Zeit zum Witzemachen. Aber wenn schon Witze, dann wenigstens über Dinge, die, wenn schon nicht lustig, dann zumindest zum Witzemachen freigegeben sind. Trump zum Beispiel, von Anfang an legitimierter Witzgegenstand, gut, sieht man jetzt, was dabei rausgekommen ist, aber hey, kann keiner sagen, wir hätten nichts zu lachen gehabt. Religion dagegen, auf keinen Fall witzberechtigt. Keine Witze über Religion, niemals, weiß jeder, nicht erst seit der Sache mit den Karikaturen. Keine Witze über Muslime, keine Witze über Juden, keine Witze über Christen. Wobei sich ein Witz über letztere wahrscheinlich witziger auf der ersten Deutschlandausgabe von Charlie Hebdo gemacht hätte als Angela Merkel, die zwar Christin ist, aber das versäumt der Titel leider zu thematisieren. (mehr …)

Wenn die Form sich den Inhalt greift

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Installationsansicht „Die Poesie des Buchhalter – Ulrike Damm, Zeichnungen“, Zitadelle Spandau, Berlin 2016. Diese u. folgende Abb. ©the artist.

Die Designerin Ulrike Damm schrieb drei Bücher. Am Computer. So weit, so unspektakulär. Dann schrieb sie diese drei Bücher ab. Mit der Hand. Auf zum Teil fast meterhohe Bögen Papier. Was nach der sinnfreien Beschäftigung eines manischen Geistes klingt, erweist sich tatsächlich als beeindruckende Perspektive auf das Schreiben als gestalterisches Medium. Was passiert, wenn nicht nur beim Lesen eines Textes Bilder entstehen, sondern schon das Schreiben desselben als visueller Prozess angelegt ist, ist jetzt in einer Ausstellung in der Zitadelle Spandau zu sehen. Holm Friebe traf Ulrike Damm zum Gespräch. (mehr …)

Wie man sich seinen eigenen Katalog finanziert

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©Jonny Star.

Künstler müssen ihre Kunst verkaufen, sonst haben sie kein Geld, um Kunst zu machen. Um ihre Kunst verkaufen zu können, müssen sie sie erstmal zeigen, und auch das kostet Geld. Künstler müssen also Kunst verkaufen, um Geld zu haben, ihre Kunst zu zeigen, um sie verkaufen zu können. Die Künstlerin Jonny Star hat dieses Dilemma mit einer Crowdfunding-Aktion zur Finanzierung ihrer Monografie beim Distanz Verlag ausgehebelt. (mehr …)

Frankfurter Kunstmesse jetzt auch mit Büchern

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„Die Frankfurter Buchmesse probiert etwas Neues: einen Ausfallschritt in Richtung bildende Kunst. Eingelassen hat man sich für THE ARTS+ in Halle 4.1. ausgerechnet mit der unvermeidlichen Kunstsammlerin, MTV-Gründerin und Digital-Impressaria Christiane zu Salmsalmsalm. Herausgekommen ist ein gemischter Bauchladen-Parcours mit Glanzlichtern, aber auch Totalausfällen. (mehr …)

Preiswert: Das Hirn von Sir Norman Foster

Diese Geschichte hier ist total unwichtig, für deutschsprachige Leser zumindest, denn a) passierte sie schon vor ein paar Wochen und b) gab es keinerlei Berichterstattung in deutschsprachigen Medien. Dass sie so unwichtig ist, macht sie aber interessant, denn immerhin spielen die nicht gerade unwichtigen Personen Marina Abramović und Sir Norman Foster die Hauptrollen darin. Beziehungsweise, das Hirn von Sir Norman Foster, wenn auch nicht sein echtes, sondern eine naturgetreue Nachbildung in Form einer goldfarbenen Skulptur, gestaltet von Marina Abramović zusammen mit einer hirnförmigen Kopfbedeckung mit unzähligen kleinen LED-Leuchten. (mehr …)

Die DDR als Manufactum-Katalog

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M. Weisser, Butterpackmaschine Impulsa, o.J. ©Daily GDR.

Manche Kunst muss erst auf dem Müll landen, bevor sie groß wird. Wie im Fall eines Konvoluts von Fotoabzügen, die der Berliner Grafiker Martin Baaske beim Entsorgen von Papierabfall in einem Altpapier-Container fand. Weil viele davon in Umschlägen steckten oder rückseitig beschriftet waren, konnte Baaske ungefähr einordnen, worum es sich bei seinem Fund handelte: um Presse- und Dokumentarfotografie aus der DDR, zumeist aus den sechziger Jahren, bestimmt zur Abbildung in DDR-Zeitschriften.

Schöne Fotos, erkennt das geschulte Auge auf den ersten Blick. Merkwürdige Fotos, auf den zweiten. Denn offenbar sollten die Bilder vom Alltag in der DDR, von Passanten beim Einkauf, Vereinstreffen, Sportveranstaltungen oder Produktionsstätten die Realität auf ganz besonders reale Weise abbilden – und gerieten so zu Inszenierungen einer Inszenierung. (mehr …)

Wir müssen leider draußen bleiben

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Rick Bartow hat es nicht geschafft. Er ist nur „one of the hundreds of thousands of minor painters with a work or two hanging in a few museums“. Rick Bartow ist Maler, aber kein namhafter. Er ist „non-notable“, zumindest in den Augen der Wikipedia-Wächter. Und damit ist er nicht allein. Unzählige Einträge zu Personen von möglicherweise öffentlichem Interesse landen bereits kurz nach Veröffentlichung im Autoren-Diskussionsforum „Articles for deletion“ – und die meisten überleben das nicht. (mehr …)

Sterben wird lebendiger

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Wenn man sich sicher sein könnte, nach dem Tod wirklich tot zu sein, könnte es einem ja egal sein, wie man begraben wird. Aber weil man sich eben nicht sicher sein kann und vielleicht auch der Vorstellung anhängt, das Danach könnte irgendwie mit dem Davor verknüpft sein, ist es schon besser, den eigenen Tod als Teil des eigenen Lebens, des Erlebens mitzudenken. Und deshalb sollte man sich, auch wenn dieser noch nicht so bald einzutreten droht, ruhig ein bisschen intensiver damit beschäftigen, wie das eigene Begräbnis so aussehen könnte. Und damit dazu beitragen, dass das Thema Tod auch im gesellschaftlichen Umgang ein bisschen lebendiger wird. (mehr …)

Nach abc kommt def

Fußbodenfund auf der abc art berlin contemporary 2016 (am Stand von Sprüth Magers mit fantastischen Arbeiten von Andreas Schulze, die hier nicht gezeigt werden können, weil VG Bild-Kunst so viel kostet).

Fußbodenfund auf der abc art berlin contemporary 2016 (am Stand von Sprüth Magers mit fantastischen Arbeiten von Andreas Schulze, die hier nicht gezeigt werden können, weil VG Bild-Kunst so viel kostet).

Bekanntlich ist Weniger oft mehr, aber manchmal ist Weniger halt auch einfach nur weniger. Die Qualität der diesjährigen art berlin contemporary wurde durch die selbstverordnete Schrumpfkur jedenfalls nicht erhöht. Weshalb sich der Verdacht, die überschaubaren Dimensionen der Edition 2016 könnten vielleicht doch nicht ganz so gewollt gewesen sein wie vom Veranstalter dargestellt, nur schwer abschütteln lässt. Der harte Kern der Gründergalerien war zwar abgesehen von eins, zwei Abtrünnigen noch dabei, aber längst nicht jede Galerie zeigte sich so enthusiastisch in der Standgestaltung wie zum Beispiel Sprüth Magers mit Andreas Schulze, und die paar Vertreter der jüngeren Garnitur konnten es halt auch nicht herausreißen, auch wenn Levy (mit Fabian Knecht) und Dittrich & Schlechtriem (Simon Mullan) herausragende Arbeit leisteten. (mehr …)

Sommerpause war aber ganz schön lang dieses Jahr

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Nach fast drei Monaten Sommerpause kann BLITZKUNST seine Existenz nicht länger leugnen. Bis zur Berlin Art Week ist es gerade mal noch eine Woche, höchste Zeit also, sich wieder warm zu schreiben. Und zwar mit einem Blick ins über den Sommer erfolgreich ignorierte Email-Postfach. All die Hinweise auf tolle Kunst, die wegen Ausstellungsende nicht mehr zu sehen ist, all die Newsletter mit Stories über hochinteressante Skandale, an die sich einen Tag nach Bekanntwerden keiner mehr erinnert, all diese Nachrichten zu lesen, die zu Irrelevanz verkamen, weil sie nicht vor Ablauf ihres Haltbarkeitsdatums konsumiert wurden, das schafft ein irres Gefühl von Freiheit – egal, egal, alles egal gewesen, bedeutungslos, einflusslos, egal. Dann aber auch wieder nicht. Weil die Erkenntnis von der Egalheit einhergeht mit der Erkenntnis darüber, was für ein schöner Luxus es ist, Egales für wichtig erachten zu können. (mehr …)