Frauen, hört auf mit dem Erbsenzählen!

©CC0 Creative Commons.

War ja klar. Auch dieses Jahr sind drei Galerien für den VBKI-Preis für Berliner Galerien nominiert, und alle drei haben sich mit Ausstellungsprojekten männlicher Künstler beworben – sowas von klar, dass die reflexhafte Empörung angesichts des Fehlens von Frauen nicht lange auf sich warten ließ. Man könnte meinen, wir seien langsam mal einen Schritt weiter, aber dafür erfahren empörte Hinweise auf weiblich unterbesetzte Künstlerlisten immer noch zu viel Zustimmung im Facebook-Feed.

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Perfekte Exit-Strategie

Isabelle Graeff, „Bunnies & Cakes“, Nr. 17 von 111 Unikaten der Edition „Exit“, 2018. ©www.editionexit.com

Ist es selektive Wahrnehmung, oder verzeichnen wir gegenwärtig tatsächlich eine signifikante Häufung fantastischer Editionen? Egal, Hauptsache, fantastische Editionen. Diese hier zum Beispiel, aufgelegt in Verbindung mit dem jüngst bei Hatje Cantz in Katalogform gebrachten Projekt „Exit“ von Fotografin Isabelle Graeff. Während die eigentlichen Fotoarbeiten, entstanden in England kurz vor der Brexit-Abstimmung unter dem Eindruck eines durch Umbrüche verunsicherten Landes, zwar durch kompositorische und technische Perfektion bestechen, dadurch aber zu viel Distanz entfalten, um als Stimmungsbild oder Kommentar zur Zeit zu funktionieren, tun die Polaroids 1:1 genau das. Das nur bedingt kontrollierbare Ergebnis, die langfristigen Entwicklerreaktionen geschuldeten Veränderungen, das kaum bestimmbare Haltbarkeitsdatum – hier sind Sujet und Medium eins. (mehr …)

Jenseits von prekär: Kunstmachen in Berlin

Einfach so eins zu eins eine Pressemitteilung veröffentlichen? Ein guter Kunstblog tut das nicht. Untenstehend also die Copy-Paste-Veröffentlichung der Pressemitteilung zu einer Studie über die Situation von KünstlerInnen in Berlin, denn die darin genannten Zahlen wirken für sich, die muss man nicht in Interpretations-Blabla einbetten. Der Text ist recht lang, deshalb hier die tltr-Version: Kunst machen lohnt sich finanziell gesehen für Frauen noch weniger als für Männer, und in Berlin noch mal weniger als anderswo. Für tiefergehend Interessierte hier die Mitteilung in voller Länge: (mehr …)

Ganz Instagram muss diese Collagen kaufen

Collagen auf dem Instagram-Account von Emanuel Mooner. ©www.instagram.com/dompteurmooner.

Gibt es eigentlich einen automatischen Bietagenten für Instagram-Posts? Ein Tool, das automatisch einen Kommentar unter einen Post setzt, sobald er veröffentlicht wird? So etwas könnte man gut für den Account von Emanuel Mooner (@dompteurmooner) gebrauchen, der auf Instagram jeden Tag eine Collage zum Verkauf stellt, und zwar für 25 Euro und damit bewusst zu einem extrem günstigen Preis, der zwar die vom Collagekünstler erwünschte Diskussion um den Wert von Kunst nicht anstößt, dafür aber für reißenden Absatz sorgt, jedenfalls sind die meisten Collagen, deren Erwerb durch das Absetzen eines Kommentars mit Wortlaut „I Want“ besiegelt wird, unmittelbar nach Veröffentlichung auch schon weg. (mehr …)

Wertlose Website Weg

Rotkaeppchen68/CC BY-SA 3.0.

Offenbar kommuniziert die Redaktion des Kunstmagazins art nicht so gern. Jedenfalls nicht, wenn es um Digitales geht. Das Onlineangebot von art jedenfalls wurde kürzlich eingestellt, ohne dass auf der Seite selbst oder über Social Media darauf hingewiesen worden wäre. Und auch auf wiederholte Anfragen an die Redaktion, ein paar Fragen zu diesem Fall zu beantworten, erfolgte bislang keine Reaktion. (mehr …)

ZKR und Schloss Biesdorf sind sich nicht mehr grün

Schloss Biesdorf. Photo© Wikimedia Commons, CC-BY-SA-3.0,2.5,2.0,1.0.

Kleine Berliner Bombe zum Jahresende: Das ZKR – Zentrum für Kunst und öffentlichen Raum verlässt seinen Standort Schloss Biesdorf. Der Betreiber, die Grün Berlin GmbH, war erst im September 2016 im Auftrag des Bezirkes Marzahn-Hellersdorf angetreten, das architektonisch nicht ganz einfache, aber irgendwie zickig-attraktive und landschaftsgärtnerisch toll umarmte Gebäude in der Aufmerksamkeit des Berliner Kulturgeschehens zu verankern – und zwar mit einem großartigen Programm und deshalb unabhängig von den Besucherzahlen erfolgreich. (mehr …)

Solidaritätszuschlag

David Zink Yi, „Lieblingsarm (Favourite Arm)“, 2009. Werk aus der Auktion bei lend-me-your-ear.org. Aktuelles Gebot: noch zu niedrig.

Eben noch war alles gut. Liebe, Familie, Geld, Wohnung, Reihenfolge egal, alles gleich gut. Dann passiert irgendwas, und dann blöderweise gleich darauf noch was, und auf einmal ist nichts mehr gut, und dann zeigt sich aber mal wirklich, wer die sprichwörtlich echten Freunde sind. Je höher in einem sozialen Umfeld der Stellenwert der Außenwirkung, desto weniger gibt es davon, sagt das Klischee. Wenn es stimmt, dann ist dieser Stellenwert in manchen Bereichen der Kunstwelt ziemlich gering. (mehr …)

Die Macht der Friseure

Für die Präsenz von Kunst in kleinstädtischen Gemeinden gilt ja häufig eine von zwei Regeln. Die eine: Wo nichts ist, kann alles werden. Die andere: Wo nichts ist, da soll auch nichts hin. Hier eine Theorie: Weist eine Kleinstadt eine überproportional hohe Anzahl an Friseurläden auf, gilt bezüglich ihrer Haltung zu Kunst von beiden Regeln die letztere. (mehr …)

Aquatisches Wabern und handfestes Holz

Man kann Ewigkeiten verdaddeln auf der Website der Galerie Zierfische, die streng genommen keine Galerie ist, jedenfalls keine mit einem Raum, sondern nur mit Schaufenstern, aber das ist eine andere Geschichte und im übrigen auch kein Defizit, denn abgesehen davon, dass die Galerie Zierfische über die Kooperation mit dem Späti nebenan mitttelbar doch über Räume verfügt, in denen man die zu jeder Ausstellung herausgegebene Edition erwerben kann, gibt es eben auch noch die bereits erwähnte und zu recht erwähnenswerte Website. (mehr …)

Alles so schön bunt

©www.hautfarben-buntstifte.de.

Jahrzehntelang hatten Buntstiftmarken wie Staedtler zwar jede Menge Farben im Sortiment, aber keine Hautfarben. Sondern einfach nur Farben. Mit denen sollte man dann zeichnen, was die Fantasie hergab. Oder das, was man in seinem Umfeld so sah. Menschen unterschiedlicher Hautfarben mochten auch darunter sein, nur, die konnte man leider nicht zeichnen – weil es keine entsprechenden Buntstiftfarben gab. Denn wenn man die Welt so abbilden will, wie sie ist, dann muss man natürlich auch das entsprechende Werkzeug dazu haben. Es kann etwa einem Menschen, der zur Darstellung von Hautfarben nur die Buntstiftfarben Rosa, Gelb, Braun und Schwarz zur Verfügung hat, kein Rassismus vorgeworfen werden – einem Menschen, der Zugriff auf eine breite Palette von Buntstiften zur naturgetreuen Darstellung von Hautfarben hat und diese nicht korrekt anwendet, dagegen schon. Und weil es jetzt solche Buntstifte gibt, ist der Mensch nicht nur endlich in der Lage, die Welt so darzustellen, wie sie ist, er hat auch keinen Grund mehr, dies nicht zu tun. „Mit den Hautfarben-Buntstiften von GoVolunteer malen Kinder sich selbst und ihre Freunde endlich so, wie sie aussehen“, heißt es im Onlineshop von GoVolunteer, einer Plattform zur Förderung zur Integration von Flüchtlingen. Ein beruhigendes Gefühl zu wissen: Dank dieser Buntstifte ist die fies bis zum Rand mit Ambivalenz gefüllte Kluft zwischen Wirklichkeit und ihrer Darstellung ein klein bisschen schmaler und die Integration von Menschen unterschiedlicher Hautfarben sehr viel einfacher geworden. (mehr …)