Art Cologne: Unten ist es top

Von Mel Ramos und Tom Wesselmann darf man sich nicht täuschen lassen beim Betreten des Untergeschosses der Art Cologne durch den Haupteingang. Was sich hier unten im Segment Moderne und Nachkriegskunst versammelt, ist zwar extrem sexy, aber eher formstreng als voluptuös. Beim Gang durch die Stände kommt man nicht nur wegen der luftigen und orientierungsfreudigen Anordnung zur Ruhe, sondern auch, weil die Welt hier unten zu einem Großteil aus Linien und Rastern besteht.

Viel Konstruktivismus, Minimal, Op Art, das Ganze auf von Mut zur Farbigkeit belebten Kojenwänden, hier und da mal etwas auratisch aufladende Lichtsetzung und weiche Sitzpolster, so lässt es sich hier stundenlang aushalten. Dass die Messe ihr Teilnehmerfeld ausgedünnt hat, erfreut das Betrachterherz, wenn es sich auch kurz mal fragt, warum denn dann nicht gleich tabula rasa gemacht und den Querschlägern aus der Dekokitschfraktion der Garaus gemacht wurde, aber man will nicht meckern, zumal das Pendel auch in die andere Richtung ausschlägt, zum Beispiel mit der sensationellen Einzelpräsentation von Felix Kiessling bei Alexander Levy, der in der Kategorie „New Positions“ eigentlich in die obere Halle gehört hätte, hier unten aber umso mehr der verdienten Aufmerksamkeit erhält.

Oben ist auch schön, aber selten hat mir der Gang durch das 20. Jahrhundert so viel Spaß gemacht, denn auch, wenn die Zeit immer noch die beste Kuratorin ist, stimmt die Schlussfolgerung, das Angebot aus dem 20. Jahrhundert müsse folglich weniger Schrott enthalten als das junger Positionen, merkwürdigerweise längst nicht immer. Bei der Qualität der gezeigten Ware geht auch das Konzept auf, die Moderne in die Gegenwart fortzuführen. Die Zeitlosigkeit eines Macks, Luthers, Fruhtrunks (der ja zudem gerade einen fashion moment hat) oder Knoebels (in rätselhaft hoher Dichte vertreten) wird wunderbar deutlich und erhebt auch das, was im oberen Stockwerk zum Teil noch mit Eierschale auf dem Kopf auf den Markt gebracht wird – wobei das nicht als Kritik zu verstehen ist, sondern im Gegenteil für alle, die Lust auf selbstbestimmtes Ausbilden von Bewertungskriterien und Sammeln jenseits des Etablierten haben, ein kleines Eldorado bereit hält, zumal man auf Frage nach den Preisen häufig Summen genannt bekommt, die sich auch frisch geschlüpfte Babysammler leisten können. Also: Erst in der unteren Halle eine Runde drehen und dann oben was kaufen (unten was kaufen geht natürlich auch, aber oben ist es in der Summe sehr viel günstiger).