ALLGEMEIN

Perfekte Exit-Strategie

Isabelle Graeff, „Bunnies & Cakes“, Nr. 17 von 111 Unikaten der Edition „Exit“, 2018. ©www.editionexit.com

Ist es selektive Wahrnehmung, oder verzeichnen wir gegenwärtig tatsächlich eine signifikante Häufung fantastischer Editionen? Egal, Hauptsache, fantastische Editionen. Diese hier zum Beispiel, aufgelegt in Verbindung mit dem jüngst bei Hatje Cantz in Katalogform gebrachten Projekt „Exit“ von Fotografin Isabelle Graeff. Während die eigentlichen Fotoarbeiten, entstanden in England kurz vor der Brexit-Abstimmung unter dem Eindruck eines durch Umbrüche verunsicherten Landes, zwar durch kompositorische und technische Perfektion bestechen, dadurch aber zu viel Distanz entfalten, um als Stimmungsbild oder Kommentar zur Zeit zu funktionieren, tun die Polaroids 1:1 genau das. Das nur bedingt kontrollierbare Ergebnis, die langfristigen Entwicklerreaktionen geschuldeten Veränderungen, das kaum bestimmbare Haltbarkeitsdatum – hier sind Sujet und Medium eins. (mehr …)

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Ganz Instagram muss diese Collagen kaufen

Collagen auf dem Instagram-Account von Emanuel Mooner. ©www.instagram.com/dompteurmooner.

Gibt es eigentlich einen automatischen Bietagenten für Instagram-Posts? Ein Tool, das automatisch einen Kommentar unter einen Post setzt, sobald er veröffentlicht wird? So etwas könnte man gut für den Account von Emanuel Mooner (@dompteurmooner) gebrauchen, der auf Instagram jeden Tag eine Collage zum Verkauf stellt, und zwar für 25 Euro und damit bewusst zu einem extrem günstigen Preis, der zwar die vom Collagekünstler erwünschte Diskussion um den Wert von Kunst nicht anstößt, dafür aber für reißenden Absatz sorgt, jedenfalls sind die meisten Collagen, deren Erwerb durch das Absetzen eines Kommentars mit Wortlaut „I Want“ besiegelt wird, unmittelbar nach Veröffentlichung auch schon weg. (mehr …)

Solidaritätszuschlag

David Zink Yi, „Lieblingsarm (Favourite Arm)“, 2009. Werk aus der Auktion bei lend-me-your-ear.org. Aktuelles Gebot: noch zu niedrig.

Eben noch war alles gut. Liebe, Familie, Geld, Wohnung, Reihenfolge egal, alles gleich gut. Dann passiert irgendwas, und dann blöderweise gleich darauf noch was, und auf einmal ist nichts mehr gut, und dann zeigt sich aber mal wirklich, wer die sprichwörtlich echten Freunde sind. Je höher in einem sozialen Umfeld der Stellenwert der Außenwirkung, desto weniger gibt es davon, sagt das Klischee. Wenn es stimmt, dann ist dieser Stellenwert in manchen Bereichen der Kunstwelt ziemlich gering. (mehr …)

Die Macht der Friseure

Für die Präsenz von Kunst in kleinstädtischen Gemeinden gilt ja häufig eine von zwei Regeln. Die eine: Wo nichts ist, kann alles werden. Die andere: Wo nichts ist, da soll auch nichts hin. Hier eine Theorie: Weist eine Kleinstadt eine überproportional hohe Anzahl an Friseurläden auf, gilt bezüglich ihrer Haltung zu Kunst von beiden Regeln die letztere. (mehr …)

Aquatisches Wabern und handfestes Holz

Man kann Ewigkeiten verdaddeln auf der Website der Galerie Zierfische, die streng genommen keine Galerie ist, jedenfalls keine mit einem Raum, sondern nur mit Schaufenstern, aber das ist eine andere Geschichte und im übrigen auch kein Defizit, denn abgesehen davon, dass die Galerie Zierfische über die Kooperation mit dem Späti nebenan mitttelbar doch über Räume verfügt, in denen man die zu jeder Ausstellung herausgegebene Edition erwerben kann, gibt es eben auch noch die bereits erwähnte und zu recht erwähnenswerte Website. (mehr …)

Vier Frauen, zwei Paarungen, ein Preis

Sicherer Anwärter auf den Publikumssieg: „Amazonas Shopping Center“ von Sol Calero. Installationsansicht „Preis der Nationalgalerie 2017“, Hamburger Bahnhof Museum für Gegenwart, Berlin.

Warum Udo Kittelmann auf der Pressekonferenz zum Preis der Nationalgalerie 2017 mit der Vorstellung des Sponsors BMW in Gestalt des BMW-Repräsentanten Thomas Girst verkündet, er fahre einen nicht von BMW gesponserten BMW, was ihm „viel Freude“ bereite, wird sein Geheimnis bleiben, ansonsten umweht nichts Geheimnisvolles die Auswahl der Shortlist für den diesjährigen Preis. Dass sie mit Sol Calero, Iman Issa, Jumana Manna und Agnieszka Polska nur aus Frauen besteht, ist Zufall, und solange Männer noch anderswo Gelegenheit zum Erhalten von Preisen haben und die wichtigste museale Auszeichnung Deutschland grundsätzlich weiterhin auch an Männer gehen kann, auch kein Problem. (mehr …)

Graue Mäuse gegen schwarze Ratten

Foto© Andrea Rüter/1000 Gestalten.

Was passiert, wenn man herrschenden Verhältnissen mit Ignoranz und Kritiklosigkeit begegnet, also gar nicht? Dann wird man zu einer grau verkrusteten Gestalt mit leerem Blick und hängenden Schultern, die sich, endlos Endzeitlichkeitsatmo verströmend, müde dahinschleppt, alles kaputt, Wille gebrochen oder nie da gewesen, von Körperfressern ausgehöhlt. Will man das? Nee. Jedenfalls nicht länger als ein paar Stunden. Irgendwann wird das Jucken der grauen Paste auf der Haut doch bestimmt unerträglich, und spätestens dann muss man aufwachen aus der Lethargie und sich das Graue vom Leib reißen, damit das Bunte darunter zum Vorschein kommt, so wie im Film Pleasantville auf einmal Farbe in die heile Schwarzweiß-Welt zu dringen beginnt, quasi als Äquivalent zu Evas Biss in den Apfel vom Baum der Erkenntnis, aber das ist eine andere Geschichte, wo waren wir gleich? Ach ja, bei den „1000 Gestalten“, jener Hamburger G20-Protest-Performance, die zu einer von grauen Mäusen veranstalteten Entertainment-Aktion verkommen wäre, hätten ihr nicht die schwarzen Ratten den Gefallen getan, sie zu einem dann doch wirkungsvollen Kommentar zu erheben. (mehr …)

Super Enttäuschung am Valentinstag

melgaard-the-purgePaare, die den Valentinstag feiern, haben auch sonst keine gute Beziehung. Zu nichts. Menschen, die den Valentinstag feiern, sind uncool. Menschen, die den Valentinstag überhaupt nur wahrnehmen, sind uncool. Bis auf eine Ausnahme: Bjarne Melgaard. Liebe Leute, wer von euch jetzt gerade in New York ist und um 17 Uhr (EST) noch nichts vorhat: Das hier ist für euch! (mehr …)

Erik Schmidt: Unter Strom

erik-schmidt_rays-around-you_01Struktur kann Freiheit verschaffen, weiß der Freiberufler, nachdem er sich aus seiner Wohnbettlandschaft herausprokrastiniert und ein paar Tage lang to-do-listen-treu am Schreibtisch gearbeitet hat. Struktur kann Freiheit verschaffen, das trifft vielleicht auch im Fall von Erik Schmidt zu, der mit seinem jüngsten Werkzyklus zu einer neuen Freiheit gefunden zu haben scheint, indem er sich in seiner Sujetwahl von Strukturen abhängig gemacht hat. (mehr …)