ALLGEMEIN

So war es in Venedig – von zuhause aus

Laure Prouvost mit dem Französischen Pavillon Anwärterin auf den Goldenen Insta Win.

Wer nicht zu den Eröffnungstagen der Biennale nach Venedig gefahren ist, hat entweder mit FOMO zu kämpfen gehabt oder die himmlische Ruhe genossen, zumindest in Berlin war der Abzug der halben Kunstwelt positiv spürbar. Die Sache mit dem FOMO ist aber leicht zu überwinden: Man muss nur ein paar Accounts auf Instagram und die ersten Pressestimmen verfolgen und wird erleichtert feststellen, dass die Eröffnungstage der Venedig Biennale zum einen nicht wirklich wegen der Kunst (die geht man eh besser im September oder Oktober anschauen, dann ist man ganz allein mit ihr) und zum anderen jedes Mal auf genau die gleiche Art ablaufen, mit denselben Leuten in den gleichen Situationen, und zwar in drei Kapiteln: (mehr …)

Gallery Weekend 2019: Pilotfische

Signe Pierce, „Uploading My Consciousness Into Unreality (Detail)“, 2018. Courtesy the artist and EIGEN + ART Lab.

Dass sich ans Gallery Weekend Berlin alles ranhängt, was auch nur im entferntesten mit Kunst zu tun hat, ist vielleicht der größte Ausweis des Erfolges dieses Formats. Natürlich fällt für die Pilotfische der ein oder andere Krümel vom Aufmerksamkeitskuchen ab, ohne dass sie für den Teig bezahlen würden, aber in der Summe erhöhen sie nur den Attraktivitätsgrad ihres Wirtes, und auch dieses Jahr locken neben dem offiziellen Galerienprogramm, das mal wieder ein paar köstliche Kirschen auf die Torte zu platzieren verspricht, interessante Nebenschauplätze. Im Sinne der Gesundheit dieses Ökosystems schadet es allerdings nicht, genau hinzuschauen, wer dazu beiträgt und wer nur Parasit ist. Deshalb hier zur Sicherheit, und weil es nie genug Wohin-zum-Gallery-Weekend-Listen geben kann (vielleicht kommt auch noch eine Liste mit Wohin-auf-keinen-Fall-Vorschlägen), ein paar qualitativ hochwertige Vorschläge: (mehr …)

Unendliche Reflexion: Monir Shahroudy Farmanfarmaian

Klar mag ich Kunst. Ich schaue mir regelmäßig welche an. Ich könnte stattdessen auch Netflix gucken, aber Kunst scheint die bessere Alternative. Ist anspruchsvoller, bildender, horizonterweiternder. Stimmt ja aber gar nicht. Die meiste Kunst, die ich angucke, hat genau die gleiche Wirkung wie Netflixen. Angucken, Spaß haben, vergessen. Was ich mit Kunst verbinde, ist wahrscheinlich nur zu einem sehr geringen Teil Begeisterung und zu weiten Teilen eher ein wohliges Gefühl von Geläufigkeit. Was auch voll ok ist. Vielleicht braucht es sogar den regelmäßigen Gang durch die Schule der Geläufigkeit, um die wahrhafte Begeisterung spüren zu können, und vielleicht bin ich auch einfach nur zu faul oder zu abgeklärt dafür, aber vielleicht auch nicht, denn sonst wäre ich nicht so traurig über den Tod von Monir Shahroudy Farmanfarmaian, die ich zwar nur einmal sehr kurz gesehen habe und deren Ableben mit 97 Jahren auch nicht wirklich überraschend kam, aber der ich tatsächlich so etwas wie eine lebensverändernde Erfahrung verdanke, genauer, dem ersten Kontakt mit ihren Arbeiten. (mehr …)

Ei ei ei, was seh’ ich da…

Gavin Turk bei der Enthüllung seines „Oeuvre Verdigris“ vor dem Somerset House in London. ©www.standard.co.uk.

Ostern wäre ohne Eier bestimmt sehr viel weniger beliebt, wohingegen der Beliebtheitsgrad von Kunst nicht eierabhängig zu sein scheint, was das Ei allerdings nicht davon abhält, bei KünstlerInnen sehr beliebt zu sein, und zwar sowohl als Medium (Eitempera) als auch Sujet, und das tatsächlich schon seit sehr langer Zeit, nämlich mindestens seit der Antike. (mehr …)

Art Cologne: Unten ist es top

Von Mel Ramos und Tom Wesselmann darf man sich nicht täuschen lassen beim Betreten des Untergeschosses der Art Cologne durch den Haupteingang. Was sich hier unten im Segment Moderne und Nachkriegskunst versammelt, ist zwar extrem sexy, aber eher formstreng als voluptuös. Beim Gang durch die Stände kommt man nicht nur wegen der luftigen und orientierungsfreudigen Anordnung zur Ruhe, sondern auch, weil die Welt hier unten zu einem Großteil aus Linien und Rastern besteht. (mehr …)

Die Frau, die auf dem Teppich bleibt und abhebt

Fatma Shanan, „Self-Portrait on Parquet“, 2019. Courtesy the artist and Dittrich & Schlechtriem.

Jede Kultur hat ihren Teppich. Als Bodenbedeckung hat er seinen Ursprung im Orient, in Russland hängt er bis heute am liebsten an der Wand, in Skandinavien besteht er aus Flicken, in den USA liegt er als hochfloriger Bodenbelag sogar im Badezimmer, und Deutschland hat zwar außer „Auslegeware“ keinen eigenen Beitrag zur Teppichkultur zu bieten, dank des seit Jahren wachsenden Teppichsortiments bei IKEA aber trotzdem eine Vorstellung davon, was Teppich ist. (mehr …)

Bitte folgen: Jeden Tag ein frisches T-Shirt

© IG @misanthropocene.

Einer der Gründe für die geringe Veröffentlichungs-Frequenz auf diesem Blog ist Instagram. Natürlich. Instagram ist ja an so vielem Schuld, zerstörte Selbstbilder, Kommerzialisierung des Kunstbetriebs, Diskursverflachung, Zeitverknappung, Ablenkung von wesentlichen Dingen wie Blogbeiträgen. Wobei, gäbe es Instagram nicht, gäbe es zumindest auch diesen Beitrag hier nicht. Der nämlich einen Instagram-Account behandelt: Misanthropocene. (mehr …)

Kunst schenken? Keine Kunst!

József Rippl-Rónai, „Weihnachten“, ca. 1910. ©CC-0.

Keine Ahnung, warum manche Menschen so ein Problem mit der Entwicklung von Geschenkideen haben, man muss doch nur kurz einen Blick in Kunst und anverwandte Felder werfen und kann sich vor Inspirationen für Weihnachtsgeschenke gar nicht retten. Hier jedenfalls kommt eine Liste mit 10 Geschenkideen von 20 bis 200 Euro, natürlich jedes Ding jeden einzelnen Euro wert, überhaupt alles einfach super Sachen, nicht nur zu Weihnachten, also bitte: (mehr …)

Auf der art berlin bitte das hier kaufen

Ooooh… nee. Sonst alles super auf der art berlin, aber diese Outdoor-Skulpturenabwurfstelle…

Als es während der Aufbautage zur art berlin in den Hangars des Flughafen Tempelhof hieß, die Messe hätte ein Taubenproblem, hatte ich natürlich erstmal so überhaupt keine Lust auf einen Besuch derselben, also ernsthaft, wie kann man nur „Tauben“ und „Problem“ sinnstiftend in einem Satz unterbringen, geschweige denn in einem Wort, und überhaupt, die Möglichkeit von über Sammlerköpfen kreisenden und auf Kunst kackenden Tauben ist ja wohl eher lustig als problematisch, es liebt halt nicht jeder Kunst, manche scheißen drauf, und das ist voll ok. (mehr …)

Für eine Erweiterung des Galeriebegriffs

Neue Vermittlungswege: Gruppenausstellung per Fahrradkurier. „Gallery. Delivery“ von Sebastian Schmieg, präsentiert von Galerie Roehrs & Boetsch. Photo©André Wunstorf.

Als vor ein paar Monaten die Galerie Gillmeier Rech nach fünf Jahren ihre Schließung bekannt gab, ging ein Schauer durch die Berliner Galerienszene: Oh Gott, noch so jung und schon so gestorben! Als kurze Zeit darauf der Galerist Christian Siekmeier verkündete, mit seiner Galerie Exile nach Wien umzusiedeln, befeuerte er damit das ewig hart an der selbsterfüllenden Prophezeiung entlangschrammende Gerücht, in Berlin gäbe es eben keinen galerieexistenzsichernden Kunstmarkt. Und es ist ja nicht nur Berlin. Das Interview mit Jose Freire von der Team Gallery über seine Gründe, fortan keine Kunstmessen mehr zu bestreiten, ging im Frühjahr um die Galerienwelt und ermutigte weitere Galerien, ihr wirtschaftliches Ringen öffentlich zu machen. Wenn man sich so umhört unter Galeristen, könnte man meinen, das Ende der gesamten Branche sei nahe. Aber stimmt das? Warum reagieren Galerien so sensibel auf jede Schließung eines Kollegenunternehmens, als seien sie die nächsten? Warum schaut jede Galerie so intensiv auf das, was die anderen machen? Was ist überhaupt eine Galerie? (mehr …)