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Der Preis ist Kreis

Matthias Planitzer, Detail aus „Untitled (Nature does not calculate)“, 2018.

Wer seiner Verantwortung dem Stellenwert von Kunst in unserer Gesellschaft gegenüber nachkommen möchte, sollte allen Kunstschaffenden grundsätzlich immer empfehlen, noch einen anderen Beruf als das Künstlersein zu erlernen. Pianistin oder Handchirurg zum Beispiel. Abgesehen davon, dass es Kunstschaffende bestimmt sehr gern hören, wenn man ihnen noch einen anderen Beruf zutraut, womöglich einen, in dem sie besser wären als im Kunstmachen, was insofern gut wäre, als sie dann keine Probleme mit Armut bekämen, worin eine rein kunstbasierte Berufslaufbahn ja zwangsläufig endet, ist das zusätzliche Erlernen von kunstfremden Berufen immer auch eine Bereicherung in Bezug auf die Substanz des künstlerischen Schaffens. Wer zum Beispiel neben oder nach oder vor der Kunst noch Medizin studiert, sieht einfach mehr. Mehr Kreise zum Beispiel. (mehr …)

Gebrauchsfertige Unikate

Seit einigen Jahren kann man als Künstler wieder was mit Keramik machen, ohne dafür in die Hobbyecke gestellt zu werden. Vorausgesetzt natürlich, was man mit Keramik macht, sieht nicht nach Gebrauchskunst aus, sondern nach Konzeptkunst. Wenn man sich allerdings entschließt, etwas aus Keramik zu machen, das nicht nur nach Gebrauchskunst aussieht, sondern auch explizit als solche zu verstehen und zu verwenden ist, dann sollte man in seinem Künstlersein besser ordentlich gefestigt sein, um angesichts der Fragen, die einem dann unweigerlich gestellt werden, nicht in Selbstzweifel zu verfallen. Fragen wie „Ist das Kunst, die aber nicht wie Kunst aussehen soll?“ „Ist das Nichtkunst, die aber wie Kunst aussehen soll?“ „Machst du jetzt keine Kunst mehr?“ „Machst du trotzdem noch weiter Kunst?“ „Warum sind die Sachen so billig?“ „Warum sind die Sachen so teuer?“ (mehr …)

Perfekte Exit-Strategie

Isabelle Graeff, „Bunnies & Cakes“, Nr. 17 von 111 Unikaten der Edition „Exit“, 2018. ©www.editionexit.com

Ist es selektive Wahrnehmung, oder verzeichnen wir gegenwärtig tatsächlich eine signifikante Häufung fantastischer Editionen? Egal, Hauptsache, fantastische Editionen. Diese hier zum Beispiel, aufgelegt in Verbindung mit dem jüngst bei Hatje Cantz in Katalogform gebrachten Projekt „Exit“ von Fotografin Isabelle Graeff. Während die eigentlichen Fotoarbeiten, entstanden in England kurz vor der Brexit-Abstimmung unter dem Eindruck eines durch Umbrüche verunsicherten Landes, zwar durch kompositorische und technische Perfektion bestechen, dadurch aber zu viel Distanz entfalten, um als Stimmungsbild oder Kommentar zur Zeit zu funktionieren, tun die Polaroids 1:1 genau das. Das nur bedingt kontrollierbare Ergebnis, die langfristigen Entwicklerreaktionen geschuldeten Veränderungen, das kaum bestimmbare Haltbarkeitsdatum – hier sind Sujet und Medium eins. (mehr …)

Ganz Instagram muss diese Collagen kaufen

Collagen auf dem Instagram-Account von Emanuel Mooner. ©www.instagram.com/dompteurmooner.

Gibt es eigentlich einen automatischen Bietagenten für Instagram-Posts? Ein Tool, das automatisch einen Kommentar unter einen Post setzt, sobald er veröffentlicht wird? So etwas könnte man gut für den Account von Emanuel Mooner (@dompteurmooner) gebrauchen, der auf Instagram jeden Tag eine Collage zum Verkauf stellt, und zwar für 25 Euro und damit bewusst zu einem extrem günstigen Preis, der zwar die vom Collagekünstler erwünschte Diskussion um den Wert von Kunst nicht anstößt, dafür aber für reißenden Absatz sorgt, jedenfalls sind die meisten Collagen, deren Erwerb durch das Absetzen eines Kommentars mit Wortlaut „I Want“ besiegelt wird, unmittelbar nach Veröffentlichung auch schon weg. (mehr …)