Auf der art berlin bitte das hier kaufen

Ooooh… nee. Sonst alles super auf der art berlin, aber diese Outdoor-Skulpturenabwurfstelle…

Als es während der Aufbautage zur art berlin in den Hangars des Flughafen Tempelhof hieß, die Messe hätte ein Taubenproblem, hatte ich natürlich erstmal so überhaupt keine Lust auf einen Besuch derselben, also ernsthaft, wie kann man nur „Tauben“ und „Problem“ sinnstiftend in einem Satz unterbringen, geschweige denn in einem Wort, und überhaupt, die Möglichkeit von über Sammlerköpfen kreisenden und auf Kunst kackenden Tauben ist ja wohl eher lustig als problematisch, es liebt halt nicht jeder Kunst, manche scheißen drauf, und das ist voll ok. Aber eh alles halb so wild, am Eröffnungstag waren keine Tauben zu sehen in den hohen tageslichtgefüllten Hallen, die wegen architektonischer Parallelen Erinnerungen an die erste richtige Berliner Kunstmesse wachriefen, das artforum in den Hallen am Funkturm damals, aber wir haben keine Zeit für Nostalgie und kein Interesse an Metagefasel über das Wesen dieser Messe, die einfach nur wie eine ziemlich große, aber angenehm zu durchschreitende Messe aussieht, bis auf den Outdoor-Sculpture-Bereich, in dem anscheinend aus einem Flugzeug abgeworfene, weil völlig wahllos und inkohärent platzierte Skulpturen zwischen fiesen Lichtmasten, Aschenbechertonnen und Absperrgittern traurig darauf warten, angeschaut zu werden oder auch nicht. Aber wir schweifen ab, worum es hier eigentlich gehen soll ist das, worum es bei einer Kunstmesse gehen soll, nämlich den Kunstkauf, und da es bestimmt besser ist, wenn gute Kunst gekauft wird statt schlechte, hier drei Empfehlungen für extrem gute Kunst, die bitte in den nächsten Tagen gekauft werden soll, und wenn sie ausverkauft sein sollte, keine Sorge, es gibt noch drei weitere gute, aber diese hier sind wirklich sehr gute Empfehlungen, also bitte:

 

Asger Carlsen bei Dittrich & Schlechtriem

Was aussieht wie aquarellig zarte Abstraktion, ist tatsächlich brutale körperliche Wirklichkeit, nämlich digitale Collagierung analoger Fotos von Haut, Körperteilen und -flüssigkeiten, wenn auch seidig abgesoftet durch den Druck auf, genau, Seide. Abgesehen vom virtuosen Umgang mit einer Mischung aus Auflösung und Verdichtung eine Wohltat zu sehen, dass sich Carlsen als ehemaliger Tatortfotograf offenbar einen zärtlichen Blick auf menschliche Körperlichkeit bewahren kann. Preise: 5.000 bis 10.000€

Christian Hoosen bei Tore Süssbier

Bisher vor allem als Maler bekannt, hat Christian Hoosen seinen (Eingeweihten natürlich schon länger bekannte und etwa an Lebensmitteln wie Tiefkühlerbsen bereits ausgelebten) Drang zur Skulptur mittels des so frugalen wie sinnlichen Werkstoffes Bauschaum ordentlich zum Ausquellen gebracht. Wer seine zwischen Witzfigur, Trauerkloß und Dramaqueen oszillierenden Wesen sieht, denkt: Ja, so geht Skulptur heute. Preise: ab 2.500 € (oder ab 2.000€, leider nicht genau aufgepasst, aber jedenfalls nicht darunter)

Fritz Bornstück bei Alexander Ochs Private

Auch dieser Künstler ist vor allem als Maler bekannt, macht seit einiger Zeit aber auch in Keramik, aktuell ja ein totales Trendmaterial, aber seine Sujets sind eher antitrendig bis zeitlos, obwohl ja auch Kakteen eine Zeitlang sehr im Trend lagen, aber der Keramikkaktus von Bornstück ist eher ein treuer Begleiter für alle Lebenslagen, während die Pommesgabel mit einer einzigen Pommes dran eher Hungergefühle auslöst, nämlich auf Kunst, angesichts des Preises in diesem Falle Gott sei Dank ohne großen Bauchschmerz zu befriedigen. Preise: vergessen, aber im mittleren dreistelligen Bereich

 

Übrigens echt interessant: Es gibt auch super Arbeiten von Frauen auf der Messe, echt wahr, aber die empfehlenswerten, steht zu befürchten, befinden sich preislich jenseits dessen, was sich BLITZKUNST-Leser leisten können, außer vielleicht bei Kapwani Kiwanga bei Tanja Wagner, zwei super Arbeiten an der linken Kojenwand.