NICHT GUT

Weniger Viele wäre mehr

Viele viele bunte Schokolinsen beim Vielsein (also dabei, das Richtige zu tun). ©CC-BY-SA 2.0/AnemoneProjectors.

In letzter Zeit gilt der Schulterschluss wieder was. Wenn er eine Mehrheit bildet. Und für das Richtige steht. Das Problem ist nur, Mehrheit steht nicht automatisch für das Richtige (müssten zumindest Deutsche eigentlich wissen), weshalb hashtagaffine Initiativen wie „Wir sind mehr“ oder zumindest „viele“ höchstens für die Fehleinschätzung stehen, das von ihnen wie auch immer definierte „Richtige“ werde mit jeder weiteren Stimme, die sich dazu bekennt, noch richtiger – und für eine Beförderung eines gefährlichen Umkehrschlusses: Was nur von Wenigen vertreten wird, ist falsch. Das ist im Fall von rechtsradikalem Gedankengut zwar richtig, haha, aber blöderweise ist es ja so, dass man als in einer Demokratie lebender Geist besser von selbst drauf kommen sollte, was man richtig findet, und dazu braucht es eine gewisse Auswahl und Ermunterung zur eigenverantwortlich individuellen Auseinandersetzung, und da ist es nicht besonders hilfreich, wenn Leuten auf dem Weg zur bürgerlichen Verantwortungswerdung gesagt wird, „Hier, musste gar nicht mehr nachdenken, das hier ist das Richtige, weil die anderen das auch alle richtig finden, keine Sorge, haben wir mit den anderen abgecheckt.“ Für Pubertierende ist es natürlich ein super Mittel gegen mangelndes Selbstvertrauen, wenn sie die gleichen Sneaker tragen wie alle anderen in der Clique auch, aber dass auch Kulturinstitutionen Peer-Kongruenz brauchen…? (mehr …)

Kuratieren lernen teuer, aber leicht gemacht

Die hier gezeigte Collage basiert auf Bildmaterial, auf das man stößt, wenn man den „Zertifikatskurs Kuratieren“ des Berlin Career College googelt, ein Weiterbildungsträger für Berufstätige der Universität der Künste. Dem Bildmaterial zufolge ist Kuratieren ein anderes Wort für „Bilder aufhängen“, „Auf vor einem auf dem Boden liegende Bilder schauen“ und „Bilder herumtragen“, und das ist zwar nicht lustig, aber konsequent. (mehr …)

Frauen, hört auf mit dem Erbsenzählen!

©CC0 Creative Commons.

War ja klar. Auch dieses Jahr sind drei Galerien für den VBKI-Preis für Berliner Galerien nominiert, und alle drei haben sich mit Ausstellungsprojekten männlicher Künstler beworben – sowas von klar, dass die reflexhafte Empörung angesichts des Fehlens von Frauen nicht lange auf sich warten ließ. Man könnte meinen, wir seien langsam mal einen Schritt weiter, aber dafür erfahren empörte Hinweise auf weiblich unterbesetzte Künstlerlisten immer noch zu viel Zustimmung im Facebook-Feed.

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Jenseits von prekär: Kunstmachen in Berlin

Einfach so eins zu eins eine Pressemitteilung veröffentlichen? Ein guter Kunstblog tut das nicht. Untenstehend also die Copy-Paste-Veröffentlichung der Pressemitteilung zu einer Studie über die Situation von KünstlerInnen in Berlin, denn die darin genannten Zahlen wirken für sich, die muss man nicht in Interpretations-Blabla einbetten. Der Text ist recht lang, deshalb hier die tltr-Version: Kunst machen lohnt sich finanziell gesehen für Frauen noch weniger als für Männer, und in Berlin noch mal weniger als anderswo. Für tiefergehend Interessierte hier die Mitteilung in voller Länge: (mehr …)

Wertlose Website Weg

Rotkaeppchen68/CC BY-SA 3.0.

Offenbar kommuniziert die Redaktion des Kunstmagazins art nicht so gern. Jedenfalls nicht, wenn es um Digitales geht. Das Onlineangebot von art jedenfalls wurde kürzlich eingestellt, ohne dass auf der Seite selbst oder über Social Media darauf hingewiesen worden wäre. Und auch auf wiederholte Anfragen an die Redaktion, ein paar Fragen zu diesem Fall zu beantworten, erfolgte bislang keine Reaktion. (mehr …)

ZKR und Schloss Biesdorf sind sich nicht mehr grün

Schloss Biesdorf. Photo© Wikimedia Commons, CC-BY-SA-3.0,2.5,2.0,1.0.

Kleine Berliner Bombe zum Jahresende: Das ZKR – Zentrum für Kunst und öffentlichen Raum verlässt seinen Standort Schloss Biesdorf. Der Betreiber, die Grün Berlin GmbH, war erst im September 2016 im Auftrag des Bezirkes Marzahn-Hellersdorf angetreten, das architektonisch nicht ganz einfache, aber irgendwie zickig-attraktive und landschaftsgärtnerisch toll umarmte Gebäude in der Aufmerksamkeit des Berliner Kulturgeschehens zu verankern – und zwar mit einem großartigen Programm und deshalb unabhängig von den Besucherzahlen erfolgreich. (mehr …)

Die Macht der Friseure

Für die Präsenz von Kunst in kleinstädtischen Gemeinden gilt ja häufig eine von zwei Regeln. Die eine: Wo nichts ist, kann alles werden. Die andere: Wo nichts ist, da soll auch nichts hin. Hier eine Theorie: Weist eine Kleinstadt eine überproportional hohe Anzahl an Friseurläden auf, gilt bezüglich ihrer Haltung zu Kunst von beiden Regeln die letztere. (mehr …)

Alles so schön bunt

©www.hautfarben-buntstifte.de.

Jahrzehntelang hatten Buntstiftmarken wie Staedtler zwar jede Menge Farben im Sortiment, aber keine Hautfarben. Sondern einfach nur Farben. Mit denen sollte man dann zeichnen, was die Fantasie hergab. Oder das, was man in seinem Umfeld so sah. Menschen unterschiedlicher Hautfarben mochten auch darunter sein, nur, die konnte man leider nicht zeichnen – weil es keine entsprechenden Buntstiftfarben gab. Denn wenn man die Welt so abbilden will, wie sie ist, dann muss man natürlich auch das entsprechende Werkzeug dazu haben. Es kann etwa einem Menschen, der zur Darstellung von Hautfarben nur die Buntstiftfarben Rosa, Gelb, Braun und Schwarz zur Verfügung hat, kein Rassismus vorgeworfen werden – einem Menschen, der Zugriff auf eine breite Palette von Buntstiften zur naturgetreuen Darstellung von Hautfarben hat und diese nicht korrekt anwendet, dagegen schon. Und weil es jetzt solche Buntstifte gibt, ist der Mensch nicht nur endlich in der Lage, die Welt so darzustellen, wie sie ist, er hat auch keinen Grund mehr, dies nicht zu tun. „Mit den Hautfarben-Buntstiften von GoVolunteer malen Kinder sich selbst und ihre Freunde endlich so, wie sie aussehen“, heißt es im Onlineshop von GoVolunteer, einer Plattform zur Förderung zur Integration von Flüchtlingen. Ein beruhigendes Gefühl zu wissen: Dank dieser Buntstifte ist die fies bis zum Rand mit Ambivalenz gefüllte Kluft zwischen Wirklichkeit und ihrer Darstellung ein klein bisschen schmaler und die Integration von Menschen unterschiedlicher Hautfarben sehr viel einfacher geworden. (mehr …)

Graue Mäuse gegen schwarze Ratten

Foto© Andrea Rüter/1000 Gestalten.

Was passiert, wenn man herrschenden Verhältnissen mit Ignoranz und Kritiklosigkeit begegnet, also gar nicht? Dann wird man zu einer grau verkrusteten Gestalt mit leerem Blick und hängenden Schultern, die sich, endlos Endzeitlichkeitsatmo verströmend, müde dahinschleppt, alles kaputt, Wille gebrochen oder nie da gewesen, von Körperfressern ausgehöhlt. Will man das? Nee. Jedenfalls nicht länger als ein paar Stunden. Irgendwann wird das Jucken der grauen Paste auf der Haut doch bestimmt unerträglich, und spätestens dann muss man aufwachen aus der Lethargie und sich das Graue vom Leib reißen, damit das Bunte darunter zum Vorschein kommt, so wie im Film Pleasantville auf einmal Farbe in die heile Schwarzweiß-Welt zu dringen beginnt, quasi als Äquivalent zu Evas Biss in den Apfel vom Baum der Erkenntnis, aber das ist eine andere Geschichte, wo waren wir gleich? Ach ja, bei den „1000 Gestalten“, jener Hamburger G20-Protest-Performance, die zu einer von grauen Mäusen veranstalteten Entertainment-Aktion verkommen wäre, hätten ihr nicht die schwarzen Ratten den Gefallen getan, sie zu einem dann doch wirkungsvollen Kommentar zu erheben. (mehr …)

Schwerer Blocken, dieser Jerry Saltz

saltz

Jerry Saltz, du alter Kritikerhaudegen, nimmst kein Blatt vor den Mund, lässt dich von nichts und niemandem einschüchtern, hast diesen nie versiegenden Mut zur Provokation, und wenn Facebook dich mal für ein explicit visual sperrt, sagst du, Facebook, du alter Magerquark, du kannst mir nix, und postest ein doppeltpenetrierendes visual, und dann freuen sich alle, auch Facebook, weil du dafür sorgst, dass überhaupt noch was passiert hier – von wegen… (mehr …)