NICHT GUT

Jenseits von prekär: Kunstmachen in Berlin

Einfach so eins zu eins eine Pressemitteilung veröffentlichen? Ein guter Kunstblog tut das nicht. Untenstehend also die Copy-Paste-Veröffentlichung der Pressemitteilung zu einer Studie über die Situation von KünstlerInnen in Berlin, denn die darin genannten Zahlen wirken für sich, die muss man nicht in Interpretations-Blabla einbetten. Der Text ist recht lang, deshalb hier die tltr-Version: Kunst machen lohnt sich finanziell gesehen für Frauen noch weniger als für Männer, und in Berlin noch mal weniger als anderswo. Für tiefergehend Interessierte hier die Mitteilung in voller Länge: (mehr …)

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Wertlose Website Weg

Rotkaeppchen68/CC BY-SA 3.0.

Offenbar kommuniziert die Redaktion des Kunstmagazins art nicht so gern. Jedenfalls nicht, wenn es um Digitales geht. Das Onlineangebot von art jedenfalls wurde kürzlich eingestellt, ohne dass auf der Seite selbst oder über Social Media darauf hingewiesen worden wäre. Und auch auf wiederholte Anfragen an die Redaktion, ein paar Fragen zu diesem Fall zu beantworten, erfolgte bislang keine Reaktion. (mehr …)

ZKR und Schloss Biesdorf sind sich nicht mehr grün

Schloss Biesdorf. Photo© Wikimedia Commons, CC-BY-SA-3.0,2.5,2.0,1.0.

Kleine Berliner Bombe zum Jahresende: Das ZKR – Zentrum für Kunst und öffentlichen Raum verlässt seinen Standort Schloss Biesdorf. Der Betreiber, die Grün Berlin GmbH, war erst im September 2016 im Auftrag des Bezirkes Marzahn-Hellersdorf angetreten, das architektonisch nicht ganz einfache, aber irgendwie zickig-attraktive und landschaftsgärtnerisch toll umarmte Gebäude in der Aufmerksamkeit des Berliner Kulturgeschehens zu verankern – und zwar mit einem großartigen Programm und deshalb unabhängig von den Besucherzahlen erfolgreich. (mehr …)

Die Macht der Friseure

Für die Präsenz von Kunst in kleinstädtischen Gemeinden gilt ja häufig eine von zwei Regeln. Die eine: Wo nichts ist, kann alles werden. Die andere: Wo nichts ist, da soll auch nichts hin. Hier eine Theorie: Weist eine Kleinstadt eine überproportional hohe Anzahl an Friseurläden auf, gilt bezüglich ihrer Haltung zu Kunst von beiden Regeln die letztere. (mehr …)

Alles so schön bunt

©www.hautfarben-buntstifte.de.

Jahrzehntelang hatten Buntstiftmarken wie Staedtler zwar jede Menge Farben im Sortiment, aber keine Hautfarben. Sondern einfach nur Farben. Mit denen sollte man dann zeichnen, was die Fantasie hergab. Oder das, was man in seinem Umfeld so sah. Menschen unterschiedlicher Hautfarben mochten auch darunter sein, nur, die konnte man leider nicht zeichnen – weil es keine entsprechenden Buntstiftfarben gab. Denn wenn man die Welt so abbilden will, wie sie ist, dann muss man natürlich auch das entsprechende Werkzeug dazu haben. Es kann etwa einem Menschen, der zur Darstellung von Hautfarben nur die Buntstiftfarben Rosa, Gelb, Braun und Schwarz zur Verfügung hat, kein Rassismus vorgeworfen werden – einem Menschen, der Zugriff auf eine breite Palette von Buntstiften zur naturgetreuen Darstellung von Hautfarben hat und diese nicht korrekt anwendet, dagegen schon. Und weil es jetzt solche Buntstifte gibt, ist der Mensch nicht nur endlich in der Lage, die Welt so darzustellen, wie sie ist, er hat auch keinen Grund mehr, dies nicht zu tun. „Mit den Hautfarben-Buntstiften von GoVolunteer malen Kinder sich selbst und ihre Freunde endlich so, wie sie aussehen“, heißt es im Onlineshop von GoVolunteer, einer Plattform zur Förderung zur Integration von Flüchtlingen. Ein beruhigendes Gefühl zu wissen: Dank dieser Buntstifte ist die fies bis zum Rand mit Ambivalenz gefüllte Kluft zwischen Wirklichkeit und ihrer Darstellung ein klein bisschen schmaler und die Integration von Menschen unterschiedlicher Hautfarben sehr viel einfacher geworden. (mehr …)

Graue Mäuse gegen schwarze Ratten

Foto© Andrea Rüter/1000 Gestalten.

Was passiert, wenn man herrschenden Verhältnissen mit Ignoranz und Kritiklosigkeit begegnet, also gar nicht? Dann wird man zu einer grau verkrusteten Gestalt mit leerem Blick und hängenden Schultern, die sich, endlos Endzeitlichkeitsatmo verströmend, müde dahinschleppt, alles kaputt, Wille gebrochen oder nie da gewesen, von Körperfressern ausgehöhlt. Will man das? Nee. Jedenfalls nicht länger als ein paar Stunden. Irgendwann wird das Jucken der grauen Paste auf der Haut doch bestimmt unerträglich, und spätestens dann muss man aufwachen aus der Lethargie und sich das Graue vom Leib reißen, damit das Bunte darunter zum Vorschein kommt, so wie im Film Pleasantville auf einmal Farbe in die heile Schwarzweiß-Welt zu dringen beginnt, quasi als Äquivalent zu Evas Biss in den Apfel vom Baum der Erkenntnis, aber das ist eine andere Geschichte, wo waren wir gleich? Ach ja, bei den „1000 Gestalten“, jener Hamburger G20-Protest-Performance, die zu einer von grauen Mäusen veranstalteten Entertainment-Aktion verkommen wäre, hätten ihr nicht die schwarzen Ratten den Gefallen getan, sie zu einem dann doch wirkungsvollen Kommentar zu erheben. (mehr …)

Schwerer Blocken, dieser Jerry Saltz

saltz

Jerry Saltz, du alter Kritikerhaudegen, nimmst kein Blatt vor den Mund, lässt dich von nichts und niemandem einschüchtern, hast diesen nie versiegenden Mut zur Provokation, und wenn Facebook dich mal für ein explicit visual sperrt, sagst du, Facebook, du alter Magerquark, du kannst mir nix, und postest ein doppeltpenetrierendes visual, und dann freuen sich alle, auch Facebook, weil du dafür sorgst, dass überhaupt noch was passiert hier – von wegen… (mehr …)

Preiswert: Das Hirn von Sir Norman Foster

Diese Geschichte hier ist total unwichtig, für deutschsprachige Leser zumindest, denn a) passierte sie schon vor ein paar Wochen und b) gab es keinerlei Berichterstattung in deutschsprachigen Medien. Dass sie so unwichtig ist, macht sie aber interessant, denn immerhin spielen die nicht gerade unwichtigen Personen Marina Abramović und Sir Norman Foster die Hauptrollen darin. Beziehungsweise, das Hirn von Sir Norman Foster, wenn auch nicht sein echtes, sondern eine naturgetreue Nachbildung in Form einer goldfarbenen Skulptur, gestaltet von Marina Abramović zusammen mit einer hirnförmigen Kopfbedeckung mit unzähligen kleinen LED-Leuchten. (mehr …)

Sommerpause war aber ganz schön lang dieses Jahr

sommerpause

Nach fast drei Monaten Sommerpause kann BLITZKUNST seine Existenz nicht länger leugnen. Bis zur Berlin Art Week ist es gerade mal noch eine Woche, höchste Zeit also, sich wieder warm zu schreiben. Und zwar mit einem Blick ins über den Sommer erfolgreich ignorierte Email-Postfach. All die Hinweise auf tolle Kunst, die wegen Ausstellungsende nicht mehr zu sehen ist, all die Newsletter mit Stories über hochinteressante Skandale, an die sich einen Tag nach Bekanntwerden keiner mehr erinnert, all diese Nachrichten zu lesen, die zu Irrelevanz verkamen, weil sie nicht vor Ablauf ihres Haltbarkeitsdatums konsumiert wurden, das schafft ein irres Gefühl von Freiheit – egal, egal, alles egal gewesen, bedeutungslos, einflusslos, egal. Dann aber auch wieder nicht. Weil die Erkenntnis von der Egalheit einhergeht mit der Erkenntnis darüber, was für ein schöner Luxus es ist, Egales für wichtig erachten zu können. (mehr …)

Ist das Schreiben über Kunst umsonst?

Kunstkritiker können nicht vom Schreiben leben, Kunstmagazine werfen keinen Gewinn ab… Ist das Schreiben über Kunst zum unbezahlten Zeitvertreib verdammt?

Geldelephant

„Wer über Kunst schreibt, kann in der Regel nicht davon leben.“ Das sagt die Kunsthistorikerin und Autorin Ana Finel Honigman in einem Interview dem Whitewall Magazine. Honigman weiß, wovon sie spricht. Sie schrieb jahrelang für Kunst- und sogenannte Lifestyle-Magazine, darunter viele unabhängige Publikationen, jene Sorte Publikationen also, die ohne die Finanzierung eines Großverlages auskommen müssen und ihre Autoren und Fotografen statt in leistungsgerechten Honoraren in „Sichtbarkeit“, „Image“ oder „inhaltlicher Freiheit“ bezahlen. Das ist ok, It takes two to tango, wer sich auf solche Deals einlässt, weiß in der Regel, was er davon hat. Allerdings zahlen selbst solche Magazine schlecht, die von amerikanischen Medienmogulen oder russischen Oligarchen verlegt und finanziert werden. Denn in jenem Teil der Medienlandschaft, in dem es um Kunst geht, oder um „independent“, oder um ästhetisch ganz weit vorn sein, da lässt sich kein Geld machen, sowas ist schwierig zu vermarkten, und überhaupt, weiß doch jeder, dass man sich mit Kunst nicht beschäftigt, um Geld zu verdienen, sondern weil man will, dass das Schöne in der Welt bleibt, oder vielleicht noch wegen der tollen Parties; die ganzen Galerieassistenten, die alle freiwillig für Hungerlöhne arbeiten, weil das nunmal so ist in der Kunstwelt, können das sicher noch besser erklären, aber jedenfalls, was ich sagen wollte: Honigman hat recht, und jeder weiß es, aber warum scheint jeder zu glauben, dass man nichts daran ändern kann? (mehr …)