NICHT GUT

Was ist da los, Jüdisches Museum?

Jüdisches Museum Berlin. Photo© Jens Ziehe/Courtesy JMB.

Mit einem Tweet wies er sich laut öffentlicher Wahrnehmung als Antisemit und Befürworter der Israel-Boykott-Bewegung BDS aus, und vielleicht ist Peter Schäfer das absurderweise tatsächlich und hat deshalb am 14. Juni seinen Posten als Direktor des Jüdischen Museums in Berlin berechtigterweise aufgeben müssen. Vielleicht war sein Fehler aber auch nur, diskursaffin agieren und damit eine zeitgemäße Museumspraxis befördern zu wollen. (mehr …)

So war es in Venedig – von zuhause aus

Laure Prouvost mit dem Französischen Pavillon Anwärterin auf den Goldenen Insta Win.

Wer nicht zu den Eröffnungstagen der Biennale nach Venedig gefahren ist, hat entweder mit FOMO zu kämpfen gehabt oder die himmlische Ruhe genossen, zumindest in Berlin war der Abzug der halben Kunstwelt positiv spürbar. Die Sache mit dem FOMO ist aber leicht zu überwinden: Man muss nur ein paar Accounts auf Instagram und die ersten Pressestimmen verfolgen und wird erleichtert feststellen, dass die Eröffnungstage der Venedig Biennale zum einen nicht wirklich wegen der Kunst (die geht man eh besser im September oder Oktober anschauen, dann ist man ganz allein mit ihr) und zum anderen jedes Mal auf genau die gleiche Art ablaufen, mit denselben Leuten in den gleichen Situationen, und zwar in drei Kapiteln: (mehr …)

Außerhalb des Kunstbetriebs will niemand Kunst

©IG/@_martineder

Aktuell erfreut uns Instagram wieder mit einem Beispiel dafür, wie wenig sinnvoll es ist, wenn sich kunstfremde Kreise über Kunst unterhalten, oder aufregen, oder sich in welcher Form auch immer mit Kunst befassen. Wer es noch nicht mitbekommen hat: Vor zwei Tagen wurde der Berliner Künstler Martin Eder Gegenstand einer Attacke des Instagram-Accounts @diet_prada, der als Moralapostel der Modeindustrie normalerweise Designer und Modemarken an den Pranger stellt. Grund für den Angriff: Eder habe für sein Werk „The Unknowable“ ungefragt bei einem anderen Künstler dreist und unübersehbar abgemalt. (mehr …)

Weniger Viele wäre mehr

Viele viele bunte Schokolinsen beim Vielsein (also dabei, das Richtige zu tun). ©CC-BY-SA 2.0/AnemoneProjectors.

In letzter Zeit gilt der Schulterschluss wieder was. Wenn er eine Mehrheit bildet. Und für das Richtige steht. Das Problem ist nur, Mehrheit steht nicht automatisch für das Richtige (müssten zumindest Deutsche eigentlich wissen), weshalb hashtagaffine Initiativen wie „Wir sind mehr“ oder zumindest „viele“ höchstens für die Fehleinschätzung stehen, das von ihnen wie auch immer definierte „Richtige“ werde mit jeder weiteren Stimme, die sich dazu bekennt, noch richtiger – und für eine Beförderung eines gefährlichen Umkehrschlusses: Was nur von Wenigen vertreten wird, ist falsch. Das ist im Fall von rechtsradikalem Gedankengut zwar richtig, haha, aber blöderweise ist es ja so, dass man als in einer Demokratie lebender Geist besser von selbst drauf kommen sollte, was man richtig findet, und dazu braucht es eine gewisse Auswahl und Ermunterung zur eigenverantwortlich individuellen Auseinandersetzung, und da ist es nicht besonders hilfreich, wenn Leuten auf dem Weg zur bürgerlichen Verantwortungswerdung gesagt wird, „Hier, musste gar nicht mehr nachdenken, das hier ist das Richtige, weil die anderen das auch alle richtig finden, keine Sorge, haben wir mit den anderen abgecheckt.“ Für Pubertierende ist es natürlich ein super Mittel gegen mangelndes Selbstvertrauen, wenn sie die gleichen Sneaker tragen wie alle anderen in der Clique auch, aber dass auch Kulturinstitutionen Peer-Kongruenz brauchen…? (mehr …)

Kuratieren lernen teuer, aber leicht gemacht

Die hier gezeigte Collage basiert auf Bildmaterial, auf das man stößt, wenn man den „Zertifikatskurs Kuratieren“ des Berlin Career College googelt, ein Weiterbildungsträger für Berufstätige der Universität der Künste. Dem Bildmaterial zufolge ist Kuratieren ein anderes Wort für „Bilder aufhängen“, „Auf vor einem auf dem Boden liegende Bilder schauen“ und „Bilder herumtragen“, und das ist zwar nicht lustig, aber konsequent. (mehr …)

Frauen, hört auf mit dem Erbsenzählen!

©CC0 Creative Commons.

War ja klar. Auch dieses Jahr sind drei Galerien für den VBKI-Preis für Berliner Galerien nominiert, und alle drei haben sich mit Ausstellungsprojekten männlicher Künstler beworben – sowas von klar, dass die reflexhafte Empörung angesichts des Fehlens von Frauen nicht lange auf sich warten ließ. Man könnte meinen, wir seien langsam mal einen Schritt weiter, aber dafür erfahren empörte Hinweise auf weiblich unterbesetzte Künstlerlisten immer noch zu viel Zustimmung im Facebook-Feed.

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Jenseits von prekär: Kunstmachen in Berlin

Einfach so eins zu eins eine Pressemitteilung veröffentlichen? Ein guter Kunstblog tut das nicht. Untenstehend also die Copy-Paste-Veröffentlichung der Pressemitteilung zu einer Studie über die Situation von KünstlerInnen in Berlin, denn die darin genannten Zahlen wirken für sich, die muss man nicht in Interpretations-Blabla einbetten. Der Text ist recht lang, deshalb hier die tltr-Version: Kunst machen lohnt sich finanziell gesehen für Frauen noch weniger als für Männer, und in Berlin noch mal weniger als anderswo. Für tiefergehend Interessierte hier die Mitteilung in voller Länge: (mehr …)

Wertlose Website Weg

Rotkaeppchen68/CC BY-SA 3.0.

Offenbar kommuniziert die Redaktion des Kunstmagazins art nicht so gern. Jedenfalls nicht, wenn es um Digitales geht. Das Onlineangebot von art jedenfalls wurde kürzlich eingestellt, ohne dass auf der Seite selbst oder über Social Media darauf hingewiesen worden wäre. Und auch auf wiederholte Anfragen an die Redaktion, ein paar Fragen zu diesem Fall zu beantworten, erfolgte bislang keine Reaktion. (mehr …)

ZKR und Schloss Biesdorf sind sich nicht mehr grün

Schloss Biesdorf. Photo© Wikimedia Commons, CC-BY-SA-3.0,2.5,2.0,1.0.

Kleine Berliner Bombe zum Jahresende: Das ZKR – Zentrum für Kunst und öffentlichen Raum verlässt seinen Standort Schloss Biesdorf. Der Betreiber, die Grün Berlin GmbH, war erst im September 2016 im Auftrag des Bezirkes Marzahn-Hellersdorf angetreten, das architektonisch nicht ganz einfache, aber irgendwie zickig-attraktive und landschaftsgärtnerisch toll umarmte Gebäude in der Aufmerksamkeit des Berliner Kulturgeschehens zu verankern – und zwar mit einem großartigen Programm und deshalb unabhängig von den Besucherzahlen erfolgreich. (mehr …)

Die Macht der Friseure

Für die Präsenz von Kunst in kleinstädtischen Gemeinden gilt ja häufig eine von zwei Regeln. Die eine: Wo nichts ist, kann alles werden. Die andere: Wo nichts ist, da soll auch nichts hin. Hier eine Theorie: Weist eine Kleinstadt eine überproportional hohe Anzahl an Friseurläden auf, gilt bezüglich ihrer Haltung zu Kunst von beiden Regeln die letztere. (mehr …)