Großes Los bei Grisebach: Thomas Scheibitz

Thomas Scheibitz, „Ohne Titel (GP 57)“, 2003 (Detail).

Die Vorbesichtigungen zu den Auktionen bei Grisebach bieten nicht nur eine der effizientesten und zugleich kurzweiligsten Möglichkeiten der Kunstbetrachtung, sondern möglicherweise auch eine der demokratischsten. Hier hängt greater neben lesser, established neben emerging, und jede Arbeit steht einfach so für sich, ohne Bezug zu einer den Blick lenkenden, den Werkgehalt definierenden kuratorischen Metaebene. In Bezug auf die Preise hält das „demokratisch“ natürlich nicht unbedingt Stand, aber hier und da ist ein Werk so niedrig taxiert, dass man schreien möchte, dass man nicht mal die paar tausend Euro übrig hat, es zu ersteigern.

Der Blinky Palermo über dem Scheibitz ist auf 180-200.000 Euro taxiert. Pfft.

Im aktuellen Angebot sticht vor allem ein Werk hervor, nicht nur wegen seiner Qualität und der in Relation dazu erstaunlich niedrigen Taxe, sondern auch, weil es einen Hinweis auf eine absurde Bewertungsunart in der Malerei liefert. Die Rede ist von einem wirklich extrem schönen Scheibitz, eine rund zwei mal eineinhalb Meter messende Leinwand, die aber nicht als Leinwand aufgezogen und mit Öl, sondern wie ein Papier auf Karton aufgezogen hinter Glas gerahmt und mit einer Mischtechnik aus Acryl, Sprühfarbe, Pigmentmarker und Bleistift bemalt ist (hier eine relativ hoch auflösende Abbildung). In Nachbarschaft dieser auf 8-12.000 Euro taxierten Arbeit hängt noch ein weiterer Scheibitz, rund dreimal größer, aber mit 30-40.000 Euro nicht nur deshalb sehr viel höher taxiert, sondern auch und vor allem, weil es sich hier um Öl auf Leinwand handelt. Um „echte“ Malerei also. Echt und groß. Also teuer.

Weil die kleinere und maltechnisch gemischte Arbeit die sowas von viel bessere ist als die größere reine Malerei, wird nur erstere hier gezeigt und zum Kauf empfohlen. Es ist wirklich eine extrem schöne Arbeit, und es soll sie bitte jemand kaufen, der oder die versteht, wie schwachsinnig es ist, Malerei nach Leinwanddimensionsfaktoren zu bepreisen und mediale Reinheit für wertvoller zu halten als Züge des Zeichnerischen im Malerischen. Warum man überhaupt so eine Arbeit in eine Auktion gibt, das ist eine andere Frage, bestimmt nicht aus leichten Stücken, was ihren Ewerb nochmal wertvoller machen dürfte.

Jedenfalls, dieses ist die ultimativ beste Arbeit von allen aus dem zeitgenössischen Frühjahrsauktions-Konvolut bei Grisebach, geht und schaut selbst (noch bis Dienstag, 28. Mai bis 15 Uhr).