Frauen, hört auf mit dem Erbsenzählen!

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War ja klar. Auch dieses Jahr sind drei Galerien für den VBKI-Preis für Berliner Galerien nominiert, und alle drei haben sich mit Ausstellungsprojekten männlicher Künstler beworben – sowas von klar, dass die reflexhafte Empörung angesichts des Fehlens von Frauen nicht lange auf sich warten ließ. Man könnte meinen, wir seien langsam mal einen Schritt weiter, aber dafür erfahren empörte Hinweise auf weiblich unterbesetzte Künstlerlisten immer noch zu viel Zustimmung im Facebook-Feed.

Abgesehen davon, dass mit den Hinweisen auf das Fehlen von Frauen im oben genannten Fall offenbar die Vermutung einhergeht, die Jurymitglieder hätten die letzten Jahre unter irgendwelchen Steinen verbracht und nicht mitbekommen, dass mittlerweile auch Ausstellungen von Frauen ganz gern gesehen werden – die Möglichkeit, die Entscheidungen für die Nominierten könnten nach komplexeren Kriterien als dem Geschlecht getroffen worden sein, geht manchen Frauen ja allein deshalb schon nicht in den Kopf, weil sie gleichgewichtete Geschlechterpräsenz als Voraussetzung für gute Ausstellungen erachten –, erzeugt diese Geschlechtererbsenzählerei zwei gravierende Probleme, weshalb diese eindimensionale Scheiße endlich mal ein Ende haben muss, wenn wir Frauen nochmal ordentlich was reißen wollen:

Zum einen diskreditiert diese Perspektive automatisch das Schaffen aller Frauen, die proportional in Minderzahl zu Männern agieren. In diesem Fall die Nominierung der Galeristin Anne Schwarz, die es gewagt hat, sich mit einer männlichen Position um den Preis zu bewerben, anstatt erstmal ihre mit drei Frauen zu fünf Männern schiefhängende Künstlerliste ins Lot zu bringen. Zum anderen erweist das Pochen darauf, Gleichberechtigung sei nur durch Gleichgewichtung zu erreichen, ja womöglich sogar damit gleichzusetzen, der immer noch notwendigen Förderung von Frauen einen Bärendienst, denn es impliziert, Frauen seien nur stark, wenn sie gleichgewichtet vertreten sind. Also Mädels, dafür hat Astrid Lindgren Pippi Langstrumpf aber nicht erfunden.

Missstände behebt man nicht, indem man fortwährend darauf hinweist. Anstatt sich mit dem Hervorheben zahlenmäßiger Benachteiligungen aufzuhalten, wären wir Frauen besser bedient, uns als Beförderinnen des Guten zu betätigen. Die eine Frau in einem Meer von Männern zu feiern bringt uns tausendmal mehr, als ihr implizit vorzuwerfen, dass sie allein leider keine fünfzig Prozent kompensieren kann, in Aberkennung des Umstandes, dass diese eine Frau überhaupt erst dahingekommen ist, weil sie hundert Prozent bringt. Solange wir Frauen nicht erkennen, dass wir uns selber und andere Frauen fördern müssen, indem wir Berechtigung über Gewichtung stellen, können wir zahlenmäßig noch so präsent sein – wir werden null Prozent erreichen.