Kunstmarkt

Für eine Erweiterung des Galeriebegriffs

Neue Vermittlungswege: Gruppenausstellung per Fahrradkurier. „Gallery. Delivery“ von Sebastian Schmieg, präsentiert von Galerie Roehrs & Boetsch. Photo©André Wunstorf.

Als vor ein paar Monaten die Galerie Gillmeier Rech nach fünf Jahren ihre Schließung bekannt gab, ging ein Schauer durch die Berliner Galerienszene: Oh Gott, noch so jung und schon so gestorben! Als kurze Zeit darauf der Galerist Christian Siekmeier verkündete, mit seiner Galerie Exile nach Wien umzusiedeln, befeuerte er damit das ewig hart an der selbsterfüllenden Prophezeiung entlangschrammende Gerücht, in Berlin gäbe es eben keinen galerieexistenzsichernden Kunstmarkt. Und es ist ja nicht nur Berlin. Das Interview mit Jose Freire von der Team Gallery über seine Gründe, fortan keine Kunstmessen mehr zu bestreiten, ging im Frühjahr um die Galerienwelt und ermutigte weitere Galerien, ihr wirtschaftliches Ringen öffentlich zu machen. Wenn man sich so umhört unter Galeristen, könnte man meinen, das Ende der gesamten Branche sei nahe. Aber stimmt das? Warum reagieren Galerien so sensibel auf jede Schließung eines Kollegenunternehmens, als seien sie die nächsten? Warum schaut jede Galerie so intensiv auf das, was die anderen machen? Was ist überhaupt eine Galerie? (mehr …)

Nach abc kommt def

Fußbodenfund auf der abc art berlin contemporary 2016 (am Stand von Sprüth Magers mit fantastischen Arbeiten von Andreas Schulze, die hier nicht gezeigt werden können, weil VG Bild-Kunst so viel kostet).

Fußbodenfund auf der abc art berlin contemporary 2016 (am Stand von Sprüth Magers mit fantastischen Arbeiten von Andreas Schulze, die hier nicht gezeigt werden können, weil VG Bild-Kunst so viel kostet).

Bekanntlich ist Weniger oft mehr, aber manchmal ist Weniger halt auch einfach nur weniger. Die Qualität der diesjährigen art berlin contemporary wurde durch die selbstverordnete Schrumpfkur jedenfalls nicht erhöht. Weshalb sich der Verdacht, die überschaubaren Dimensionen der Edition 2016 könnten vielleicht doch nicht ganz so gewollt gewesen sein wie vom Veranstalter dargestellt, nur schwer abschütteln lässt. Der harte Kern der Gründergalerien war zwar abgesehen von eins, zwei Abtrünnigen noch dabei, aber längst nicht jede Galerie zeigte sich so enthusiastisch in der Standgestaltung wie zum Beispiel Sprüth Magers mit Andreas Schulze, und die paar Vertreter der jüngeren Garnitur konnten es halt auch nicht herausreißen, auch wenn Levy (mit Fabian Knecht) und Dittrich & Schlechtriem (Simon Mullan) herausragende Arbeit leisteten. (mehr …)

Globales Studio-Karussell

www.christoph-neumann.com

Stusu-Gründer Melina Volkmann, Ralf Dereich. Photo© Christoph Neumann.

Am Studentenwerk der kalifornischen St. Thomas University ist Stusu mittlerweile vorbeigezogen. Dessen Website war bislang der erste Treffer bei Google, wenn man „Stusu“ suchte. Aber offenbar hat die Suchmaschine schnell begriffen, dass, wer „Stusu“ googelt, kein amerikanisches Studentenwerk braucht, sondern ein Atelier auf Zeit.

Die Idee, eine Art Airbnb für Künstlerstudios zu launchen, ist so schlau wie eingängig. Noch schlauer ist es, die angebotenen Studios nur zu inserieren anstatt Provision für die Vermietung zu verlangen, weil man auf diese Weise das leidige Thema Haftung umgeht und die Verantwortung für Transaktionen bei den Akteuren selbst verbleibt. Aber solange das Inserieren umsonst ist, wie generiert das von den Gastronomen Stephan Landwehr und Boris Radczun mit Startinvestition versehene Stusu dann Umsatz? Die Macher Melina Volkmann und Ralf Dereich entstammen selber der Zielgruppe, für die ihr Angebot gedacht ist, womit das Wichtigste gegeben wäre, was es zur erfolgreichen Gründung braucht: Authentizität. (mehr …)

Da ist er ja, der Berliner Kunstmarkt

Berliner KunstmarktWir kennen das Gejammer über die mickrigen Dimensionen des Kunstmarktes in Berlin. Die lokale Kaufkraft ist immer noch so gering, dass Berliner Galeristen nicht unerhebliche Mühe darauf verwenden müssen, potente Sammler aus dem Ausland anzulocken oder diese eben dort aufzusuchen. Wie viel entspannter wäre es doch, wenn man einfach die Tür zu seiner Galerie offen halten und den vorbeiflanierenden Kunden die Kunst herausreichen könnte. Aber so einfach ist es eben nicht, denn es gibt ja keinen Kunstmarkt in Berlin, richtig? Falsch! Es gibt sehr wohl einen. (mehr …)

Super seriös, Handelsblatt!

Handelsblatt Achenbach

Screenshot eines am 19.1.2015 veröffentlichten Artikels auf http://www.handelsblatt.com.

Das Handelsblatt, eine der letzten Bastionen seriöser Kunstmarktberichterstattung in der Mainstreammedienlandschaft. Denkt man. Und dann liest man. Nämlich den Bericht über die Zeugenvernehmung von Babette Albrecht im Achenbach-Prozess am 19. Januar am Landgericht Essen. Der fängt so an: „Sie war es, die mit ihrer Strafanzeige gegen Helge Achenbach überhaupt den Prozess ins Rollen brachte. Nicht in Escada gekleidet, sondern eher burschikos mit einer überdimensionierten weißen Rüschenbluse, Blazer mit Goldknöpfen, kniehohen Wildlederstiefeln und einer Vokuhila-Dauerwelle, aber mit Hermès-Handtasche trat Babette Albrecht (54), die Ehefrau des 2012 verstorbenen Berthold Albrecht, vor dem Landgericht Essen am Montag auf.“ So fängt der Artikel an. Weil sich der Autor aber nicht sicher ist, ob auch jeder Leser verstanden hat, dass er da gerade die optische Erscheinung von Frau Albrecht zum Anlass für eine Verurteilung ihrer Person genommen hat, geht der Artikel auch so weiter. (mehr …)

Straße der Kunst für unter Hundert

Foto-109Wenn man sich die perfekte Kleinstadt vorstellen wollte, dann würde man dort unter anderem folgende Läden sehen: einen Friseur, der bestimmt „Haarstudio“ mit dem Namen der Inhaberin dran heißen würde, und dazu passend ein Nagelstudio, das könnte man zum Beispiel „Happy Nails“ nennen. Eine Fahrschule bräuchte man auch, die hieße neckisch-optimistisch „Success“, und der Optiker hieße ebenso optimistisch „Lichtblick“. Einen Asia-Imbiss gäbe es natürlich auch, und eine Pizzeria sowieso, die trüge einen unverkennbar italienischen Namen, „Romana“ zum Beispiel. Dann hätte man noch einen Bäcker, eine Apotheke, einen Wäscheladen (wie wäre es mit „Drunter & Drüber“?), einen Krimskramsladen, einen Lottoladen, halt alles, was man so braucht.

All diese Läden gibt es wirklich. Nicht in einer Kleinstadt, sondern in einer einzigen Straße in Berlin: der Gustav-Adolf-Straße im Bezirk Weißensee. Und jeder dieser Läden verkauft Kunst. Jedenfalls ein paar Tage lang, nämlich im Rahmen der ART WEISSENSEE, die jene Sphären Berlins und Berliner Kunstproduktion umfasst, die außerhalb des Bewegungsradius der Berlin Art Week liegen. (mehr …)

Möchte man diese T-Shirts tragen?

Anastasia Klose

Anastasia Klose, „One Stop Knock-Off Shop“, 2014. ©anastasiaklose.wordpress.com

T-Shirts mit lustigen Sprüchen drauf sind natürlich etwas Furchtbares. Menschen, die sie tragen, sind entweder zu jung, um zu wissen, was der Aufdruck bedeutet, oder zu alt, um zu wissen, dass T-Shirts mit lustigen Sprüchen drauf einen nicht jünger aussehen lassen. Es gibt aber Ausnahmen, nur dummerweise so wenige davon, dass man sich nicht sicher sein kann, es mit einer zu tun zu haben. Aktuell infrage stehender Fall: Die T-Shirts der australischen Künstlerin Anastasia Klose. (mehr …)

Endlich: Kunst als Modetrend anerkannt

Artspace fashion trends

Kunst passend zu aktuellen Modetrends bei Artspace. ©www.artspace.com

Obwohl sie die Mehrheit der Kunstkäuferschaft ausmachen, dürfen Sammler, die keine Ahnung von Kunst haben (und auch keine haben wollen), ihre Ignoranz immer noch nicht frei ausleben. Umso erfrischender, wenn ein Vertreter des Kunsthandels die Dinge einfach mal beim Namen nennt und Kunst als das präsentiert, was es für die meisten Sammler ist: Dekorationsobjekt und Modetrend. So jedenfalls macht es die Onlinekunstverkaufsplattform Artspace. (mehr …)