Das Beste am Turner Prize: dass er schlecht ist

Turner Prize_comments_Stop ©Blitzkunst

Der Turner Prize hat seinen bisherigen Tiefpunkt erreicht, noch nie war die Shortlist so schlecht wie in diesem Jahr, heißt es, und zwar erstaunlich einhellig. Normalerweise finden nämlich lediglich 80 Prozent der Briten die Shortlist schlecht, in diesem Jahr aber waren es shocking 95 Prozent! Auch die professionellen Kunstkritiker äußerten sich in diesem Jahr – und das ist unüblich – nahezu kongruent mit der öffentlichen Meinung.

Nun gibt es ja Dinge, welche die Briten nur deshalb gut finden, weil sie schlecht sind. Weil sie so schön darüber schimpfen können. Natürlich auf die britische Art. Insofern weiß man nicht ganz genau, ob die öffentliche Meinung zum Turner Prize vielleicht nicht doch positiv ist, gerade weil sie sich so negativ äußert.

Wie komplex die Meinung der Briten zu ihrem bekanntesten Kunstpreis und der legendären Turner Prize Exhibition ausfällt, lässt sich ganz unmittelbar an der Pinnwand neben dem Eingang zur Ausstellung ablesen. Ein professioneller Kunstkritiker würde sich natürlich niemals an dieser Wand verewigen, was gut ist, denn zum einen lässt sich die britische Öffentlichkeit eh nicht von Kritikern vorschreiben, ob sie den Turner Prize nur zu 80 oder 95 Prozent beschissen findet, und zum anderen ist anzunehmen, dass ein professioneller Kritiker keine Witze auf Kosten der Kunst machen und die Lektüre der Pinnwandkommentare zu einer sehr viel langweiligeren Angelegenheit machen würde. Dabei könnte ein bisschen mehr Witzigkeit der Kunstkritik, egal welcher Nationalität, so viel mehr Eindringlichkeit bescheren. Deshalb seien hier ein paar der pointiertesten Kommentare zur diesjährigen Turner Prize Exhibition (läuft ja noch bis 15. Januar) nicht nur zur Wiedergabe des Besucherstimmungsbildes, sondern auch zur Inspiration für professionelle Kunstkritiker gelistet:

Turner Prize_comments_Stop ©Blitzkunst„I thought I would walk around and stop when I saw something interesting. … I didn’t stop.“

„There’ll be a Prize for one of These??“

„What on earth they call this art? I think I will take up English“

„Fragmented over intelligence. The emotions are gone. All in the Head. No bodies.“

„Glad I didn’t pay.“ (Klassiker)

„Conceptual art is an excuse for lack of talent.“ (Auch ein Klassiker)

„Emperor’s New Clothes!“ (Extrem klassischer Klassiker)

„Not art at all …[ ]… not worth paying for clips that a 9-year old child can make!“ (Mega-klassischer Klassiker)

„Artists are smart and brilliant. They think creative things all the time. Well… What should I do…?“

„Would have been better with something other than endless video cut-ups. My eyes, my eyes, oh God, my eyes…“

„When will art progress past the postmoderne?“ (Oh, doch ein Profikritiker dabei?)

„NEIN“

„We want Sculptures!“

Bonus-Kommentar: „I’ve never been to Berlin“

Offensichtlich gilt BeTurner Prize_comments_Berlin Prize ©Blitzkunstrlin mittlerweile dann doch als Vorzeigereferenz in punkto Kunstqualität. „Ich war noch nie in Berlin“, das kann so viel heißen wie „Ich schaue in London immer diesen Müll und bin es zufrieden, denn ich kenne es nicht anders“. Oder auch, „Angesichts diesen Schrotts wünschte ich, wenigstens einmal in meinem Leben gute Kunst schauen zu dürfen. In Berlin. Denn ich weiß nicht, wie ich den Weg zu der grandiosen J.W. Turner-Malereiausstellung in den Räumen nebenan finde.“

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