Kunstkritik

Schwerer Blocken, dieser Jerry Saltz

saltz

Jerry Saltz, du alter Kritikerhaudegen, nimmst kein Blatt vor den Mund, lässt dich von nichts und niemandem einschüchtern, hast diesen nie versiegenden Mut zur Provokation, und wenn Facebook dich mal für ein explicit visual sperrt, sagst du, Facebook, du alter Magerquark, du kannst mir nix, und postest ein doppeltpenetrierendes visual, und dann freuen sich alle, auch Facebook, weil du dafür sorgst, dass überhaupt noch was passiert hier – von wegen… (mehr …)

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Blogger bei Mutti

Erwin Wurm_Bei Mutti_02

Dass Blogger die wichtigeren Journalisten seien, wie Erwin Wurm jüngst vor einer Gruppe von ebensolchen angab, kann natürlich bezweifelt werden, schließlich ist Reichweite nicht alles. Aber manchmal werden sie besser behandelt. Während eines Previews von Wurms Ausstellung „Bei Mutti“ in der Berlinischen Galerie nur für Blogger jedenfalls durften sie alles. Überall rumlaufen, Aufbauhelfer bei der Arbeit stören, Kunst anfassen, alles fotografieren und den Künstler alles fragen machte nur erstmal keiner, also fragen. Fotografieren dafür umso mehr. (mehr …)

Ist das Schreiben über Kunst umsonst?

Kunstkritiker können nicht vom Schreiben leben, Kunstmagazine werfen keinen Gewinn ab… Ist das Schreiben über Kunst zum unbezahlten Zeitvertreib verdammt?

Geldelephant

„Wer über Kunst schreibt, kann in der Regel nicht davon leben.“ Das sagt die Kunsthistorikerin und Autorin Ana Finel Honigman in einem Interview dem Whitewall Magazine. Honigman weiß, wovon sie spricht. Sie schrieb jahrelang für Kunst- und sogenannte Lifestyle-Magazine, darunter viele unabhängige Publikationen, jene Sorte Publikationen also, die ohne die Finanzierung eines Großverlages auskommen müssen und ihre Autoren und Fotografen statt in leistungsgerechten Honoraren in „Sichtbarkeit“, „Image“ oder „inhaltlicher Freiheit“ bezahlen. Das ist ok, It takes two to tango, wer sich auf solche Deals einlässt, weiß in der Regel, was er davon hat. Allerdings zahlen selbst solche Magazine schlecht, die von amerikanischen Medienmogulen oder russischen Oligarchen verlegt und finanziert werden. Denn in jenem Teil der Medienlandschaft, in dem es um Kunst geht, oder um „independent“, oder um ästhetisch ganz weit vorn sein, da lässt sich kein Geld machen, sowas ist schwierig zu vermarkten, und überhaupt, weiß doch jeder, dass man sich mit Kunst nicht beschäftigt, um Geld zu verdienen, sondern weil man will, dass das Schöne in der Welt bleibt, oder vielleicht noch wegen der tollen Parties; die ganzen Galerieassistenten, die alle freiwillig für Hungerlöhne arbeiten, weil das nunmal so ist in der Kunstwelt, können das sicher noch besser erklären, aber jedenfalls, was ich sagen wollte: Honigman hat recht, und jeder weiß es, aber warum scheint jeder zu glauben, dass man nichts daran ändern kann? (mehr …)

10 Versäumnisse aus 2015

Opener

Was 2015 nicht passiert ist, das wird 2015 auch nicht mehr passieren, denn 2015 ist vorbei. Und was nicht passiert ist, kommt in keinem Jahresrückblick vor. Es sei denn, es handelt sich um den BLITZKUNST-Jahresrückblick, der zwar mit ein paar Wochen Verspätung erscheint, dafür aber zehn Blogeinträge versammelt, die 2015 nicht passiert sind, obwohl genau dies nicht hätte passieren dürfen. (mehr …)

Das Beste am Turner Prize: dass er schlecht ist

Turner Prize_comments_Stop ©Blitzkunst

Der Turner Prize hat seinen bisherigen Tiefpunkt erreicht, noch nie war die Shortlist so schlecht wie in diesem Jahr, heißt es, und zwar erstaunlich einhellig. Normalerweise finden nämlich lediglich 80 Prozent der Briten die Shortlist schlecht, in diesem Jahr aber waren es shocking 95 Prozent! Auch die professionellen Kunstkritiker äußerten sich in diesem Jahr – und das ist unüblich – nahezu kongruent mit der öffentlichen Meinung.

Nun gibt es ja Dinge, welche die Briten nur deshalb gut finden, weil sie schlecht sind. Weil sie so schön darüber schimpfen können. Natürlich auf die britische Art. Insofern weiß man nicht ganz genau, ob die öffentliche Meinung zum Turner Prize vielleicht nicht doch positiv ist, gerade weil sie sich so negativ äußert. (mehr …)

Was so reinkommt

HIER KÖNNTE SICH DOCH EINE ABBILDUNG

VON ÄUSSERST SPANNENDER UND NOCH

TOTAL UNGESEHENER KUNST BEFINDEN

Wie schafft es ein Künstler ohne Biografie, ohne Galerie, ohne Presseerfahrung in ein etabliertes Kunstmagazin? Ganz sicher nicht, indem er eine Email an die Redaktion schickt mit einem Link zu seinem Portfolio. Da fragt sich der Empfänger dann nämlich, woher hat der Künstler meine persönliche Emailadresse und warum schickt der mir Zeug, das niemand kennt und das keine wichtigen Menschen wichtig finden und weiß der nicht, wie viele Emails ich jeden Tag bekomme und wie viele von diesen Emails mich interessieren, nämlich fast gar keine, was drängt der sich mir auf, ich kenne den nicht, der nervt, weg damit. Doch doch, so denken Redakteure von Kunstmagazinen dann oft, wir wissen es, wir, die aus 300 ehemaligen Kunstmagazinredakteuren bestehende BLITZKUNST-Redaktion, wir sprechen aus Erfahrung. (mehr …)

10 tolle schlechte Vorsätze für 2014

Cai Guo-Qiang, One Night Stand, Paris 2013

Cai Guo-Qiang, „One Night Stand“, explosion event for Nuit Blanche, Paris 2013. ©www.caiguoqiang.com

Gute Vorsätze hält man eh nicht ein, deshalb hier zehn schlechte. Die allerdings in Wirklichkeit total gute Vorsätze sind, weil sie den Umgang mit Kunst viel kurzweiliger, da oberflächlicher und somit intensiver gestalten. Das einzig Problematische an dieser Liste ist, dass sie einem aktuellen Trend folgt, nämlich dem Trend der Anti-Gute Vorsätze-Listen, und deshalb wenig originell ist, und außerdem auch nicht besonders schlau aufgeschrieben. Damit läuft sie Gefahr, schon am ersten Tag des neuen Jahres gegen den einzig ehrlich gemeinten und ehrlich guten Vorsatz von BLITZKUNST zu verstoßen, nämlich den Vorsatz, gute Unterhaltung zu liefern. Andererseits plädiert BLITZKUNST für mehr Selbstüberschätzung und einen weniger kritischen Blick, insofern, was soll’s, hier also die Liste: (mehr …)

Blogger und Kritiker

Rob Pruitt

Rob Pruitt lässt seinen Kunstpreis 2013 in der Dezemberausgabe von „Art in America“ stattfinden. ©artinamericamagazine.com

Die Preisträger des Rob Pruitt Art Award 2013 stehen fest. Gewinner in der Kategorie „Blogger/Critic of the Year“ ist Andrew Russeth. Dazu drei interessante und/oder erfreuliche Beobachtungen:

– Es hat nicht Jerry Saltz gewonnen

– Es gibt in den USA außer Russeth und Saltz noch weitere bekannte, zum Teil sogar gute Kunstkritiker, die auch für den Preis nominiert waren, zum Beispiel Linda Yablonsky und Paddy Johnson, Russeth hat sich also gegen ernsthafte Konkurrenz durchgesetzt

– „Blogger“ und „Critic“ sind zwei unterschiedliche Dinge

Punkt 1 ist einfach nur erfreulich. Kritiker sind nur solange gut, wie sie den Gegenstand ihrer Kritik wichtiger nehmen als sich selbst. (mehr …)