Alles Highlights beim Gallery Weekend Berlin 2017

Gut geklaut ist mehr als halb gewonnen, insbesondere wenn man es bei sich selber tut. Der folgende Beitrag lief zunächst und in Vortragsform bei NUN – Die Kunst der Stunde. Ein Phänomen, das in Kunstmedien immer dann geballt auftritt, wenn ein sogenanntes Kunst-Großereignis (Messe, Biennale, ihr wisst schon) bevorsteht: sogenannte Must-See- oder Highlight-Listen. Auch zum jüngsten Gallery Weekend Berlin passierte ein Großteil der Berichterstattung in Listenform, ein angenehm übersichtliches, Orientierung bietendes Format – denkt man. Bis man diese Listenberichterstattung einer kleinen Auswertung unterzieht.

Die ersten Highlight-Listen erscheinen ja in der Regel schon weit vor dem Großereignis, damit das Publikum ordentlich Zeit hat, sich vorzubereiten. Nur worauf genau? Auf die als Highlights angepriesenen Ausstellungen ja wohl kaum, denn die sind zum Zeitpunkt der Anpreisung meist noch gar nicht installiert. Egal, Galerie und/oder KünstlerIn sind bewährt gut, und außerdem wichtig, weiß man doch, wird also schon hinkommen mit dem Highlight. Während des Kunstgroßereignisses selber kann man ja immer noch korrigieren. Indem man Augen und Ohren aufmacht und guckt, welche Ausstellung am meisten geschaut und gelobt wird – weshalb die während des Ereignisses veröffentlichten Listen eine gewisse, nun ja, Vorhersehbarkeit und Kongruenz aufweisen. Das merkt man, wenn man sich diese Listen vornimmt und chronologisch auswertet nach dem Schlüssel: Welche Galerie wird wie oft als Highlight genannt? Am Anfang, also vor dem Ereignis, ist das Feld noch weit offen. Währenddessen aber, und insbesondere zum Ende hin, kristallisieren sich Favoriten heraus, an der Spitze sortiert sich das Feld wie beim Pferderennen, und erst auf den letzten Metern bzw. Stunden des Events bildet sich das winning highlight heraus.

Eine grobe (also weit vom Anspruch auf Vollständigkeit entfernte) Auswertung von rund 15 deutschen und internationalen Beiträgen (ausgenommen die Überblickspublikationen oder Führer von Magazinen wie Monopol oder Weltkunst), die sich nur auf Galerien beschränkt, dafür aber alle genannten Galerien einbezieht, nicht nur die offiziellen Teilnehmer des Gallery Weekend, ergibt die hier einsehbare GW17-Liste der Mustest Must Sees (mehr als einmal genannt) und der Lesser Must Must Sees (zumindest einmal genannt).

Gelistet sind 46 Galerien, davon 31 offizielle Teilnehmer des Gallery Weekends, das 2017 46 Galerien umfasste. Das heißt also, rund zwei Drittel des offiziellen Feldes wurden als Highlight bewertet. Das ist schön, entspricht aber nicht ganz der Definition eines Highlights, das ja seiner ursprünglichen Bedeutung nach Dinge benennt, die aus der Masse herausstechen anstatt Teil davon zu sein. Soviel also zur Filterfunktion von Highlight-Listen.

Wie groß der Einfluss dieser Listen tatsächlich ist auf das, was das Publikum selbst als Highlight empfindet, beweist zum Beispiel ein Blick auf Instagram. Dort gehörten zwar zurecht der grenzensprengende Selfie-Backdrop von Jonas Burgert bei Blain|Southern und die virtuos virtuell wirkenden Skulpturen von Angela Bulloch bei Esther Schipper zu den Publikumssiegern, aber daneben machte eine Galerie das Rennen, die in keiner einzigen Highlightliste auftauchte: Żac | Branicka mit Robert Kusmirowski.

 

 

 

 

 

 

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