Wie man als Künstler sein eigenes Museum bekommt

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Der Künstler Diether Kunerth hat sein eigenes Museum bekommen: einen Bau von Atelier Lohrer. Für 5 Millionen Euro. Finanziert von EU-Geldern. Haben wir es hier mit einem Skandal zu tun oder hat doch schon mal jemand von Diether Kunerth gehört?

Wenn man als Künstler sein eigenes Museum bekommt, also ein Museum mit dem eigenen Namen drauf und den eigenen Arbeiten drin, dann hat man es geschafft. Was man für sein eigenes Museum tun muss? Etwas, vor dem sich jeder Künstler, der sich als Künstler versteht, eher scheut: nichts. Man darf auf keinen Fall international bekannt werden, man darf keine Galerie haben, keine Presse, keine Ausstellungsbeteiligungen oder gar Einzelausstellungen in wichtigen Institutionen, man darf keinerlei Bezug nehmen auf den aktuellen Kunstdiskurs oder gar selber als Impulsgeber auftreten. Man muss im Gegenteil alles daran setzen, total unbekannt zu bleiben, muss seinen Wirkungsradius unbedingt auf das lokale (am besten provinzielle) Umfeld beschränken und nur für sich arbeiten, für sich und ein paar befreundete Betrachter, die das alles dann sehr schön finden, was man so produziert.

Genau so jedenfalls hat es Diether Kunerth gemacht. Zeit seines Lebens hat er abseits des Kunstbetriebs und abseits einer kunstrezipierenden und -einordnenden Öffentlichkeit gearbeitet. Niemand kennt ihn über seinen lokalen Wirkungskreis hinaus, und nach dem zu urteilen, was man von seinen Arbeiten im Internet so findet, wird sich das auch nicht mehr ändern.

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Diether Kunerth, „Pharaonenpaar“, 2010. Aquarell/Acryl, 500 x 240 cm.

Und dafür hat er jetzt in seiner Heimat Ottobeuren sein eigenes Museum bekommen. Das Museum für zeitgenössische Kunst Diether Kunerth. Einen Neubau vom Atelier Lohrer, der gar nicht schlecht aussieht, so ein Museum hätten bestimmt nicht wenige Künstler gern. Dummerweise kostet so ein Museum ordentlich was, in diesem Fall 5 Millionen, ein ganz schöner Batzen Geld, den bekommt man als unbekannter Künstler mit ein paar privaten Gönnern nicht so leicht zusammen. Wie gut, dass es da öffentliche Fördertöpfe gibt. In diesem Fall zeigte sich der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) großzügig, und der Kulturfonds Bayern und der Landkreis Unterallgäu gaben auch noch was dazu, insgesamt 3.55 Millionen Euro Fördergelder.

Zur Eröffnungsfeier seines Museums kam Diether Kunerth auf einem Kamel angeritten, zusammen mit ein paar Assistenten, die auch auf Kamelen saßen – so als wollte er sagen, Kinder, das hier ist alles gar nicht wirklich, es ist nur eine Fata Morgana. Aber es ist Wirklichkeit, das Museum, und es wäre eigentlich eine recht amüsante Geschichte, und dem Herrn Kunerth wäre sein Museum auch wirklich zu gönnen, weil er bestimmt ein sehr netter Mensch ist – wenn da nicht die EU-Gelder wären. EU-Gelder haben bitteschön nicht für nette Menschen ausgegeben zu werden, sondern für Relevanz.

Trotzdem stellt sich so etwas wie Bewunderung ein für Diether Kunerth. Ein ganz schönes Husarenstück, das er sich da zurechtgeritten hat, auf seinem Kamel. Ein eigenes Museum, ohne die Voraussetzungen dafür zu erfüllen, das muss man erst mal schaffen. Wir sollten den Künstler Kunerth also nicht unterschätzen. Vielleicht sollten sich einfach alle Künstler, die gern ein eigenes Museum hätten, ein Beispiel an ihm nehmen.

8 Kommentare

  1. Husarenstueck hin oder her, das Museum links unterhalb der Basilika in Ottobeuren ist eine wunderbare Bereicherung der Region. Die aktuelle Ausstellung mit Elvira Bach wäre einer Großstadt würdig. Die lebensfrohen und frauenfeiernden Bilder Diether Kunerths übrigens ebenso. Verschwendung? Ansichtssache…. Was heute an Millionen vergeudet wird mit Banken- /Flughafen/Bahn21-Rettungsmassnahmen geht doch schon längst auf keine Kuhhaut mehr, geschweige denn in das Verständnis eines sogenannten Normalsterblichen. Schauen sie doch mal nach Süditalien, wo in Minidoerfern Bauruinen von Schulen und Kindergärten dem Verfall preisgegeben rumstehen – wenn da mal ein ,unbekannter,‘ Künstler ein paar Millioenchen angreift…. Die Künstlerwerkstatt im Museum für die Öffentlichkeit sollten sie da aber auch erwähnen. Viel Spass noch beim Auffinden des täglichen Finanzierungswahnsinns….

    1. Ei, Frau Scholl, die „Fata Morgana“ gibt es schon seit dem 24. Mai 2014. Kommen Sie doch zur laufenden Ausstellung „Das Gesicht“, Sie werden begeistert sein. Viele Besucher sagen, dass diese Ausstellung sich noch besser darstellt als die erste.
      Kommen Sie,überzeugen Sie sich, Sie werden staunen.
      Veni, vidi, vici.

  2. Ich kenne zwar Herrn Robert Loritz nicht, aber es fällt mir auf, wie sachlich und überlegt er seinen Kommentar verfasst hat.Mit seinem Apell an die Toleranz spricht er mir aus der Seele.
    Die Behauptung „Haben wir es hier mit einem Skandal zu tun oder hat doch schon mal jemand von Diether Kunerth gehört?“ war mir immer zu oberflächig, um darauf zu antworten.

  3. Was sind denn sie für eine besondere Institution? Kennen sie Herrn Kunerth und eine Auswahl seiner Werke bzw. das Museum in Ottobeuren oder auf welchen Grundlagen basiert ihre negative Bewertung? Kunst bzw. Architektur muss nicht jedem Gefallen und ist eine Geschmacksache. Auch benötigt der Betrachter viel Toleranz beim Besichtigen von Werken, die einem nicht so zusagen.
    Ich jedenfalls finde es super, dass die öffentliche Hand „Künstler“ auch zu Lebzeiten unterstützt und wünsche ihnen für die Zukunft etwas mehr Toleranz.

    Herzliche Grüße

  4. Kleiner Fehler: Das Museumsgebäude wurde nicht von Stephan Braunfels Architekten sondern vom Atelier Lohrer aus Stuttgart geplant!

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