Sterben wird lebendiger

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Wenn man sich sicher sein könnte, nach dem Tod wirklich tot zu sein, könnte es einem ja egal sein, wie man begraben wird. Aber weil man sich eben nicht sicher sein kann und vielleicht auch der Vorstellung anhängt, das Danach könnte irgendwie mit dem Davor verknüpft sein, ist es schon besser, den eigenen Tod als Teil des eigenen Lebens, des Erlebens mitzudenken. Und deshalb sollte man sich, auch wenn dieser noch nicht so bald einzutreten droht, ruhig ein bisschen intensiver damit beschäftigen, wie das eigene Begräbnis so aussehen könnte. Und damit dazu beitragen, dass das Thema Tod auch im gesellschaftlichen Umgang ein bisschen lebendiger wird.

Gerade in Deutschland hat der Tod nur wenig Platz im Leben, weil er in extrem standardisierter Form aus diesem geschafft wird. Bestatter, Todesanzeige, Sarg, Urne, Trauerfeier, Friedhof, vielleicht mal ein Ruhewald oder ein Seebegräbnis, das war’s, nicht zuletzt weil strenge Gesetze („Friedhofspflicht“) unkonventionellere Bestattungsorte verbietet. Aber die Überschaubarkeit des Bestattungsformat-Angebots wird zunehmend hinterfragt und erweitert, wie das Projekt „DeathLab. Sieben Gespräch über Tod & Kunst“ illustriert. Menschen, die beruflich mit dem Thema Tod zu tun haben, treffen auf bildende Künstler, Kulturwissenschaftler und Musiker und untersuchen Möglichkeiten einer zeitgemäßen Sterbekultur, und zwar nicht nur theoretisch: zu jeder Veranstaltung werden künstlerische Urnenentwürfe und zeitgenössische Trauermusik vorgestellt, und zwar an wechselnden Orten in Berlin, die einen Einblick in die Infrastruktur von Bestattungswesen und Sterbekultur bieten. Abgesehen vom etwas zu bemüht contemporary (und gleichzeitig veraltet) wirkenden Titel „DeathLab“ ein überzeugendes Konzept.

Wer die Auftaktveranstaltung im Krematorium Baumschulenweg mit eloquenten Gesprächspartnern, einem herausfordernden Urnenentwurf von Axel Loytved und „Come As You Are“ von Nirvana als (live gespielte) Orgel-Adaption verpasst hat, hat zwar tatsächlich ganz schön was verpasst, darf sich aber noch auf sechs weitere Veranstaltungen freuen. Alle Infos auf www.deathlab.de.

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