Publikation

Buchtipp: Kabelenzyklopädie

Ferentschik_KabelenzyklopädieEs ist immer wieder ein Anlass zu großer Freude, wenn vermeintlich profane Gegenstände zu der ihnen gebührenden Aufwertung gelangen, zum Beispiel indem sie Thema einer Ausstellung werden. So widerfährt es jetzt dem Kabel, einer so bedeutenden wie aufmerksamkeitstechnisch unterernährten Errungenschaft der Menschheit. Kabel werden heute ja nicht nur nicht verehrt, nein, sie werden sogar gescholten, wegen ihrer unbändigen Lust am Verknoten und Verknäulen und uninspirierten Herumliegen, und außerdem werden sie als unmodern belächelt. Wo Kabel sind, da ist es alt, heute muss ja alles kabellos sein. Dabei sind Kabel nicht nur ästhetisch der totale Wahnsinn, sondern auch eine tolle Bereicherung der deutschen Sprache. (mehr …)

Das Scheitern der Louise Blouin

Artinfo screen

Screenshot der deutschen Seite von Blouin Artinfo, de.blouinartinfo.com

Fast jeder, der schon einmal von Louise Blouin gehört hat, glaubt, sie habe nicht alle Glocken im Turm. Offiziell würde sich natürlich niemand negativ über die Verlegerin äußern, dazu ist sie (momentan noch) zu mächtig. Umso schöner, dass der Presse vor kurzem eine von ihr persönlich verfasste Email zugespielt wurde – aus anonymer Quelle zwar, aber doch ein sehr viel handfesterer Beweis ihrer geistigen Versehrtheit als das übliche Partygeläster. Man kann dem Gallerist (Kulturportal des New York Observer) nicht genug dafür danken, diese Email veröffentlicht zu haben. (mehr …)

Facebook-technisch unterbewertet

UnterwegsNeulich fiel mir ein Kunstblog auf, er heißt „Unterwegs in Sachen Kunst“. Den Namen hätte sich jemand ausdenken können, der gern praktische Klamotten trägt und es völlig unwichtig findet, wie er darin aussieht. Und so ist auch der ganze Blog. Uneitel, unprätentiös, unaufgeregt. Ein eklektizistisches Ansammeln von Gesehenem, von jemandem, der einfach nur gern Kunst guckt und mitgucken lässt. (mehr …)

Wolkige Gedanken von Hans Ulrich Obrist

Hans Ulrich Obrist Bandlands Zeichnung

Hans Ulrich Obrist, „Untitled“, undatiert. ©www.badlandsunlimited.com

Hans Ulrich Obrist reicht es wohl nicht, dass die Kunstwelt eh schon gezeichnet ist von seiner Allgegenwärtigkeit – jetzt zeichnet er auch noch ganz wortwörtlich. Beziehungsweise, das tut er schon seit Jahren, aber erst jetzt bekommt die ganze Welt die Möglichkeit, davon Kenntnis zu nehmen: Zur New Yorker Buchmesse (ab 20. September) zeigt der Verlag Badlands Unlimited eine Ausstellung von „never before seen diagrams, notes and drawings“ von Hans Ulrich Obrist, zur Feier seines neuen Buches, Think Like Clouds. (mehr …)

Sommerloch ist vorbei

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Dan Havel/Dean Ruck, „Inversion“, 2005. Art League Houston. ©deanruck.com/havel-ruck-projects/pyramidbeach.com.

Eigentlich wollte BLITZKUNST bis zur Berlin Art Week sommerlochbedingt pausieren, aber es passierte und passiert einfach zu viel Berichtens- und Vernichtenswertes. Dazu noch das ungute Gefühl, nicht da zu sein für die mittlerweile mehrere Millionen Leser umfassende Fangemeinde – es geht so einfach nicht weiter mit dem Nichtweitermachen. (mehr …)

Harper’s Bazaar Art Arabia endlich online

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Es gibt sie noch, die gedruckten Kunstmagazine ohne Onlinepräsenz, was im Fall von Harper’s Bazaar Art Arabia zwar so unverständlich wie traurig ist, aber immerhin den Vorteil mit sich bringt, dass der Beitrag über Imran Qureshi in der aktuellen Ausgabe des Magazins hier seine Onlinepremiere feiern darf, und nicht nur das, sondern wahrscheinlich auch gleich seine Deutschlandpremiere, schließlich kann sich die Publikation rühmen, deutschlandweit nirgends erhältlich zu sein. (mehr …)

Potz! Blitz! Kunst!

Es gibt ja nicht nurblitzkunst-cover BLITZKUNST. Es gibt auch Blitz-Kunst, die Webpräsenz eines (wie ich vermute) Hobbyfotografen, der sich unter anderem dem so schönen wie vernachlässigten Sujet „Pilze“ widmet. Und es gibt „Blitzkunst. Or have you ever done anything illegal in order to survive as an artist?“, ein Buch von 1983, das ich noch lesen muss.

Das alles war bekannt und kein Grund, BLITZKUNST nicht BLITZKUNST zu nennen. Auf der anderen Seite gab es auch keinen Grund, BLITZKUNST BLITZKUNST zu nennen. Aber so heißt BLITZKUNST jetzt eben. Und wenn man das Wort „Blitz“ im Namen führt, dann ist man Blitzen gegenüber empfänglicher, wenn auch hoffentlich auf eine andere Art als der Förster Roy Sullivan, der siebenmal vom Blitz getroffen wurde und überlebte, bis er sich selbst eine Kugel in den Kopf jagte, übrigens 1983, im Erscheinungsjahr des oben erwähnten Buches. (mehr …)

Umgang mit der Kunstblog-Konkurrenz

Djurberg Puglia

Fressen und gefressen werden – die deutsche Kunstblog-Szene ist ein Haifischbecken (die Abbildung zeigt allerdings Wale: Natalie Djurberg, Whales, 2008-09, installation view Museo Pino Pascali 2012)

Gott sei Dank habe ich vor dem Start von BLITZKUNST keine Überprüfung des Wettbewerbsumfeldes vorgenommen. Die Menge an deutschsprachigen Kunstblogs ist nämlich genauso alarmierend wie ihre Qualität, wobei besonders hervorzuheben ist, mit welcher Konsequenz Kunstblogs nicht gepflegt werden. Das hätte mir eine Warnung sein können, aber jetzt ist es zu spät. Damit dieser Blog überhaupt eine Überlebenschance hat, habe ich beschlossen, ihn nicht als Kunstblog zu bezeichnen. Und auch nicht als Blog. (mehr …)