Kulturpolitik

Weniger Viele wäre mehr

Viele viele bunte Schokolinsen beim Vielsein (also dabei, das Richtige zu tun). ©CC-BY-SA 2.0/AnemoneProjectors.

In letzter Zeit gilt der Schulterschluss wieder was. Wenn er eine Mehrheit bildet. Und für das Richtige steht. Das Problem ist nur, Mehrheit steht nicht automatisch für das Richtige (müssten zumindest Deutsche eigentlich wissen), weshalb hashtagaffine Initiativen wie „Wir sind mehr“ oder zumindest „viele“ höchstens für die Fehleinschätzung stehen, das von ihnen wie auch immer definierte „Richtige“ werde mit jeder weiteren Stimme, die sich dazu bekennt, noch richtiger – und für eine Beförderung eines gefährlichen Umkehrschlusses: Was nur von Wenigen vertreten wird, ist falsch. Das ist im Fall von rechtsradikalem Gedankengut zwar richtig, haha, aber blöderweise ist es ja so, dass man als in einer Demokratie lebender Geist besser von selbst drauf kommen sollte, was man richtig findet, und dazu braucht es eine gewisse Auswahl und Ermunterung zur eigenverantwortlich individuellen Auseinandersetzung, und da ist es nicht besonders hilfreich, wenn Leuten auf dem Weg zur bürgerlichen Verantwortungswerdung gesagt wird, „Hier, musste gar nicht mehr nachdenken, das hier ist das Richtige, weil die anderen das auch alle richtig finden, keine Sorge, haben wir mit den anderen abgecheckt.“ Für Pubertierende ist es natürlich ein super Mittel gegen mangelndes Selbstvertrauen, wenn sie die gleichen Sneaker tragen wie alle anderen in der Clique auch, aber dass auch Kulturinstitutionen Peer-Kongruenz brauchen…? (mehr …)

Das eigentlich Schlimme am blauen Pferd der Königin

Nicole Leidenfrost Pferd

Nicole Leidenfrost, „Pferd“, 2014. ©www.nicole-leidenfrost.de

Seit dem 25. Juni 2015 kennen die Feuilletons und Kunstmagazine der deutschen Medienlandschaft eine Künstlerin, die gute Chancen gehabt hätte, bis zu ihrem Lebensende niemals zum Gegenstand medialer Aufmerksamkeit zu werden, wäre sie nicht auserwählt worden, der Königin von England ein Bild zu malen. Nicole Leidenfrost wollte Freude schenken, stattdessen hat sie Spott und Häme gebracht, über Deutschland, über Joachim Gauck, und über sich selbst – wobei ihr letzteres noch egaler zu sein scheint als Deutschland und Gauck. Recht hat sie, es darf ihr völlig egal sein. Sie hat nämlich nichts getan. (mehr …)

Dann eben nicht, oller Rat für die Künste

Gestern fand BLITZKUNST den Rat für die Künste noch total gut. Heute, einen Tag nach der Wahl der neuen Mitglieder, nicht mehr.
Zu Beginn ließ sich noch alles sehr hoffnungsvoll an. Es waren eine Menge Leute gekommen. Zu viele Leute, wie die Wahlhelferin etwas verängstigt zugab. Man habe mit 300 Wahlwilligen gerechnet und deshalb auch nur 300 Wahlzettel kopiert. Die Wartezeit bis zum Eintreffen nachkopierter Wahlzettel ließ sich aber gut überbrücken, weil ja viele Leute da waren, mit denen man reden konnte. Gute Leute, Leute, von denen anzunehmen war, sie würden das Richtige tun, die Richtige wählen. Wie sich herausstellte, waren von den guten Leuten dann doch zu wenige da.

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Kulturpolitik für alle

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Sophiensaele, Wahllokal für den Rat für die Künste

Man muss nicht gleich in die SPD eintreten und sich vier mühsame Monate Parteizugehörigkeit später zum Kulturstaatssekretär machen lassen, um Einfluss auf die Berliner Kulturpolitik nehmen zu können. Man kann sich auch einfach an der Wahl zum Rat für die Künste beteiligen. Oder sich gleich für den Rat aufstellen lassen, vorausgesetzt, man ist kulturschaffend.

Der Rat ist ein unabhängiges Gremium und fungiert als Vermittler zwischen Politik und kultureller Praxis – er bezieht seine Daseinsberechtigung also vor allem aus dem Umstand, dass in der Berliner Kulturpolitik keine Politiker installiert sind, die auch Praxis können. (mehr …)

Der nächste Kulturstaatsekretär

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André Schmitz bei der Vergabe eines Förderpreises an Nina Pohl und Nora-Nele Heinevetter vom Schinkel Pavillon 2013. ©kunst-magazin.de

In seinem Rücktrittsgesuch an Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit schreibt der nunmehr tatsächlich zurückgetretene und damit ehemalige Kulturstaatssekretär André Schmitz: „In Wahrnehmung meiner politischen Verantwortung habe ich den Regierenden Bürgermeister heute gebeten, mich von meinen Aufgaben als Staatssekretär für Kulturelle Angelegenheiten zu entbinden. Ich tue diesen für mich persönlich schmerzhaften Schritt, um Schaden für das Amt und für die Berliner Kulturpolitik zu vermeiden.“ Häh? Um Schaden zu vermeiden?! Hätte er Schaden vermeiden wollen, dann hätte er den Job gar nicht erst antreten dürfen. (mehr …)