Ganz Instagram muss diese Collagen kaufen

Collagen auf dem Instagram-Account von Emanuel Mooner. ©www.instagram.com/dompteurmooner.

Gibt es eigentlich einen automatischen Bietagenten für Instagram-Posts? Ein Tool, das automatisch einen Kommentar unter einen Post setzt, sobald er veröffentlicht wird? So etwas könnte man gut für den Account von Emanuel Mooner (@dompteurmooner) gebrauchen, der auf Instagram jeden Tag eine Collage zum Verkauf stellt, und zwar für 25 Euro und damit bewusst zu einem extrem günstigen Preis, der zwar die vom Collagekünstler erwünschte Diskussion um den Wert von Kunst nicht anstößt, dafür aber für reißenden Absatz sorgt, jedenfalls sind die meisten Collagen, deren Erwerb durch das Absetzen eines Kommentars mit Wortlaut „I Want“ besiegelt wird, unmittelbar nach Veröffentlichung auch schon weg.

Sehr gute Collage, kurz nach Veröffentlichung verkauft, kein Wunder. ©Screenshot http://www.instagram.com/dompteurmooner.

Dass Instagram nicht unbedingt der richtige Ort für Debatten ist, dürfte dem Künstler, der eigentlich Emanuel Günther heißt und in seinem Leben von Musik bis Möbel offenbar schon sehr vieles gemacht hat, durchaus klar sein. Und so liegt denn vielmehr der Verdacht nahe, es ginge hier um etwas anderes, weitaus Größeres: nämlich die flächendeckende Ausstattung der gesamten Instagram-Nutzerschaft mit Collagen. Das stärkste Indiz dafür: Das Projekt soll nach Künstlerselbstauskunft eigentlich nur 365 Tage dauern („one collage per day for 365 days“), aber es geht schon viel länger, seit dem 30. Dezember 2016 wurden schon weit über 400 Collagen veröffentlicht. Auch sorgen eine beeindruckende Sujetvielfalt, subtile Stilwechsel und eine hochgradig sinnliche Ansprache für eine potentiell lückenlose Befriedigung sämtlicher visueller Bedürfnisse, das kann ja kein Zufall sein. Dazu kommt, dass viele Collagen wirklich sehr sehr gut sind, aber immer mal wieder ist eine eher achtlos gestaltete, unbefriedigende dabei – auch das ist bestimmt gewollt, als kleine Untiefe im Strom steten Wohlgefallens platziert, damit man nicht die Aufmerksamkeit verliert und sich wieder umso mehr auf die nächste freut.

So wie Instagram der falsche Ort für Debatten ist, so ist Instagram der richtige Ort für Bilder. Komisch, dass es manchmal einen Instagram-Account wie diesen braucht, um einem das wieder klar zu machen.