Wertlose Website Weg

Rotkaeppchen68/CC BY-SA 3.0.

Offenbar kommuniziert die Redaktion des Kunstmagazins art nicht so gern. Jedenfalls nicht, wenn es um Digitales geht. Das Onlineangebot von art jedenfalls wurde kürzlich eingestellt, ohne dass auf der Seite selbst oder über Social Media darauf hingewiesen worden wäre. Und auch auf wiederholte Anfragen an die Redaktion, ein paar Fragen zu diesem Fall zu beantworten, erfolgte bislang keine Reaktion.

Jetzt könnte man sagen, wenn sich ein Medium für komplett irrelevant hält, dann muss es sich natürlich auch nicht seiner Leserschaft erklären. Komplett irrelevant ist art-magazin.de nun aber nicht gewesen, oder? Im Gegenteil, es ließe sich sogar behaupten, das Magazin aus dem Verlag Gruner + Jahr verdankte seine Daseinsberechtigung vor allem dem Onlinepart, der eine zeitgemäße Sprache und Vermittlungsattitüde pflegte, die der Printausgabe leider abgeht. Es wäre verkürzt, Digital mit frisch und Print mit alt gleichzusetzen, aber gerade weil es sehr frische Printmagazine gibt, wird die gedruckte art seit dem Online-Aus erst recht abgestanden wirken. Gut, das tut das, was vom Onlineauftritt noch geblieben ist, jetzt immerhin konsequenterweise auch: Unter der ursprünglichen Webadresse werden jetzt Leserreisen angeboten.

Na und? Was ist verkehrt daran, mit dem Fokus auf die Stammzielgruppe 60+ (Altersangabe bezieht sich auf Medienkonsumgewohnheiten, nicht unbedingt biologisches Alter) in den Sonnenuntergang reiten zu wollen? Nichts. Aber das Onlineangebot von art wurde ja nicht eingestellt, um das Profil in Richtung älter und konservativer zu schärfen, sondern weil es nicht rentabel gewesen sei, heißt es. Dabei hätte doch von Anfang an klar gewesen sein müssen, dass ein Kunstmedium nach Maßstäben eines auf Massenmedien fokussierten Verlages wie G+J keine quantitativ nennenswerte Reichweite erzeugt und somit nicht unmittelbar als Werbeplattform monetarisierbar ist. Aus klassischer Vermarkterargumentationsperspektive hätte man die Online-Nummer also auch gleich sein lassen können. Es scheint vielmehr so, als sei hier wieder ein kurzsichtiger Verlagsmanagerblick am Werk gewesen, der nicht versteht, dass mittelbare Werte wie Image, inhaltliche Charakterstärke und Zeitgeistkongruenz unbezahlbare Pimper des gesamten Verlagsportfolio sein können und dieses fehlende Verständnis für das, warum man sich ein bestimmtes Medium hält und was man damit machen kann, das ist das eigentliche Ärgernis. Medienquälerei.

Ist es schlimm, dass es kein art online mehr gibt? Nein. Dass die Einstellung ohne begleitende Kommunikation lief, dagegen schon. Denn wenn sich ein Medium schon selber so wenig respektiert, dass es sich nicht mal ordentlich von seinen Lesern verabschieden kann, dann sollte es wenigstens den Respekt für seine Inhalte und die diese Inhalte Produzierenden aufbringen. Laut art-Mediadaten immerhin „Autoren von Rang“ und „Fotografen mit Weltruf“ (whatever that means). In diesem Fall aber wurden einfach kommentarlos alle Inhalte gelöscht, obwohl es doch ein Leichtes gewesen wäre, sie als Archiv zu bewahren. Aber wahrscheinlich hat ein Verlag, dessen Flaggschiff-Publikation alle drei Monate die selben Titel bringt („Richtig Abnehmen“, „Leichter Abnehmen“, „Gesünder Abnehmen“, „Richtig Abnehmen“) einfach keinen Bezug zum Wert von Inhalten.

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