Solidaritätszuschlag

David Zink Yi, „Lieblingsarm (Favourite Arm)“, 2009. Werk aus der Auktion bei lend-me-your-ear.org. Aktuelles Gebot: noch zu niedrig.

Eben noch war alles gut. Liebe, Familie, Geld, Wohnung, Reihenfolge egal, alles gleich gut. Dann passiert irgendwas, und dann blöderweise gleich darauf noch was, und auf einmal ist nichts mehr gut, und dann zeigt sich aber mal wirklich, wer die sprichwörtlich echten Freunde sind. Je höher in einem sozialen Umfeld der Stellenwert der Außenwirkung, desto weniger gibt es davon, sagt das Klischee. Wenn es stimmt, dann ist dieser Stellenwert in manchen Bereichen der Kunstwelt ziemlich gering.

„Lend Me Your Ear and I’ll Sing You a Song“ ist der Name einer Hilfsaktion, die eine Gruppe Berliner KünstlerInnen ins Leben gerufen haben, um eine Freundin und Künstlerkollegin zu unterstützen, bei der die eingangs genannten Lebenspfeiler in existenzbedrohlichem Maße einsturzgefährdet sind. Unter anderem gilt es, Mittel für einen Sorgerechtprozess aufzubringen. Rund 50 Künstler sind dem Aufruf von Mariechen Danz, Wolfgang Mayer, Katrin Vellrath, Sakine Weikert und Susanne Weiß gefolgt und haben Werke gespendet, die in einer Onlineauktion auf lend-me-your-ear.org bis zum 18. Dezember 2017 versteigert werden. Der Erlös der Auktion geht zu 100 Prozent an die zu unterstützende Künstlerin.

Mariechen Danz, „Mask (Kopfschnitt/tear), 2017. Aktuelles Gebot: noch zu niedrig.

Wie schön, denkt man da kurz, wie gut, dass die Sache mit dem Menschsein dann doch so funktioniert, wie man sich das wünscht, es gibt sie noch, die gute alte Hilfsbereitschaft, und es gibt Menschen, die sie ausüben, dann muss ich mich ja nicht irgendwie angesprochen fühlen und kann mich weiter um meinen eigenen Kram kümmern. Nicht. Denn solange das Projekt nicht durch die Beteiligung Dritter gefüttert wird, bleibt es nur eine Geste. Es muss tatsächlich und aus ganz realer Notwendigkeit ordentlich was zusammenkommen. Aber das Gute ist: Man muss sich überhaupt nicht emotional angesprochen fühlen, um hier sein Geld zu lassen, denn es ist ganz einfach so, dass hier ein paar super Arbeiten von tollen KünstlerInnen (ziemliche Mega-Liste, u.a. Kerstin Brätsch, Friedemann Heckel, Sarah Schönfeld, Kathrin Sonntag, Philip Topolovac, Ulrich Wulff, um nur ein ganz paar der BLITZKUNST-Favoriten zu nennen) zu womöglich sensationell niedrigen Preisen zu bekommen sind. Man kann also auch aus Selbstbefriedigung oder Gier handeln, Hauptsache man macht mit.

Das Prinzip ist ganz einfach, zu jeder angebotenen Arbeit ist online das aktuelle Gebot vermerkt, das man natürlich überbieten muss. Um welche Summe, bleibt einem selbst überlassen. Ob man selber überboten wurde, erfährt man entweder, indem man regelmäßig nachschaut, oder per Emailbenachrichtigung kurz vor Ablauf der Auktion. Dann kann man noch einmal nachbieten. Am Ende wird man mit ziemlicher Sicherheit Kunst erworben haben, für die man unter anderen Umständen weit mehr hätte zahlen müssen – Geben und Nehmen geht hier also eindeutig zugunsten des Letzteren aus.

P.S.: BLITZKUNST bietet mit und verrät zwar nicht, worauf, will aber auf jeden Fall noch überboten werden, da ist noch viel zu viel Luft nach oben.

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