Aquatisches Wabern und handfestes Holz

Man kann Ewigkeiten verdaddeln auf der Website der Galerie Zierfische, die streng genommen keine Galerie ist, jedenfalls keine mit einem Raum, sondern nur mit Schaufenstern, aber das ist eine andere Geschichte und im übrigen auch kein Defizit, denn abgesehen davon, dass die Galerie Zierfische über die Kooperation mit dem Späti nebenan mitttelbar doch über Räume verfügt, in denen man die zu jeder Ausstellung herausgegebene Edition erwerben kann, gibt es eben auch noch die bereits erwähnte und zu recht erwähnenswerte Website.

Was an dieser sehr gut aussehenden Website gefällt: Sie wartet mit einer cursor-sensitiven Animation des Buchstaben „Z“ auf. In assoziativer Weiterführung des Zierfisch-Kosmos aquatisch wabernd und irgendwie an diese in den achtziger Jahren als Spielzeug verkauften Slime-Batzen erinnernd, ein bisschen glibschig-flutschig, ein bisschen zäh, da kann man stundenlang dran herumcursorn. Sollte man aber nicht, denn es gibt auf dieser Website noch eine lohnendere Investition zu entdecken.

Annekatrin Lemke/©zierfischegalerie.de

Wie gesagt, zu jeder Schaufenster-Ausstellung gestalten die gezeigten KünstlerInnen eine Edition, preisleistungsverhältnismäßig so gestaltet, dass auch Impulskäufe möglich sind, falls man sich zu den Zigaretten aus dem Späti noch eine Kunst mitnehmen will, und überhaupt, wo kann man schon in einem Späti Kunst kaufen, nein anders, wo sollte man in Berlin Kunst kaufen, wenn nicht in einem Späti? Aktuell gibt es eine ganz besonders empfehlenswerte Edition, nämlich die von Annekatrin Lemke. In den Arbeiten von Lemke wirkt Holz als Medium so zeitgemäß und so versatil, dass man sich wundert, warum einem beim Gedanken an Holz in der jüngeren Kunst nur Stephan Balkenhol einfällt. Wenn einem überhaupt was mit Kunst einfällt, und nicht nur die sprichwörtlich schönen Dinge aus Holz, die kreativ begabte Hausfrauen im Hobbykurs fertigen.

Die 1980 geborene Holzbildhauerin Lemke ist keine Künstlerin der Stunde, sie hat keine Galerie, sie lebt und arbeitet nicht in Berlin, sondern irgendwo in Ostdeutschland auf dem Land, wo sie sich ihr Arbeitsmaterial direkt aus dem Wald sammelt, sie hat eine bislang überschaubare Ausstellungsbiografie, die sich vornehmlich in Erfurt abspielt, und eines Tages werdet ihr euch alle ärgern, dass ihr damals so doof wart, nicht diese Edition von ihr zu kaufen.

Annekatrin Lemke, „o.T.“, 2017
Holzschnitt, 29,5 x 21 cm
Auflage 15 (individuelle Drucke), 150 €
Zu kaufen online auf zierfischegalerie.de oder in Murats Späti nebenan

(Full Disclosure: Die Galerie Zierfische ist ein Projekt von Holm Friebe, mit dem BLITZKUNST über das Projekt NUN – Die Kunst der Stunde verbunden ist. Dass die Galerie Zierfische hier so gut wegkommt, hat mit dieser Verbindung allerdings nichts zu tun.)

Edit 30.10.2017: Die Künstlerin hat sehr wohl eine Galerie, und zwar die Galerie Hammerschmidt + Gladigau, Erfurt.

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