Warum Tegel bleiben muss

Was, wenn dieser schöne Kaffeebecher alles ist, was von TXL bleibt? TXL-Merchandise von ©www.ilovetxl.de.

Warum auf einem Kunstblog der Aufruf erfolgt, ein Volksbegehren zum Erhalt des Berliner Flughafens Tegel zu unterstützen? Weil jeder vernünftige Mensch, der in dieser Stadt etwas mit Kunst zu tun hat, mit TXL verbunden ist. Klar, nach Basel kommt man auch mit Easyjet von Schönefeld, und die Internationalisierung der Berliner Kunstszene wäre wahrscheinlich auch ohne Tegel erfolgt. Aber jeder Mensch mit sinnlichen und ästhetischen Antennen, und die spricht man ja gerade mit Kunst beschäftigten Menschen zu, muss einfach eine besondere Bindung spüren zu diesem Flughafen, der sich wie kein anderer nach dem „Grower, not a Shower“-Prinzip verhält.

Ja, Tegel ist klein und ältlich und miefig und spießig, peinlich, provinziell, klar, Berlin halt. Aber dann. Wie einfach das geht, jemanden zum Flughafen zu fahren oder von dort abzuholen, wie das flutscht, das Ein- und Auschecken. Wie gut sich das anfühlt, das Ablaufen des Sechsecks, von 120-Grad-Winkel zu 120-Grad-Winkel, das macht man sich gar nicht so bewusst, wie harmonisierend diese Form wirkt, wie sie einen umarmt. Die ganze Architektur. Zurecht noch letztes Jahr ausgezeichnet mit der „Klassik-Nike“, dem Architekturpreis des Bundes deutscher Architekten für ein Bauwerk, „das sich über Jahrzehnte in der Nutzung bewährt hat und noch immer als vorbildhaft gilt“.

Ja, Tegel ist ein Grower und kein Shower. Auch wirtschaftlich gesehen übrigens (womit nur eines der Argumente erwähnt sei, die für den Erhalt dieses Flughafens sprechen, Argumente, die so weitreichend kommuniziert worden sind, dass sie hier nicht zum x-ten mal genannt werden müssen). Obwohl schon angezählt, hat sich dieses pupsige kleine Duracell-Häschen von Flughafen als ein verlässliches Stück Berliner Infrastruktur erwiesen, als sicherer Hafen. Nichts funktioniert in Berlin, alles nur Gelaber in Berlin, aber Tegel läuft und läuft und läuft.

Wer mit seiner Unterschrift hilft, ein Volksbegehren für den Erhalt von Tegel auf den Weg zu bringen, unterstützt damit nicht nur einfach den Erhalt eines praktischen Stücks Infrastruktur. Sondern setzt ein Zeichen für ein Stück Beständigkeit in einer Stadt, die gern dann die größte Scheiße baut, wenn sie die Behauptung zu ernst nimmt, sie sei nur cool, wenn sie sich im ständigen Wandel befände.

Wer das hier liest und den Erhalt von Tegel befürwortet, muss zwar schnell handeln, nämlich bis zum 20. März 2017, dafür aber in sehr überschaubarem Rahmen: Auf der Website von Berlin braucht Tegel auf dem Stadtplan den nächstgelegenen Ort zur Unterschriftenabgabe ermitteln, unterschreiben gehen (die entsprechenden Listen liegen in Cafés, Shops oder bei Friseuren aus), und vielleicht eine Handvoll Freunde dazu animieren, ebenfalls zu unterzeichnen. Stand 15. März 2017 sind es rund 145.000 Stimmen. 170.000 müssen es werden.

Es kostet so wenig, dieser Stadt ein bisschen was zurückzugeben von der Liebe, die sie einem so selten gibt. Eine Unterschrift. Bis zum 20. März. Und ein Sechseck bleibt unser Tor zur Welt.

Weitere Infos unter www.berlin-braucht-tegel.de und www.tegel-bleibt-offen.de

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