Schwerer Blocken, dieser Jerry Saltz

saltz

Jerry Saltz, du alter Kritikerhaudegen, nimmst kein Blatt vor den Mund, lässt dich von nichts und niemandem einschüchtern, hast diesen nie versiegenden Mut zur Provokation, und wenn Facebook dich mal für ein explicit visual sperrt, sagst du, Facebook, du alter Magerquark, du kannst mir nix, und postest ein doppeltpenetrierendes visual, und dann freuen sich alle, auch Facebook, weil du dafür sorgst, dass überhaupt noch was passiert hier – von wegen…

Dass Jerry Saltz unliebsame Kommentatoren auf Facebook sperrt, ist sein gutes Recht und im Umgang mit Trollen immer noch die effizienteste Lösung. Das Ding ist nur: Man muss kein Troll sein, um von Saltz gesperrt zu werden. Es reicht schon, anderer Meinung zu sein als der meinungsgetriebenste Kunstkritiker der Welt. Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich und macht mir schlechte Laune und muss weg, keine Diskussion! Als Beispiel ein Austausch von Betroffenen der Saltzschen Sperrpolitik in diesem Facebook-Thread.

Natürlich verkennt Saltz, dass die Bildung einer eigenen Meinung nicht ohne den Abgleich mit anderen auskommt – ganz zu schweigen davon, dass eine Meinung, die von allen geteilt wird, keine mehr ist, weshalb es in einer auf hundertprozentige Meinungskongruenz gesäuberten Fanschaft auf Dauer schwierig werden dürfte, die eigene Meinungsstärke auszuweisen. Aber was soll’s, da ist halt jemand erkenntnistechnisch ein bisschen limitiert, sind wir doch alle, das allein ist keinen Blogpost wert. Das Problem ist vielmehr wie folgt:
a) Kritiker müssen mit Kritiken umgehen können, nicht nur mit dem Verfassen ihrer eigenen. Kritiker, die sich der eigenen Unantastbarkeit verschreiben, sind im Zweifel in ihren Bewertungen von persönlichen Interessen getrieben, die sie dem Publikum gegenüber nicht transparent machen. Das ist nicht schlimm – allerdings nur, solange das Publikum dafür sensibilisiert ist und Alternativen im Blick hat.
b) Saltz selbst nährt das Image eines dialogaffinen Diskursanstupsers. Dass es nicht der Realität entspricht, ist nicht schlimm – allerdings nur, solange das Publikum dafür sensibilisiert ist und Alternativen im Blick hat.

Wer von Saltz blockiert worden ist, muss sich wahrlich nicht grämen, sondern darf sich im Gegenteil geradezu geadelt oder zumindest sehr gut fühlen, weil es ein Indiz dafür ist, dass man einen gehaltvollen Kommentar abgeliefert hat (oder einen gehaltvollen Kommentar geliked hat, denn ja, auch für Likes unliebsamer Kommentare kann man gesperrt werden). Und es ist auch völlig ok, diesen Ritterschlag zu kommunizieren und sich mit einem leisen Gefühl von Eitelkeitsbefriedigung in der wenn auch zweifelhaften Aufmerksamkeit des Kritikers zu sonnen. Denn was damit unterm Strich kommuniziert wird, ist wichtig: Auch im Sprechen über Kunst braucht es Meinungsvielfalt, und es ist an jedem einzelnen Diskursteilnehmer, diese einzufordern und anzubieten.

Ok Leute, wem juckt es jetzt nicht in den Fingern, den Kritiker mit der größten Facebook-Power zu provozieren und auf ein Zeichen der Anerkennung in Form einer Sperrung zu hoffen? Kommt Leute, holt euch den Jerry-Block!

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