Traumhafte Aufbruchstimmung bei Michael Sailstorfer x COS

Sailstorfer Silver Cloud

Eine silbern glänzende Wolke, wie hübsch. Eine silbern glänzende Wolke, die vom Himmel fällt, wie poetisch. Denn Wolken sind Träume, Sinnbilder für Sehnsucht, für Unerreichbares, sie vom Himmel holen zu können, wie wäre das schön. Aber ach, zu oft zerschmettert so ein Traum, wenn er auf den harten Boden der Realität aufschlägt, also lässt man ihn besser am Himmel stehen, oder? Natürlich nicht, ihr Luschen! Das weiß jeder, der Zeuge des Wolkenexperiments von Michael Sailstorfer geworden ist.

Sailstorfer Silver Cloud 02Unterstützt vom (gar nicht wolkigen, sondern eher durch einen hands-on-approach charakterisierten) Label COS ließ Sailstorfer gestern Abend auf dem Hof vor seinem Atelier eine rund zwei Tonnen schwere Stahlwolkenskulptur von einem Kran bis zu 10 Meter in die Höhe hieven, um sie dann auf den asphaltierten Boden fallen zu lassen. Immer wieder und so lange, bis die Wolke als nahezu unversehrter Sieger feststand und aus der Bodenplatte Staub geworden war.

Michael Sailstorfer, Silver Cloud, 2016, in Kooperation mit COS. Foto: BrauerPhotos © Neugebauer für COS x Michael Sailstorfer.

Michael Sailstorfer, Silver Cloud, 2016, in Kooperation mit COS. Foto: BrauerPhotos © Neugebauer für COS x Michael Sailstorfer.

Der Einschätzung eines Begleiters zufolge, der sich durch Kenntnisse im Bereich Baumaschinen und schweres Gerät aller Art auszeichnet, handelte es sich beim Kran um den spektakulärsten Teil der Aktion, und in der Tat hätte man die Stahlwolke ruhig noch aus ein paar Meter mehr Höhe fallen lassen können, dann wäre einem dieses erdbebenartige Zittern beim Aufprall wirklich durch Mark und Bein gegangen und dann hätten die Schutzbrillen, die COS zur Sicherheit am Eingang ausgegeben hatte, auch wirklich eine Funktion zu erfüllen gehabt in der Abwehr von umherspritzenden Asphaltstücken. So aber verblieb das Bild von der zerstörerischen Wolke eher in der Vorstellung, anstatt die Realität zu durchdringen, aber letztlich war das gar kein Problem, denn die Erkenntnis stellte sich auch so ein: Sailstorfer hat nichts geringeres getan als zu beweisen, dass sie stimmt, diese Mahnung, man solle keine Angst davor haben, seine Träume Realität werden zu lassen, und er hat das auf eine so kitschfreie und so derbe Art getan, dass er dieser Mahnung alles Platitüdenhafte ausgetrieben hat. Träume sind nicht so leicht zu zerstören, Träume sind stärker als die Realität, Träume bedeuten Aufbruch ‒ mit der Sailstorferschen Wolkenaktion vor Augen kann man sich das auch sagen, ohne Träumer zu sein.

 

Ein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s