Mehr Licht! Oder überhaupt mal welches!

Illumination Körnerpark_Traumzeit

Simulation der Lichtinstallation „Traumzeit“ im Körnerpark. ©Design Boris Matas/WerkStadt e.V. via Facebook

Eigentlich eine tolle Sache, die Ausschreibung einer Lichtkunstinstallation für den Neuköllner Körnerpark. Gut, dass an Budget für die Illumination eines ganzen Parks lediglich 3.000 Euro zur Verfügung gestellt wurden, hat sicher den einen oder anderen Künstler von der Bewerbung abgehalten, aber wer sich auf diese Ausschreibung bewarb, gab damit seine Überzeugung zum Ausdruck, auch mit 3.000 Euro zurechtzukommen. Ihr Scheitern an der Aufgabe kann die Gewinnerin des Körnerpark-Lichtprojektes, Karin Albers, also nicht im Nachhinein mit einer zu geringen Budgetierung entschuldigen. Ein Gutes hat die Sache um die groß angekündigte „Illumination“ des Parkes, die in kläglichem Gefunzel endete, aber doch: die Kommentare auf Facebook.

Es fing damit an, dass mit der Ankündigung auf Facebook die Latte ganz schön hoch gehängt wurde: „Goldregen und Blaue Wunder“ wurden dort versprochen, und auch das Rendering (siehe oben) sah so vielversprechend aus, dass sich viele Menschen auf den Weg machten, um der Einweihung des Projektes beizuwohnen. Gespannt zählte man gemeinsam von 10 herunter, um bei 0 den Park unter „Ooohs“ und „Aaahs“ erstrahlen zu sehen – wie es wirklich war, zeigt eindrücklich dieses Video eines Besuchers, und in den Kommentaren auf der Eventseite finden sich jede Menge anschaulicher Fotos (also anschaulich im Sinne von „nichts zu sehen“). Am tollsten die Reaktion des Moderators auf die Nicht-Reaktion des Publikums: „Es dürfen jetzt alle klatschen, denen nach Klatschen zumute ist“.

War wohl nicht so vielen nach Klatschen zumute. Stattdessen erlebten die Besucher tatsächlich ihr blaues Wunder angesichts einiger spärlicher Baustrahler im Geäst, und was den Goldregen betraf: „Regen ja. Gold nein“. Sehr schön fasst die Schere zwischen Erwartung und Realität folgender Kommentar zusammen: „Vielleicht soll das auch nur heißen, dass die Besucher*innen ihr blaues Wunder erleben, wenn sie der großkotzig formulierten facebook-Veranstaltungseinladung nachgehen, um dann im Park etwas vorzufinden, das einen „golden shower“ auf selbst die geringsten Erwartungen rieseln lässt.“ Eine Besucherin empfahl, statt eines Parkbesuches ein paar Knicklichter in den eigenen Vorgarten zu werfen, da habe man mehr von, eine andere, lieber die Baustelle nebenan zu besuchen, die sei besser ausgeleuchtet, und ein Anwohner bot an, man könne gern seine Wohnung besichtigen kommen, die sei tatsächlich ansprechend illuminiert.

Die Organisatoren hatten offenbar keinen Spaß an den Kommentaren, sondern empörten sich über deren Ton, kündigten aber dennoch an, die (z.B. in diesem Thread lebhaft geführte) Facebook-Debatte intern fortführen zu wollen. Der Twist von unterbudgetierten Aufträgen und die Annahme derselben durch prekär situierte Künstler würde auch mal einen interessanten Gegenstand für eine Podiumsdiskussion abgeben.

2 Kommentare

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