Lucien Smith kaputt gefeiert

Bronx Party Lucien Smith

Die Party-Location in der Bronx. Links bei den Säulen ein Obdachloser mit Pappkarton-Behausung. ©www.welcome2thebronx.com

Eine A-Lister-Party mit Obdachlosen-Motto (dunkle Location, brennende Mülltonnen und so) zu veranstalten erfordert schon ein bisschen Mut zur Geschmacklosigkeit. Richtig eklig wird’s aber erst, wenn diese Party in einem Stadtviertel stattfindet, für dessen Bewohner Obdachlosigkeit eine reale Bedrohung bis Realität bedeutet. Es lässt sich aber noch eins draufsetzen: Indem die Party von Immobilienentwicklern gesponsert wird, die in diesem Viertel die Abschaffung von bezahlbarem Wohnraum vorantreiben. Und die kleine Kirsche auf diesem herrlich abgefuckten Kuchen: Gegeben wird die Party zu Ehren eines Übererfolgskünstlers der Stunde, nämlich Lucien Smith. Der kürzlich erst verkündet hatte, in Zukunft alles richtig machen zu wollen. Im Sinne von richtig falsch?

Besagte Party fand letzte Woche in der New Yorker Bronx statt, die natürlich das nächste Brooklyn wird, aber das kann sich von den Upper-East-Side-Bewohnern, die sich demnächst dort Lofts zu Preisen in siebenstelliger Höhe kaufen sollen, noch nicht jeder vorstellen, weshalb die Immobilienentwickler auf die Idee mit der Party kamen, deren ironisiert-ästhetisierter Bronx-Look die Sache etwas einladender machen sollte. Damit es aber nicht zu sehr als Werbeveranstaltung daherkäme und um den artsy Touch des Viertels herauszustellen, engagierten die Immomenschen einen echten bildenden Künstler als Legitimation, natürlich einen, den auch die lunchenden Ladies der Upper East Side aus der Vogue kennen: Lucien Smith.

Vor ein paar Monaten erst hatte der erst 25-jährige Smith dem T Magazine gegenüber verkündet, sich von dem ganzen Rummel zurückgezogen zu haben, der sich aufgrund astronomischer Auktionsrekorde (3.7 Millionen US$ im Jahr 2014) um seine Person gebildet hatte. Er wolle zurück zum echten Kunstmachen, kein kommerzieller Superkünstler ohne künstlerischen Wert sein. Da kommt so eine Party natürlich genau richtig. Auf der waren nämlich jede Menge Leute, die ihm sicher beim Aufbau einer künstlerisch soliden Basis helfen werden, Leute wie Gigi Hadid (Model), Naomi Campbell (Model) und Kendall Jenner (Model). Ok, es waren tatsächlich auch Leute aus der Kunstwelt da, schließlich war Galeristin Jeanne Greenberg Rohatyn (Salon 94) Co-Gastgeberin – die Galeristin, die lustigerweise vor kurzem noch gesagt hatte, sie wisse nicht, ob sie Smith vertreten wolle, schließlich habe er abgesehen von den Auktionsrekorden noch keine kuratorische Einordnung seines Werkes vorzuweisen. Mittlerweile hat sie wohl eingesehen, dass man dumm wie Brot sein muss, einen Künstler fahren zu lassen, der sich wie geschnitten Brot verkauft. Doof nur, dass nach ersten rauschenden Party-Berichten von Vogue bis W Magazine jetzt der Shitstorm losgeht, siehe die Berichte von Daily Mail („tasteless“) bis Artnet (auch „tasteless“), ganz abgesehen von den Vertretern der Bronx-Community, die das Event als Gipfel des Zynismus bezeichneten und jede Menge Zustimmung erhalten. Hoffen wir, dass sich das nicht ungut auf die Preisentwicklung von Lucien Smith auswirkt.

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