Ich hab’s für Yoox getan

Yoox-Bonami-you-make-it

Jetzt macht auch Modeonlinehändler Yoox was mit Kunst. Einen Kunstwettbewerb nämlich, und der klingt auf den ersten Blick erst einmal gar nicht so unvernünftig: Künstler (oder Menschen, die sich für solche halten) sind aufgerufen, eine Arbeit zum Thema „Wasserglas“ zu produzieren, welche die Essenz dieses so universalen Gegenstandes erfasst – klingt banal, ist aber gar nicht so blöd gedacht. Präsentiert wird – auch nicht so blöd – der „You Make It“ betitelte Wettbewerb von einem respektablen Kunstwelt-Schwergewicht, Francesco Bonami. Trotzdem gibt es an der Sache etwas auszusetzen.

Dass Bonami von Yoox als „Kunstkurator“ bezeichnet wird, sei dem Modehändler nachzusehen, schließlich werden in der Modewelt sogar Hosen kuratiert, da kann man schon mal das Bedürfnis haben, einen der bekanntesten Protagonisten der Kunstwelt so unmißverständlich wie möglich zu definieren. Dass einer der größten eCommerce-Player im Modebusiness das Bedürfnis hat, sich im Kunstkontext zu präsentieren, ist da schon merkwürdiger, so merkwürdig wie das Wundertütenangebot, das sich in der (übrigens auch von Bonami kuratierten) Yoox-Rubrik „Art“ findet. Richtig komisch wird es aber erst, wenn man sich fragt, warum Künstler da mitmachen sollen. Denn: „Given the opportunities the competition will create for the winning artist, the prize is to be considered a recognition of his/her personal abilities and merits and shall consist of a contract with YOOX for the reproduction of a limited edition of the work to be sold to the public through http://www.yoox.com.“ Es gibt also kein Preisgeld, aber die Einnahmen aus dem Verkauf gehen (abzüglich der Produktionskosten) an Gewinnerin oder Gewinner. Für unternehmerisch denkende Künstler eine erst einmal durchaus akzeptable Regelung.

Problematisch wird es, wenn man sich den Hashtag zur Aktion anschaut, unter dem teilnehmende Künstler ihre Arbeiten auf Social-Media-Kanälen teilen sollen: #ImadeitforYoox. Genau, ich hab’s für Yoox gemacht. Nämlich Werbung, nicht für mich, sondern für Yoox, ganz umsonst. Zwar ist das Sharen der Werke freiwillig, aber welcher ernstzunehmende Künstler wird denn eine Wettbewerbsarbeit für ein kunstfremdes Unternehmen vorab öffentlich präsentieren? Und was sind denn diese „opportunities the competition will create for the winning artist“, von denen Yoox spricht? Hui, hast du schon gehört, Künstler X verkauft jetzt eine Edition auf Yoox, der hat’s echt geschafft!

Ginge es hier um einen Aufruf an Yoox-Kunden, die gern auch mal was malen, gäbe es keinen Anlaß zu Kritik. Yoox, in Form seines Wettbewerbsvorsitzenden Francesco Bonami, spricht aber ganz explizit Künstler an, ohne die entsprechende Sensibilität für Ansprache und Bedürfnisse der Adressaten zu zeigen. Das Phänomen der globalen Brands, die ein paar Jahre zu spät auf den „Lass‘ uns was mit Kunst machen, dann sind wir cool“-Zug aufspringen, ist einfach nur noch nervig und peinlich – und alles andere als förderlich für die Kunst.

Falls doch jemand mitmachen will: Informationen zu „You Make It“ gibt es auf www.yoox.com/project/youmakeit, der Einsendeschluß ist der 23. Dezember 2015.

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