Kunstraub beim Rundgang

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UPDATE 20.7.2015 15:20h: Der im folgenden Artikel behandelte Diebstahl wurde aufgeklärt, das Werk an die Künstlerin zurückgegeben.

Jedes Jahr im Sommer zeigen die Studierenden der Universität der Künste beim Rundgang, ob sie in der Lage sind, ihr Studienfach mit der gebotenen Eignung zu bewältigen. Für den Betrachter macht es allein schon die Masse der um Aufmerksamkeit buhlenden Werke zur Herausforderung, die Talente zu filtern. Beim diesjährigen UdK-Rundgang allerdings stach ausgerechnet eine Arbeit heraus, die gar nicht da war.

Als Elena Tamburini am Freitag, den 17. Juli den Raum der Meisterschülerausstellung in der UdK betritt, in der einige ihrer Leinwände gehängt sind, fehlt ihr Vater. Genauer, ein Portrait ihres Vaters. Mit 80 x 100 cm immerhin so dimensioniert, dass man es nicht unbemerkt hätte abnehmen und heraustragen können – wenn es denn eine Aufsicht gegeben hätte. Leider ist die aber erst ab Freitag mittag gebucht. Wobei man natürlich davon ausgehen möchte, dass unabhängig davon, ob es eine Kontrolle gibt oder nicht, niemand so gemein ist, aus einer Ausstellung stehlen zu wollen, die den Beteiligten nicht nur eine Chance auf eine größere Öffentlichkeit, sondern auch auf Verkäufe und damit eine ökonomische Grundlage für ihr Schaffen eröffnet.

Tamburini_02Als Tamburini den Diebstahl entdeckt, muss sie schnell handeln, die Ausstellung ist bereits geöffnet. Sie entscheidet sich, die Leerstelle an der Wand nicht durch Umhängen zu kaschieren, sondern auf die Tat aufmerksam zu machen. Sie hängt einen Fahndungsaufruf an die Wand, setzt sich davor und verleiht so dem Dilemma eine performative Dimension. Dass einige Betrachter zunächst glauben, das Ganze sei inszeniert, liegt nicht zuletzt am Titel des gestohlenen Werkes: „I’m sorry“. Es zeigt den Vater der Künstlerin nach einem Motiv aus dem Film Der Pate – Teil II. Auf die Frage, wer sich hier wofür entschuldige, antwortet die Künstlerin nur knapp, „es ist ein sehr persönliches Werk.“ Was den Diebstahl natürlich nur noch bedeutsamer macht.

Ob es der Diebin oder dem Dieb leid tut, das Portrait gestohlen zu haben? Ob der Titel den Ausschlag gab, weil er quasi schon die Entschuldigung für die Tat enthielt? Der Fotokopie des Werks nach zu urteilen, hat hier jemand zumindest ein gutes Auge bewiesen: es hätte herausgestochen, auch wenn es nicht gestohlen worden wäre. Man wüsste gern, ob dieses Auge beim Anblick von „I’m sorry“, wo immer es jetzt hängt, ein schlechtes Gewissen verspürt oder eine durch den Reiz des Verbotenen noch gesteigerte Befriedigung. Vielleicht sind solche Mutmaßungen in Bezug auf den Ausgang des Falles – die Rückgabe des Werkes – irrelevant, aber vielleicht gibt es doch eine kleine Chance: Wer so stark auf Kunst reagiert, dass er seinem Impuls folgt, sie besitzen zu müssen, ist vielleicht trotz seiner kriminellen Energie kein völlig schlechter Mensch.

Hinweise auf den Verbleib des Werkes an info@blitzkunst.com werden an Elena Tamburini weitergeleitet. Die Künstlerin hat einen Finderlohn von 500 Euro ausgesetzt.

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