Kunst + Mode = Königskinder

Paridust_Ryan McNamara in Gently Used

Ryan McNamara modelt in seiner eigenen Ausstellung für ©instagram.com/paridust

Viele Menschen, die ernsthaft mit Kunst oder Mode zu tun haben, wünschten sich, es wäre anders. Aber es ist so: Kunst und Mode passen wahnsinnig gut zusammen, allerdings nur, wenn sie nicht zusammenkommen. Wer sich auskennt, weiß das. Wer sich nicht auskennt, ist entweder Luxusmodemarke oder „Lifestyle“-Medium.

Pari Ehsan in Tome vor Noriyuki Haraguchi bei Fergus McCaffrey. ©instagram.com/paridust

Pari Ehsan in Tome vor Noriyuki Haraguchi bei Fergus McCaffrey. ©instagram.com/paridust

Die New Yorkerin Pari Ehsan hatte weder mit Kunst noch mit Mode ernsthaft zu tun, als sie dieses Prinzip erkannte und auf Instagram (@paridust) und ihrem Blog paridust intuitiv zur Perfektion brachte: Mode, fotografiert neben Kunst.

Formalästhetische Entsprechungen zwischen Kleid und Werk finden, räumlich miteinander in Beziehung setzen, rundes Styling und gutes Licht dazu, Foto machen, fertig. Kunst und Mode lassen sich zusammen anschauen, aber jede Disziplin bleibt für und bei sich, wie in einer Beziehung, in der jeder Partner ein definiertes Ich bleibt, anstatt sich in einem konturlosen Wir zu verlieren.

Aber jetzt geht Ehsan einen Schritt weiter. Und damit vielleicht zu weit.

Gestern nämlich gab es eine Premiere bei paridust: den ersten Künstler als Model in seiner eigenen Installation, und zwar Ryan McNamara in seiner Ausstellung „Gently Used“ bei Mary Boone. Ha, werden jetzt die Zyniker sagen. Recht so, Kunst verkommt zur Kulissendekoration, der Künstler zur Projektionsfläche, logische Konsequenz einer kranken Entwicklung. Aber um Zynikerbefriedigung geht es hier nicht. Sondern darum, dass mittels des modelnden Künstlers das Nähe-durch-Distanz-Prinzip aufgehoben wurde. Das Ergebnis: ein konturloses Wir. Zudem wurde auch noch heftig geschummelt bei den Bildern und damit die Intention der Ausstellung ausgehebelt. Dem Pressetext zufolge soll es nämlich gerade den Instagram-konditionierten Kunstkonsumenten schwergemacht werden, die Arbeiten fotografisch festzuhalten, unter anderem durch sich ständig veränderndes Licht. Für Ehsan wurde aber eine Ausnahme gemacht und das Licht manipuliert – damit das Ergebnis auf Instagram auch gut aussieht…

Solange sich die Königskinder über den tiefen See hinweg aus der Ferne liebten, war das Drama perfekt. Als der eine den See durchschwimmen wollte und dabei ertrank, war die Geschichte zuende. Die Moral? Genau.

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