Hätte Andy das gewollt?

Converse_Chuck_Taylor_All_Star_Andy_Warhol_-_Campbells_Red_largeWarum sollte er es nicht gewollt haben? Andy Warhol liebte Schuhe. Mit seinen Illustrationen von Schuhen fing alles an. Nicht die Campbell-Suppendosen, sondern Schuhe machten ihn berühmt. Aber die Campbell-Suppendosen wurden berühmter als die Schuhillustrationen. Und deshalb sind auf einer aktuellen Sonderedition von Converse die Suppendosen zu sehen, nicht die Schuhe. Wobei letzteres natürlich viel lustiger wäre. Und Warhol-mäßiger.

Andy Warhol hätte wahrscheinlich nichts gegen eine Kooperation mit Converse gehabt. Die Andy Warhol Stiftung war jedenfalls dafür. Warhol hätte eine Kooperation wahrscheinlich sogar gutgeheißen, sonst hätte er die ikonischen Chucks nicht schon zu Lebzeiten zum Gegenstand seiner Arbeit gemacht. In einer Pressemitteilung von Converse selbst heißt es jedenfalls, Warhol habe sogar seine eigenen Chucks bemalt (leider hat BLITZKUNST gerade zu wenig Zeit, Abbildungen davon zu recherchieren, falls jemand welche hat, bitte her damit). Aber nachdem Warhol selbst ja nicht mehr entscheiden konnte, in welcher Form sich so eine Kooperation manifestieren würde, erfüllt das vorliegende Ergebnis eher das Gegenteil der von Converse formulierten Intention, die da lautet: „Mit der Kollektion möchten wir künstlerische Ausdrucksformen feiern und aufleben lassen, die nicht nur für Andy Warhol sondern auch Converse wesentlich sind.“ Mit Aufleben lassen hat das quälende Durchexerzieren der bekanntesten und damit am meisten abgenutzen Warhol-Motive (Suppendosen, Suppendosen und Suppendosen) allerdings nichts zu tun – eher mit zu Grabe tragen.

Es kommt ja öfter vor, dass sich zwei Marken zu einer Kooperation zusammenfinden, von der man als Kunde nicht weiß, ob das schlecht für die eine oder nicht gut für die andere Marke ist. Der vorliegende Fall ist umso trauriger, als für sich selbst genommen sowohl Warhol als auch Converse ikonische Marken sind. Kultmarken, deren Produkte ins kollektive Gedächtnis eingegangen und die so stark sind, dass die Verbindung mit einer anderen Marke wie eine Schwäche erscheint.

Die Spring 2015 Converse All Star Andy Warhol Collection ist ab sofort (ab 7. Februar 2015) in ausgewählten Geschäften, Converse Stores und online auf www.converse.de erhältlich.

2 Kommentare

  1. Wie nutzt sich eine Marke am wirkungsvollsten ab? Indem sie sich mit einer anderen zusammentut und ein Bastardprodukt auf den Markt wirft, das nie als das das gewünschte, total hippe Hybrid, sondern immer nur als der fade, weil durchschaubare Marketing-Gag wirkt, der es ja meist auch ist. Drum prüfe, wer sich bindet, ob ihm dies das Risiko des Verlustes seines distinguierten Kern wirklich wert ist. Ich hatte einst meinen Spaß daran, falsche Logos auf meine bereits sichtbar gebrandeten Klamotten zu nähen, aber den Griff zu Nadel und Faden kann ich mir ja jetzt sparen: Abgeschmackte Mashup-Schuhe gibt’s jetzt auch fabrikneu zu kaufen!

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