Die Opfergabe des Immobilienentwicklers Taekker

©www.plu41.org

Es ist ein paar Jahre her, da wurde der dänische Botschafter in Berlin mit der Aussage zitiert, in der deutschen Hauptstadt lebten und arbeiteten mehr dänische Künstler als in Dänemark. Vielleicht waren es dänische Künstler, die Joern Taekker den Weg nach Berlin wiesen. Und vielleicht möchte der umstrittene Immobilienentwickler ihnen dafür etwas zurückgeben. Vielleicht ist seine Unterstützung einer neuen „Kunsthalle“ ein Akt der Dankbarkeit.

„New Kunsthalle in Berlin“, so lautet die Überschrift einer Pressemitteilung. Klar, da ist man sofort neugierig. Schließlich hat es in Berlin noch keine Kunsthalle geschafft; umso toller, dass es mal wieder jemand zu versuchen scheint. Für einen Ausstellungsraum den Begriff „Kunsthalle“ zu verwenden, das zeugt von Mut – oder von Ignoranz. Die Email jedenfalls wird sofort gelesen. „kunsthalle/PLU41“ heißt das Projekt, international, non-profit, dänische Kuratoren, dänische Künstler, einer davon gilt als Pionier der dänischen Netzkunstszene, gleich was gelernt, klingt alles gut. Aber dann, der nächste Satz: finanziert durch eine großzügige Startup-Spende der Taekker Group, steht da. Und das klingt eher gruselig.

Wer schon mal Mieter in einem Taekker-Objekt war, für den hat der Name einen unguten Klang. Beziehungsweise, vielleicht muss man dazu nicht mal Taekker-Mieter gewesen sein. Vielleicht reichen auch die vielen Geschichten über Mieter, die auf der Strecke bleiben, die ihre Wohnung verlieren, weil die nach Sanierung in Eigentum umgewandelt wird, in einem Kiez, der nach und nach sein Gesicht verliert, weil einem Immobilieninvestor Kohle wichtiger ist als Kohleöfen. Die Klagen der Gentrifizierungsopfer sind sattsam bekannt, man hört sie öfter jedenfalls als Freudbekundungen über die Entwicklung Berlins zu einer Metropole, die zwar teuer ist, aber in der man dafür auch toll shoppen, essen gehen und saubere und von schönen Fassaden gesäumte Straßen entlang flanieren kann, selbst wenn man nicht mehr im Zentrum, sondern am Stadtrand wohnt. Nichts gegen den Lauf der Dinge, nichts gegen Immobilienentwickler – aber Immobilienentwickler, die zum Sponsor einer Szene werden, deren Verdrängung sie selber vorantreiben?

In einem Haus in der Brunnenstraße hatten einst viele Künstler und sonstige Kreative ihre Studios und Büros. Es war ein schönes, aber ziemlich kaputtes Haus. Und als es von Taekker übernommen wurde, war lange nicht klar, wann oder ob überhaupt die kaputten Fenster repariert werden würden. Dann fand der dänische Vermieter Interessenten für sein Objekt, die das tolle kreative Umfeld total toll und kreativ fanden. Und die tollen kreativen Mieter erkannten, dass sie die anstehende Sanierung des Hauses mit ihrem Auszug würden bezahlen müssen. Das war doof, aber tolle Kreative finden immer einen neuen Ort, den sie sich zu eigen und für Dritte urbar machen, Kreativität muss wandern, und Lichtenberg hat sehr schöne Ecken.

Die tolle kreative Szene Berlins ist immer noch ein kaufentscheidender Faktor für viele Immobilieninteressenten, ein USP, den es für einen Verkäufer zu halten gilt. Sehr schlau also eigentlich von Taekker, diese Szene zu fördern, auf dass sie nicht dahin verschwinde, wo es keine Immobilien zu verkaufen gibt. Aber gleichzeitig auch ein bisschen zynisch. Zumal das „PLU41“ im Namen des Kunstortes für „Paul-Lincke-Ufer 41“ steht, und das ist ja mal mitten in Kreuzberg, dort, wo Taekker die meisten Feinde hat.

Die Eröffnungsausstellung der kunsthalle wird ausschließlich von dänischen Protagonisten bespielt. Es bleibt abzuwarten, ob sich das Projekt den Wunsch, zugleich ein sozialer Ort zu sein und sich dem Austausch mit der Kunstszene zu widmen, erfüllen kann. Vielleicht könnte Taekker an die kunsthalle noch ein Residency-Programm anschließen? Wenn jeder ausstellende Künstler einen günstigen Jahresvertrag für ein Atelier in Kreuzberg bekäme, könnte sich die kunsthalle/PLU41 vor sozialem Austausch sicher kaum retten.

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