Totgeliebter Hase

Gelitin Pink RabbitEin echtes Kuscheltier trägt Spuren der Liebe, die ihm zuteil werden. Hat abgekaute Ohren, räudiges Fell, leere Augenhöhlen, und irgendwann quellen seine Innereien aus der abgewetzten Haut. Zu Tode geliebt.

So ergeht es auch dem Rabbit, einem riesigen rosafarbenen Hasen auf einem Berg im Piemont. Vor neun Jahren wurde er dort von der Künstlergruppe Gelitin abgelegt, wurde besucht, bestaunt, beklettert, geliebt.

OLYMPUS DIGITAL CAMERABereits mit seiner Geburt war der Hase dem Tod geweiht. Es war klar, dass die ungeschützt dem Bergwetter ausgesetzte Konstruktion aus Stroh und Wolle nicht dauerhaft Bestand haben würde. Zu sehen, was heute noch vom imposantesten Kuscheltier der Welt übrig ist, macht wehmütig. Aber es ist auch befreiend, und es erzeugt Achtung. Dass ein Kunstwerk dazu bestimmt ist, vor sich hin zu rotten, zu zerfallen, sich aufzulösen, bis es irgendwann nicht mehr sein wird, macht seine Existenz nur umso gewichtiger.

Es entsteht viel zu viel Kunst, die bleiben will, aber nicht bleiben wird. Das tut der Kunst nicht gut. So wie es auch dem Menschen nicht gut täte, wenn er wüsste, dass sein Leben nicht endlich ist. Dann müsste er sich nicht bemühen, etwas aus seinem Leben zu machen. Es sollte viel mehr Kunst geben, die sich ihrer eigenen Endlichkeit bewusst ist.

Über den Fortgang der Zersetzung des Rabbit von Gelitin (siehe Foto oben) unterrichtet die Facebook-Gruppe Gelitin Fans Club.

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