Wie ein PR-Preis auf einmal politisch wird

Wenn sich Montblanc entscheidet, einen Preis zu verleihen, dann kann Montblanc selbstverständlich den Rahmen der Preisverleihung nach eigenem Gusto gestalten. Der eigene Gusto hätte aber bedeuten können, die Preisverleihung so zu gestalten, dass sie zum Preisträger passt. Wäre das bei der Verleihung des „Montblanc de la Culture Arts Patronage Award 2014“ an das Sammlerehepaar Ulla und Heiner Pietzsch der Fall gewesen, hätte die Sache ohne Frauke Ludowig stattgefunden.

Hat sie aber nicht. Sie hat mit Frauke Ludowig stattgefunden, mit Fotowand, mit Stößchen und Häppchen, und noch mit ein paar anderen Elementen, die sich das Ehepaar Pietzsch wahrscheinlich so nicht ausgesucht oder zumindest nicht gebraucht hätte (oben zwei Abbildungen zum Vergleich, einmal mit, einmal ohne Ludowig. Entscheiden Sie selbst: Wie groß ist der Unterschied?).

Warum zum Beispiel mussten in den ersten Reihen des Ballsaals im Hotel de Rome irgendwelche F-Lister und RTL-Gesichter sitzen, die es noch nicht mal in die zweite Runde von „Let’s Dance“ geschafft haben? Natürlich müssen die da sitzen, damit die Presse das Event für wichtig genug hält, um darüber zu berichten, und damit sie Fotofutter bekommt, weil die Preisträger und die Mitarbeiter von Montblanc allein nicht so sexy aussehen, schon klar. Aber warum vertraut die Marke nicht auf das soziale Umfeld der Preisträger, das nicht nur die besseren Gäste, sondern auch und vor allem die besseren Kommunikatoren als die People-Presse zu bieten hat?

Warum muss man während der Verleihung neben Menschen sitzen, die schlimme Uhren und schlimme Schuhe tragen und auch sonst keine Ahnung von Kunst haben? Und warum wird da mit Frauke Ludowig eine Moderatorin engagiert, die in Sachen Hochkultur so bewandert ist, dass sie von der vierhändigen Klaviereinlage junger Pianisten als „schöne Darbietung am Piano“ spricht? Warum kann die Moderation nicht Peter Raue übernehmen, der als einziger Redner bewies, einen Bezug zu den Geehrten zu haben und außerdem außerordentlich gut reden zu können?

Die Sammler Pietzsch gehören seit Jahrzehnten zu den standfestesten Pfeilern der Berliner Kunstszene, ohne Teil von ihr sein zu müssen. Sie haben nicht für soziales Prestige gesammelt, sondern für sich selbst. Aber jetzt stehen sie vor der Frage, was in Zukunft mit ihrer Sammlung mit Surrealistenschwerpunkt passiert. Sie wollen sie Berlin schenken, aber nur wenn Berlin sie dann auch zeigt und nicht im Magazin verschwinden lässt, aber Berlin hat leider nicht genug Platz für so eine Sammlung, kennt man ja, das Berliner Platzmangelproblem.

Ob die Preisjury wusste, dass der Preis nicht wie üblich nur Futter für die eigene Markenkommunikation abgeben würde, sondern dass die Preisträger ihn nutzen würden, um Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache zu betreiben? Das taten sie nämlich, und mit einem mal bekam ein harmloser PR-Preis eine politische Dimension. Jetzt muss die anwesende Presse sich nur noch entscheiden, nicht über Frauke Ludowig oder die Lokalpromis zu berichten, sondern über die Forderung der Sammler Pietzsch nach einer konkreten Auseinandersetzung mit dem zukünftigen Verbleib ihrer Sammlung, und dann wird vielleicht alles gut. Dann wird Montblanc erkennen, dass es zur Kommunikation seines Kulturengagement keine RTL-Gesichter und Fotowand-Chichi braucht, sondern nur die richtigen Preisträger.

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