Wie teuer verkauft sich Cindy Sherman?

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Es gibt ja Kunstpreise, und es gibt „Kunstpreise“. Letztere werden meist von kommerziellen Marken ausgelobt und richten sich an „Künstler“, nicht an Künstler. Ausnahmen bestätigen nicht nur die Regel, sondern zwingen dazu, sich mit jedem neuen Kunstpreis aus der Corporate-Ecke auseinanderzusetzen, denn er könnte ja gut sein. Ein ganz wichtiger Faktor für das Gutsein eines solchen Kunstpreises ist die Jury. Wenn es sich um eine „Jury“ handelt, kann man auch den bestdotierten Kunstpreis vergessen, aber wenn die Juroren Tracey Emin, Shezad Dawood, Cindy Sherman und Baz Luhrmann heißen? Dann muss es sich entweder um einen extrem guten Kunstpreis handeln oder um eine der krassesten und kaputtesten Perversionen, seit es Kunstpreise gibt.

Es gibt ihn wirklich, den „Kunstpreis“ mit der echten Jury, und so großartig die Juroren sind, so erschreckend ist die Natur des Preises: „The Motion Photography Prize“ ist eine Kooperation von Google+ mit Saatchi, die nur eines im Sinn hat, nämlich ein total bescheuertes GIF-Erstellungs-Tool auf Google+ und damit Google+ selbst zu promoten. Eine Verzweiflungstat, denn auch das total bescheuerte GIF-Erstellungs-Tool wird nicht dazu beitragen, Google+ endlich zu Relevanz zu verhelfen, weil es an jeder Straßenecke im Internet bessere Möglichkeiten der Bildbearbeitung und -verbreitung gibt.

Auch der Versuch, mit dem ebenso bescheuerten Begriff „motion photography“ eine neue Kunstform zu etablieren, darf angesichts der öffentlich einsehbaren Einsendungen als gescheitert betrachtet werden. Besonders absurd in ihrer Redundanz (und deshalb vielleicht als ironischer Kommentar gemeint?) ist da zum Beispiel die oben gezeigte Einreichung von James Whatley in der Kategorie „Urban“: eine fahrende U-Bahn. Aber nicht gefilmt! Sondern fotografiert! Durch die Aneinanderreihung von fünf Fotos zum Fahren gebracht! Total irre. „Photographers from all backgrounds are embracing new technology to tell their stories in innovative ways“, haben die Preisauslober erkannt. Extrem innovativ, diese „motion photography“, in der Tat.

Lange Rede, kurzer Sinn: dieser „Kunstpreis“ ist so völlig daneben, dass er nicht mal als „„„Kunstpreis“““ durchgeht, und nein, auch nicht als Fotografiepreis. Aber jetzt kommt das eigentlich Krasse: die Jury. Bestehend aus den oben genannten Künstlern. Emin, Dawood und Sherman, das ist 1A-Ware aus dem obersten Künstlerregal. Wie kommt es, dass sich solche Namen für so eine Peinlichkeit hergeben? Natürlich kann Google jede Summe zahlen, um an solche Namen zu kommen, aber dass sich diese Namen so offensichtlich und ausschließlich aus monetären Beweggründen verpflichten lassen, ist das eigentlich Erschütternde. Es kann einfach kein einziges anderes Argument geben, sich für einen solchen Schrott herzugeben, oder? Toll, jetzt hat dieser schlimme Preis auch noch dafür gesorgt, dass BLITZKUNST nicht mehr so viel Respekt vor Cindy Sherman hat. Das ist da eigentlich Allerschlimmste an diesem Preis, der Respektverlust vor Cindy Sherman. Was für ein trauriger Preis. Der irgendwann demnnächst verliehen werden wird, keine Ahnung, wann genau.

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