Sydney Biennale: Proteste gegen Sponsor Transfield weiten sich aus

Libia Castro und Ólafur Ólafsson, "Dein Land existiert nicht", 2013. ©libia-olafur.com

Libia Castro und Ólafur Ólafsson, „Dein Land existiert nicht“, 2013. ©libia-olafur.com

Der Protest gegen den Hauptsponsor der Sydney Biennale, Flüchtlingslager-Betreiber Transfield, weitet sich aus. Nun haben fünf Künstler ihre Teilnahme zurückgezogen.

Seit Wochen regt sich Protest gegen den Sponsor der Sydney Biennale, Transfield Services, seit bekannt wurde, dass die Baufirma auch als Betreiber und Verwalter von Flüchtlingslagern tätig ist. Das Geschäft mit den Flüchtlingen ist ein milliardenschweres in Australien. In sogenannten Detention Centers auf Inseln vor der australischen Küste werden Asylsuchende eher gefangen gehalten als willkommen geheißen. Die buchstäbliche Auslagerung erleichtert dem australischen Staat die Bearbeitung von Fällen, die, einmal auf australischem Boden gelandet, nicht so leicht abzuschieben wären, erfordert aber eine komplexe Infrastruktur. Sie aufrecht zu erhalten, ist ein lukratives Geschäft für Dienstleister.

Eine Liste der größten Nutznießer der „Flüchtlingsbranche“, veröffentlicht 2013 in The Sydney Morning Herald, enthielt noch keinen Eintrag über Transfield. Kürzlich allerdings erhielt die Firma den Zuschlag als Betreiber von Auffanglagern auf den pazifischen Inseln Manus und Nauru, ein Milliardenauftrag. Ob Transfield für dessen Ausführung qualifiziert ist, wird bezweifelt. Flüchtlingsorganisationen bemängeln regelmäßig die unqualifizierte Betreuung der Lager. Am 17. Februar kam es zu heftigen Ausschreitungen zwischen Flüchtlingen und Lagerpersonal auf Manus, schwere Verletzungen und ein Todesfall waren die Folge.

Boykottaufrufe gegen die Sydney Biennale

Mittlerweile gibt es mehrere Boykottaufrufe gegen die Sydney Biennale, sollte sie sich nicht von ihrem Sponsor trennen (eine Auflistung der Boykottaktivitäten und eine Presseschau finden sich bei Excerpt Magazine). Und jetzt haben auch noch fünf Künstler ihre Teilnahme zurückgezogen: Libia Castro, Ólafur Ólafsson, Charlie Sofo, Gabrielle de Vietri und Ahmet Öğüt.

Für die Sydney Biennale dürfte der Trubel um Transfield nicht ganz so überraschend kommen: sie wurde 1973 von einem Transfield-Vorstand gegründet und ist dem Unternehmen seit Anbeginn verbunden. Das Biennale-Marketing hatte also genügend Zeit, sich mit den Geschäftsfeldern und Praktiken von Transfield auseinanderzusetzen und auf etwaige Kritik vorzubereiten. Andererseits bedeutet diese lange Verbundenheit eine Abhängigkeit, die sich nicht so leicht lösen lässt. Die Sydney Biennale gilt heute als Australiens größtes Kunstevent und eine der wichtigeren Biennalen der Welt – nicht zuletzt dank Transfield.

Nun ist es ja nicht unüblich, die Hand abzuschütteln, die einen aufgezogen hat, und auch nicht unbedingt verwerflich. Wenn zum Beispiel Künstler nach jahrelanger Aufbauarbeit durch eine junge Galerie zu einem potenteren Player wechseln, dann handeln sie nicht unmoralisch, sondern sie treiben ihre Karriere voran. Sponsoren aber verlässt man nicht so einfach. Potentielle Geldgeber schauen ganz genau hin, wie ein Projekt mit Sponsoren umgeht, bevor sie selber zu einem werden. Wenn die Sydney Biennale ihrem Sponsor absagt, wird ihr Image unter potentiellen Geldgebern zweifach beschädigt sein: durch den fragwürdigen Sponsor selbst und durch ihre Trennung von ihm.

Sponsor, Biennale, Künstler, alle verlieren

Bislang hält die Biennale zu ihrem Sponsor, hat aber den boykottierenden Künstlern angeboten, ihren Protest im Rahmen der Biennale zu formulieren. Das reicht ihnen und vielen anderen aber nicht, die Forderung nach einer Trennung vom Sponsor bleibt bestehen. Aber was wäre die Konsequenz? Die Biennale müsste sich entscheiden: für ein finanziell gesichertes und von Protesten begleitetes Event, oder für Applaus für moralische Integrität und ein Event, das wegen mangelnder Finanzierung erfolglos bis irrelevant ausfällt – oder im Zweifel gar nicht erst stattfindet.

Auch die protestierenden Künstler befinden sich in einem Zwiespalt. In ihrem „Statement of Withdrawal“ vom 26. Februar heißt es: We see our participation in the Biennale as an active link in a chain of associations that leads to the abuse of human rights.“ Sie wollen ihren Boykott nicht nur als Protest gegen Transfield verstanden wissen, sondern auch gegen die Flüchtlingspolitik Australiens. Auch diese Künstler mussten sich entscheiden: für den Boykott als stärkste Form des Protestes verbunden mit der Gefahr, danach kein weiteres Gehör für ihr Anliegen zu finden, oder für die Thematisierung ihres Anliegens auf einer Plattform, die vom Beförderer jenes Übels bereitgestellt wird, gegen das sie sich wenden.

Egal wie der Fall ausgeht für den Sponsor, die Biennale und die Künstler, eins ist sicher: alle haben verloren.

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