Geht durch die Decke: Horzons Wanddekorationsobjekte

Rafael Horzon vor Wanddekoration

Rafael Horzon mit einem dankbaren Absolventen der Erfolgsbildungseinrichtung Wissenschaftsakademie Berlin? Nein, pure Dekoration.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich Rafael Horzon den Wänden zuwenden würde. Es hatte Zeichen gegeben. Wer sie zu lesen wusste, war nicht überrascht angesichts der Eröffnung von „Horzons Wanddekorationsobjekte“, in den ehemaligen Verkaufsräumen von „Horzons Spülen Sparadies“ auf der Torstraße. Wie alles, was Horzon anfasst, gilt auch das Spülen Sparadies als Erfolgsbeispiel für Horzons Erfolgsrezept (knallharter Fokus aufs Wesentliche in Kombination mit knallhart kalkulierten Preisen). Dass die Spülen mit den Wanddekorationsobjekten nun einer neuen Erfolgsgeschichte weichen müssen, ist insofern zu verschmerzen, als die Wanddekorationsobjekte die ästhetische Güte der Spülen um einiges zu überragen wissen – was natürlich nicht überrascht, denn wie könnte es überraschen, dass alles, was Horzon tut, immer besser ist als alles, was er bisher getan hat. Und (unnötig zu erwähnen, aber wir tun es trotzdem) immer besser ist als alles, was andere bisher getan haben.

Und damit zurück zu den eingangs erwähnten Zeichen: Da wäre zum einen die Deckendekoration in den Räumen von Horzons Wanddekorationsobjekte, die bereits das Spülen Sparadies mit gelassener Akkuratesse überschirmte und auch alles andere, was hier über die Jahre an Ausformungen des Horzonschen Erfolgsimperiums produziert wurde. Die wenigsten Besucher erhoben je den Blick nach oben, aber ein so empfindsamer Geist wie der Horzonsche konnte natürlich nicht unberührt bleiben von der zu universaler Schönheit verdichteten Komplexität dieser nur scheinbar geometrischen Strukturen. Früher oder später musste sich ihr Einfluss von der Decke über die Wände ergießen, und wenn es nicht irgendwann auch noch Horzons Bodendekorationsobjekte geben wird, dann deshalb, weil sich dieser zwingend logischen Weiterführung des Deckeneinflusses zu beugen nicht dem unberechenbaren Stil von Horzon entspricht.

Anselm Reyle hat seinen Meister gefunden

Noch ein weiteres Zeichen kündete von der Ankunft der Wanddekorationsobjekte. Die Gleichmütigkeit, mit der Anselm Reyle seinen Abschied vom Kunstmachen kommunizierte, irritierte viele. Die wenigsten wussten den wahren Grund: Nicht, weil er mit der DekorationKunst genug Geld verdient hatte, konnte Reyle beruhigt die Hände in den Schoß legen. Sondern weil er jemanden gefunden hatte, der sein Erbe fortzuführen in der Lage war.

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Verweis auf die Materialhaftigkeit künstlerischer Produktionsprozesse? Nein, pure Dekoration.

Hätte Reyle gewusst, dass er in Horzon nicht nur seinen Nachfolger, sondern seinen Meister finden würde, wer weiß, ob er so gelassen entschieden hätte, aber darüber nachzudenken ist müßig, denn längst ist der Name Horzon nicht mehr wegzudenken aus der Wanddekorationsobjektszene, ja, er ist ihr neuer Messias, und dafür war kaum Verkündung nötig: Diskret und bescheiden, wie es seiner Art entspricht, hatte Horzon lediglich über Facebook eine intime offene Einladung ausgesprochen, und alle Multiplikatoren im Ästhetikbereich kamen, um zwischen dekorativ dekorierten Wänden zu wandeln und sich am Gin aus der edlen Destillerie Stauffenberg zu laben, wenn zum größten Teil auch nur in Form des Anblicks von heiteren Gesichtern einiger weniger Auserwählter, welche in den verzehrenden Genuss desselben gelangt waren.

Voller Erfolg: nichts verkauft

Es dauerte nicht lange, bis Horzon die ersten Angebote auf seine Wanddekorationsobjekte erhielt. Gewiefter Verkäufer, der er ist, verstand er es, auf subtile Weise seinen Marktwert zu testen und innerhalb von wenigen Stunden um bis zu 10.000 Prozent zu erhöhen. Von „500 Euro für Freunde“ bis zu „300.000 Euro, aber nur für die ohne Rot, die mit Rot kosten mehr“ reichte die Spanne. Dazu wurden interessante Package Deals offeriert. Diese inkludierten Leistungen, von denen zum Zeitpunkt des Angebots weder Käufer noch Verkäufer wussten, ob sie als wertsteigernd oder -mindernd zu werten seien. Egal, auch aus ökonomischer Sicht geriet der Abend zu einem vollen Erfolg: kein einziges Wanddekorationsobjekt verkauft.

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Pure Dekoration? Nein, in kristalliner Schönheit erstrahlende Inspirationsquelle für pure Dekoration (Deckenverkleidung).

Und was sind das für Wanddekorationsobjekte! Was sind das für schillernde, zwischen Dekoration und Mehr oszillierende Chimären, Sirenen gleich, neckend, lockend, mal in leuchtender Sanftheit schwelgend, mal in grafischer Präzision verharrend, mal mit, mal ohne Rot!

Und was ist das für ein Wanddekorationsobjektproduzent! Was ist dieser Mann doch mutig, dieser Rafael Horzon, der immer und immer wieder klarstellen muss, kein Künstler zu sein, der sich gegen das Kunstmachen und alles, was Kunst ist, aufs Schärfste verwahrt – nur um sich dann so nah an die Anmutung von Kunst heran zu wagen, wie es manchem Großkünstler nicht gelingt! Es gibt Künstler, die würden töten dafür, Kunst machen zu können, die so gut ist wie Horzons Wanddekorationsobjekte. Er könnte diese Objekte Kunst nennen. Er nennt sie Dekoration. Bescheidenheit ist eine Kunst.

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