Der nächste Kulturstaatsekretär

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André Schmitz bei der Vergabe eines Förderpreises an Nina Pohl und Nora-Nele Heinevetter vom Schinkel Pavillon 2013. ©kunst-magazin.de

In seinem Rücktrittsgesuch an Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit schreibt der nunmehr tatsächlich zurückgetretene und damit ehemalige Kulturstaatssekretär André Schmitz: „In Wahrnehmung meiner politischen Verantwortung habe ich den Regierenden Bürgermeister heute gebeten, mich von meinen Aufgaben als Staatssekretär für Kulturelle Angelegenheiten zu entbinden. Ich tue diesen für mich persönlich schmerzhaften Schritt, um Schaden für das Amt und für die Berliner Kulturpolitik zu vermeiden.“ Häh? Um Schaden zu vermeiden?! Hätte er Schaden vermeiden wollen, dann hätte er den Job gar nicht erst antreten dürfen.

Obwohl – hat Schmitz tatsächlich Schaden angerichtet oder einfach nur nichts ausgerichtet? Der Kulturszene jedenfalls scheint er nicht so wichtig gewesen zu sein, der Berichterstattung nach zu urteilen. Während die klassischen Nachrichtenmedien und die Berliner Lokalpresse gestern zum Teil ausführlich berichteten, findet sich im kulturmedialen Umfeld kaum etwas über den Rücktritt aus einem Amt, das eigentlich zu wichtig ist für die Kulturszene, als dass deren Medienorgane den Fall so umfassend ignorieren dürften (zu diesem Zeitpunkt hat lediglich art in berlin kurz berichtet).

Dass es von einem in den Sphären der Hochkultur eher grobmotorisch agierenden Protagonisten besetzt war, darf nicht über die Bedeutung dieses Amtes hinwegtäuschen. Die Abteilung Kulturelle Angelegenheiten der Senatskanzlei Berlin könnte eigentlich ein hochattraktives Wirkungsfeld sein für Menschen, die wissen, dass die Annahme, mit Kultur könne man kein Geld machen und sie koste nur, hoffnungslos veraltet ist. Leider nur hat der oberste Chef der Organisation selbst dafür gesorgt, dass schlaue Menschen den Gedanken an eine Beschäftigung in der Berliner Kulturpolitik eher nicht so attraktiv finden. Wowereit hatte das Rücktrittgesuch seines Freundes Schmitz je erst angenommen, nachdem sich gewichtigere politische Instanzen eingemischt hatten, und das aus gutem Grund. Jahrelang hat er in Sachen Kulturpolitik nur Quatsch verzapft, was aber – so glaubt er zumindest anscheinend – nicht so besonders auffiel, solange er noch mindestens genauso inkompetente Kulturpolitiker neben sich hatte.

Der Rücktritt von André Schmitz ist eine große Chance für die Berliner Kulturpolitik. Was die Neubesetzung seiner Stelle betrifft: Selbstverständlich stellt sich BLITZKUNST uneigennützig zur Verfügung, kann allerdings nicht mit der wahrscheinlich notwendigen politischen Vergangenheit aufwarten. Wobei, Kandidaten, die sich für den Job aufdrängen, gibt es in der politischen Landschaft aktuell so gar keine. Vielleicht ein guter Zeitpunkt, einmal bei der nächsten Bezirksversammlung der SPD Berlin-Mitte vorbeizuschauen.

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