Mehr Kunst auf Facebook

Stage Proof 18 1972 by Richard Hamilton 1922-2011

Wäre eine Abbildung aus Richard Hamiltons Serie „Stage Proof“ (1972) jemals auf Facebook erschienen, wenn nicht jemand per Statusmeldung das Ziel formuliert hätte, „Facebook soll mit etwas mehr Kunst erfüllt werden“?

Es ist nur eines von vielen fragwürdigen Verdiensten von Facebook, den Fortbestand des Kettenbriefs gesichert zu haben. Nicht falsch verstehen, BLITZKUNST mag Facebook und ist Social Media grundsätzlich eher zugewandt, aber Statusmeldungen wie „Wer das hier liked, muss fünf Freunden einen Kuchen backen, weil sonst was Schlimmes passiert“ machen es praktisch unmöglich, sich noch unbeschwert durch die eigene Timeline zu scrollen.

Vor kurzem tauchte wieder so ein Kettenbriefdings auf, diesmal aber zumindest mit einem ehrenwerten Ziel: „Facebook soll mit etwas mehr Kunst erfüllt werden“, so beginnt die Statusmeldung, die man zusammen mit der Abbildung eines Kunstwerks in seinem eigenen Profil posten soll. Weiter heißt es: „Jeder, dem dieses Bild ‚gefällt’, bekommt von mir einen Künstler zugeordnet. Dann einfach ein Bild dieses Künstlers im eigenen Profil posten und weiter geht’s.“

Eine schöne Idee, die allerdings nicht bedacht hat, wie arbeitsintensiv sich ihre Ausführung gestalten kann, wie man am Beispiel von FAS-Feuilletonchef Claudius Seidl ablesen kann. Auch Seidl (über 2000 Facebook-Freunde) beteiligte sich an der Aktion, bekam Richard Hamilton zugeordnet und postete folglich einen sehr guten Hamilton. Den ersten 40 Likern ordnete er noch je einen Künstler zu, danach reichte es ihm, er erklärte die Aktion für beendet.

Weil alle Teilnehmer in ihrer Statusmeldung bekanntgeben, von welcher Person sie ihre Künstler zugeteilt bekommen haben, müsste sich die Aktion zu ihrem Ursprung zurückverfolgen lassen, sollte man meinen. Funktioniert aber nicht, spätestens nach fünf Kettengliedern ist Schluss – wahrscheinlich, weil nicht jeder Kaspar Königs Mahnung gefolgt ist: „Wäre schön, wenn auch gepostet würde“.

Immerhin ist die Aktion noch im Umlauf. Ob sie wirklich dafür sorgt, Facebook mit mehr Kunst zu füllen, wird sich vielleicht nie beweisen lassen, aber die eigentlich interessante Frage ist doch: Wer hat sich diese hübsche Sache ausgedacht? Normalerweise weiß BLITZKUNST ja immer irre gut über alles Bescheid, muss in diesem Fall aber ein peinliches Unwissenheits-Outing hinlegen. Laut einem Facebook-Post von Kulturmanagement.Net stammt die Idee von einer Galerie namens Sansvoix modern art. Aber wenn sich diese Galerie wünscht, dass auf Facebook mehr Kunst erscheint, dann könnte sie doch den Anfang machen und einfach selber mehr davon auf ihrem Profil posten. So oder so, mehr Kunst auf Facebook ist eine leicht einzulösende Forderung und das auch ohne Kettenbriefaktion.

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