Auf einmal soviel Kunst in Saudi-Arabien

Jeddah Art Week

Saudi-Arabien war ja bislang nicht gerade als Mekka zeitgenössischer Kunst bekannt – auf einmal aber treten sich die Vertreter der lokalen Kunstszene auf die Füße im Buhlen um Aufmerksamkeit. Was ist da los?

„Jeddah Art Week“ hieß eine Initiative von Vertretern der überschaubaren lokalen Kunstszene, die Anfang 2013 mit einem konzertierten Ausstellungsprogramm zumindest den Beweis erbringen konnte, dass es überhaupt so etwas wie eine Kunstszene gibt in Dschidda. Nächsten Monat wird wieder eine Jeddah Art Week stattfinden. Beziehungsweise, es werden zwei Jeddah Art Weeks stattfinden. Zum einen das Original von letztem Jahr mit Unterstützung des im Nahostraum zuwachsend aktiven Auktionshauses Sotheby’s, zum anderen eine Kopie namens „21,39 Jeddah Arts“, benannt nach den Geokoordinaten der saudi-arabischen Stadt. Letzteres Event steht unter der Schirmherrschaft der saudischen Prinzessin Jahawer Bint Majed Bin Abdulaziz Al-Saud. Die Prinzessin hat offenbar mitbekommen, dass zeitgenössische Kunst in Mode ist und man über die Beschäftigung mit derselben zu einer Nummer Eins werden kann – zum Beispiel auf der von einem internationalen Kunstmagazin erstellten Liste der einflussreichsten Persönlichkeiten der internationalen Kunstwelt. Mit ihrer Al-Mansouria Foundation for Culture and Creativity ist sie bislang aber noch nicht so glamourös wie ihre Nachbarin aus Katar und will das jetzt mit ihrer eigenen Art Week ändern.

Bei soviel Kunst auf einmal steigt keiner mehr durch. Style.com Arabia jedenfalls vermeldet, die ursprüngliche Art Week sei umbenannt und unter die Schirmherrschaft der Prinzessin gestellt worden. Das scheint aber nicht zu stimmen, vielmehr äußert sich das Lager der Art Week-Erfinder irritiert über den Vorstoß der Prinzessin, natürlich nur hinter vorgehaltener Hand, denn offizielle Kritik ist nicht gut fürs Geschäft.

Konkurrenz allerdings schon. Ist doch toll, dass Kunst auf einmal eine so bedeutende Rolle spielen soll in Saudi-Arabien. Möge die bessere Art Week gewinnen. Um vorzufühlen, welche das sein könnte, hat BLITZKUNST beide Veranstalter mit der Bitte um Informationen kontaktiert. Im Fall der Prinzessinnen-Art Week gestaltete sich das gar nicht so leicht, da auf der Webseite neben allem anderen auch eine Kontaktmöglichkeit fehlte, auf der Webseite der Jeddah Art Week gibt es allerdings auch nicht mehr als das.

Leider hat auch nach knapp einer Woche und einer Erinnerungsmail keiner der beiden Veranstalter auf die Anfrage reagiert, was nicht zuletzt deshalb traurig ist, als BLITZKUNST vorgewarnt wurde, dass die Presseanfragen bei „21,39“ von einem 80-jährigen Mann bearbeitet würden, der weder Englisch spreche noch wisse, was JPG-Dateien seien, was für vergnügliche, wenn auch nicht zielführende Emailwechsel sorge.

Ganz so wichtig scheint den Saudis die Kunst dann wohl doch nicht zu sein. Oder ist es ihnen nur nicht wichtig, dass irgendwem von außen wichtig ist, dass ihnen Kunst wichtig ist?

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