Blogger und Kritiker

Rob Pruitt

Rob Pruitt lässt seinen Kunstpreis 2013 in der Dezemberausgabe von „Art in America“ stattfinden. ©artinamericamagazine.com

Die Preisträger des Rob Pruitt Art Award 2013 stehen fest. Gewinner in der Kategorie „Blogger/Critic of the Year“ ist Andrew Russeth. Dazu drei interessante und/oder erfreuliche Beobachtungen:

– Es hat nicht Jerry Saltz gewonnen

– Es gibt in den USA außer Russeth und Saltz noch weitere bekannte, zum Teil sogar gute Kunstkritiker, die auch für den Preis nominiert waren, zum Beispiel Linda Yablonsky und Paddy Johnson, Russeth hat sich also gegen ernsthafte Konkurrenz durchgesetzt

– „Blogger“ und „Critic“ sind zwei unterschiedliche Dinge

Punkt 1 ist einfach nur erfreulich. Kritiker sind nur solange gut, wie sie den Gegenstand ihrer Kritik wichtiger nehmen als sich selbst.

Punkt 2 ist auch erfreulich, aber mit einem bitteren Beigeschmack versehen, weil er den Gedanken an einen Vergleich mit dem deutschsprachigen Kunstkritikraum weckt. In Deutschland hätte man Schwierigkeiten, überhaupt Kandidaten zu finden, wenn auch – und hier kommt Punkt 3 ins Spiel – die Situation im Kunstblogbereich eine wesentlich bessere ist als etwa im trostlosen, verstaubten, selbstgefällig selbstreferentiellen und am Puls der Zeit vorbeischreibenden Feuilleton. Während die Unterscheidung in Blogger und Kritiker auf den ersten Blick befremdlich und abwertend wirken mag – Blogger sind keine Kritiker –, erweist sie sich auf den zweiten als vorteilhaft, bedeutet sie doch eine Anerkennung der Andersartigkeit der gebloggten Kunstkritik.

Und Andersartigkeit bedeutet in diesem Fall eine Chance: Bevor ich mich als Kritiker einer langsam aussterbenden Spezies zurechne, setze ich mich doch lieber als Blogger für eine Erneuerung der Kunstkritik ein.

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Über Kunstpreise freuen sich Blogger und Kritiker gleichermaßen. ©Alexandra Mir, „Triumph“ (Detail), 2009.

Damit Kunstblogger dafür dann auch irgendwann mal einen Preis erhalten können, müssen sie zum einen ein bisschen ernsthafter an ihrer Präsenz arbeiten, und zum anderen muss es natürlich preisverleihende Instanzen geben. In Deutschland gibt es nur einen einzigen Kunstkritik-Preis von Bedeutung: den ADKV-ART COLOGNE Preis für Kunstkritik. Er ist öffentlich ausgeschrieben, bewerben können sich freie Kunstkritiker per Email (Einsendeschluss ist der 15. Januar 2014).

Bedingung: Die eingereichten Texte müssen in einem „Printmedium oder einem überregionalen Online-Medium“ erschienen sein. Auch wenn Webseiten grundsätzlich überregionaler Natur sind: Blogs hat die Ausschreibung wohl nicht im Sinn. Das schließt so ziemlich alle über Kunst berichtende Quellen aus, die ich gerne lese, Publikationen, wie sie zum Beispiel in der Blogroll von Perisphere versammelt sind.

Vorschlag: Es bewerben sich so viele Blogger mit Blogeinträgen, dass sie zum Preis zugelassen werden oder eine eigene Blog-Kategorie geschaffen wird. Dann hätte auch der ADKV-Preis eine Unterteilung in „Blogger“ und „Kritiker“. Natürlich nur solange, bis die Jury erkannt hat, dass auch Blogger Kritiker sind. Das mit der Unterteilung können sich die Juroren aber auch sparen. Denn wenn es wirklich um die Förderung eines Kulturjournalismus geht, „der eigenständige Qualitätskriterien entwickelt und beschreibt“, wie es die Ausschreibung formuliert, dann kann es nicht sein, dass ausgerechnet jene Medien, welche diesem Kriterium am ehesten entsprechen, unberücksichtigt bleiben.

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