Painting Now? Or Never?

Warum Malereiausstellungen immer schlimme Titel haben müssen

KW Painting Forever

Wer zeitgenössische Malerei ausstellt, hält es offensichtlich für notwendig, sich entweder für das gewählte Medium entschuldigen oder dafür werben, entweder sein Ende oder seine Neuerfindung propagieren zu müssen. Diesen Eindruck vermitteln allein schon die Titel von Malereiausstellungen. Und zwar nicht erst seit kurzem, sondern seitdem Kunst der Gegenwart zeitgenössisch ist.

Die konzertierte Aktion „Painting Forever“ von vier Berliner Ausstellungsorten ist lediglich eines von vielen Beispielen für Malereiausstellungen, die schon im Titel erkennen lassen, dass sie auf einem fragwürdigen kuratorischen Verständnis basieren: nämlich dem, dass allein die Wahl des Mediums als inhaltliche Klammer ausreicht. Also wenn ich als Künstler eine Ausstellungsbeteiligung allein dem Umstand zu verdanken hätte, Maler zu sein, ich würde mich unterfordert und unter Wert verkauft fühlen.

Andererseits gäbe es noch viel einfachere Auswahlkriterien, das Geschlecht zum Beispiel – aber es gibt keine Ausstellungen mit dem Titel „Men Now“ oder „Women Forever“. Es gibt übrigens auch kaum Ausstellungen mit „Sculpture“ oder „Installation“ im Titel. Es ist nur die Malerei, die ständig auf ihr eigenes Medium reduziert wird.

Painting after Painting – After Painting

Dabei ist allen Ausstellungsmachern wohlbekannt, dass die Malerei seit Jahrzehnten immer gerade kurz vor dem Aussterben oder ihrer Wiedergeburt steht. Doch nach wie vor legitimieren sich Malereiausstellungen entweder aus der „aktuellen Aufmerksamkeit, welche die Malerei erfährt“, wie etwa zur Zeit beim Wiener Projekt „Why Painting Now?“, oder aus dem Bedürfnis, den Toderklärungsversuchen etwas entgegenzusetzen (z.B. die aktuelle Ausstellung „Painting after Painting“ in der Galerie Heike Strelow).

Der Titel „Painting after Painting“ oder auch nur „After Painting“ ist übrigens fast schon als Klassiker zu bezeichnen (hier ein paar Google-Ergebnisse) und gilt fast immer für Ausstellungen, welche die irre überraschende Erkenntnis liefern, dass Malerei nicht unbedingt Öl und Leinwand braucht, um Malerei zu sein.

Ironie hilft auch nicht weiter

Das Großprojekt „Painting Forever“ meint allerdings, diesem Argumentationstrott einen neuen Spin verliehen zu haben. „Ein schlauer Kopf mit Sinn für Ironie gab der Viererausstellung den Titel ‚Painting Forever!’ in Anspielung auf den immer wieder herbeigeredeten Tod der Malerei und deren unverdrossene Wiederkehr“, heißt es im Ankündigungstext zu einer Diskussionsveranstaltung zur Rolle der Malerei im Angesicht von „Painting Forever“. Abgesehen davon, dass mein Sinn für Ironie hier völlig versagt, kommt mir gerade ein Gedanke dazu: Ist vielleicht das gesamte Ausstellungsprojekt ironisch gemeint? Das würde zumindest erklären, warum es so wenige Betrachter ernst nehmen können.

Am Wiener Projekt „Why Painting Now“ beteiligt sich übrigens auch Krinzinger Projekte. Die Ausstellungsankündigung zeigt eine Arbeit von Albert Oehlen: „Abstrakte Bilder müssen jetzt sterben“. Liebe Ausstellungsmacher, wenn Ihr schon so einfältig mit Malerei umgehen müsst, dann lasst Euch wenigstens bei der Schöpfung der Ausstellungstitel von Euren Künstlern inspirieren.

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