Wolkige Gedanken von Hans Ulrich Obrist

Hans Ulrich Obrist Bandlands Zeichnung

Hans Ulrich Obrist, „Untitled“, undatiert. ©www.badlandsunlimited.com

Hans Ulrich Obrist reicht es wohl nicht, dass die Kunstwelt eh schon gezeichnet ist von seiner Allgegenwärtigkeit – jetzt zeichnet er auch noch ganz wortwörtlich. Beziehungsweise, das tut er schon seit Jahren, aber erst jetzt bekommt die ganze Welt die Möglichkeit, davon Kenntnis zu nehmen: Zur New Yorker Buchmesse (ab 20. September) zeigt der Verlag Badlands Unlimited eine Ausstellung von „never before seen diagrams, notes and drawings“ von Hans Ulrich Obrist, zur Feier seines neuen Buches, Think Like Clouds.

Nun ist gegen Hans Ulrich Obrist absolut nichts einzuwenden, im Gegenteil, es wäre toll, wenn es noch viel mehr Kuratoren seiner Art gäbe, dann bräuchte er selber nicht so allgegenwärtig zu sein. Nein, es ist vielmehr seine Rezeption, die stutzig macht. Hans Ulrich Obrist ist ja quasi der Karl Lagerfeld der Kunstbranche, egal was er anfasst, wird für gut befunden, auch wenn es (ausnahmsweise, muss man fairerweise zugeben) nicht gut ist, und wer weiß, vielleicht würde sich der HUO sogar freuen, wenn sich mal jemand kritisch äußern würde, nur tut das niemand, aber warum denn nicht? Warum wird jemand, der natürlich absolut nicht doof ist, allerdings auch nicht schlau genug, um auch mal ohne das Zitieren aus einem natürlich beeindruckend gut angelesenen Referenzsystem auszukommen, so dermaßen überhöht, dass sogar seine Gedankenkritzeleien zu ausstellenswerten Gütern erhoben werden? Können wir nicht alle genauso schöne Gedankenwolken kritzeln wie HUO? Ich jedenfalls scheue mich nicht vor einem Vergleich: Ich habe zu diesem Zweck kurz eine Skizze angefertigt, welche die thematische Tiefe und kognitive Komplexität meiner Gedankenströme visualisiert. Wer sie mit obigem Beispiel aus der Hand von Obrist vergleicht, wird schnell erkennen, dass meine Darstellung wegen der fehlenden Farbigkeit auf den ersten Blick zwar weniger emotional wirken mag, sich auf den zweiten allerdings als von ultimativ elementarer Natur erweist. Und genau das ist wahrscheinlich der Grund, warum ich trotz der besseren Skizze gegen Hans Ulrich Obrist verliere. Ich bin einfach zu direkt, das mögen die Leute nicht. Sie mögen lieber wolkige Gedanken.

Blitzkunst mindmap

Nachtrag: Der Vollständigkeit halber sollte erwähnt werden, dass sich die handschriftlichen Aktivitäten von Hans Ulrich Obrist nicht nur auf die eigene Schreibe beschränken. In seinem „Handwriting Projekt“ auf Instagram lässt er auch andere zum handgeschriebenen Wort kommen. Siehe dazu auch diesen Beitrag auf dem Blog Iliou Melathron.

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