Schlafstörungen

Mounir Fatmi_Sleep_still

Mounir Fatmi, still from „Sleep“, 2012. ©www.nowness.com

Wer an Schlafstörungen leidet, weiß: Schlafen ist eine Kunst. Das wird anscheinend zur Zeit gern mal wörtlich genommen. Zur Kunst wird Schlaf allerdings selbst dann nicht, wenn er von Tilda Swinton performt wird. Der Kern ihrer Performance neulich im MoMA war nämlich nicht die Tätigkeit des Schlafens, sondern sie selbst. Sie hätte auch einfach nur so herumsitzen können. Oder masturbieren, oder irgendwas anderes tun können, wofür man nur sich selbst braucht. Tilda Swinton braucht nämlich nichts als sich selbst, um Kunst zu sein. Das mit dem Schlafen hat sie wahrscheinlich nur gemacht, weil es die angenehmste Möglichkeit war, die stundenlange Selbstausstellung über die Bühne zu bringen.

Dass Schlafen alsSleep Art App künstlerisches Sujet nur zum Einschlafen gut ist, beweist eindrucksvoll der marokkanische Künstler Mounir Fatmi mit seinem sechsstündigen Videowerk Sleep (Al Naim). Er bezieht sich dabei auf das gleichnamige Werk von Andy Warhol von 1963, was aber ziemlich egal ist, denn das vor 50 Jahren schon mal ein Mensch stundenlang beim Schlafen gefilmt wurde, macht weder das eine noch das andere Werk interessanter, und Warhol’s Sleep hat sowieso noch nie jemand von Anfang bis Ende geschaut, was das einzig Erwähnenswerte im Zusammenhang mit diesem Werk sein dürfte.

Jedenfalls wird Mounirs Werk auf der Highend-Lifestyle-Plattform Nowness, die ja gern mal Kunst und künstlich verwechselt, gerade in einem dreiminütigen Auszug gezeigt und als „provokativ“ gefeiert, was damit begründet wird, dass der gefilmte Schlafende Salman Rushdie darstellen soll. Auszug aus einem Leserkommentar auf Nowness: „It seems like many artists lately are turning into James Franco.“

In diesem Zusammenhang sei noch kurz auf die „Sleep Art App“ hingewiesen – von Hotelanbieter ibis. Die App zeichnet die Bewegungen des Schlafenden auf und grafisch nach. Dass man sich wortwörtlich ein Bild von seinem Schlaf machen kann, ist sogar ganz lustig. Aber keine Kunst.

Ein Kommentar

  1. Unvergessene und großartige Langzeit-Performance natürlich auch Dornröschens 100 Jahre Schlaf (schlägt sogar Marina Abramovic). Ob der Kuss des Prinzen dann als Schlafstörung betrachtet werden kann…?

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