Geht doch backen, ihr Torten!

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Das Kuchenkommando ruft auf zum… Schaumschlagen?

Gestern wollte die Freie Szene mit der Berliner Kultursenatsverwaltung zusammen Kuchen essen und mal über alles reden. Vor allem darüber, wie ungerecht die Freie Szene Berlins behandelt wird. Darüber, wie gemein es ist, dass Künstler nichts geschenkt bekommen in dieser Stadt. Und darüber, wie man der großen Ungerechtigkeit ein Ende machen könne: indem man 50% von der geplanten „City Tax“ an die Freie Szene weitergebe, von jener Bettensteuer, die Berlintouristen in Zukunft entrichten sollen.

20 Millionen soll diese City Tax bringen, „20 Millionen, die Berlin reicher machen“, findet die Freie Szene – 20 Millionen, die Berlin weniger arm machen, müsste es allerdings heißen, wenn überhaupt. Denn die Idee, Berlinbesucher dafür zu besteuern, dass sie der Stadt Geld in die Kasse spülen, ist natürlich so peinlich, dass außer der Freien Szene eh niemand auf die Idee käme, sie zu unterstützen.

Um zu verstehen, wie lustig die Forderungen der Freien Szene wirklich sind, muss man wissen, was die Freie Szene ist: sie besteht hauptsächlich aus Künstlern, die ganz alleine sind, also weder Galerien noch Presse noch Ausstellungsmöglichkeiten haben, wofür sie aber nichts können, denn sie sind ja Künstler! Nämlich, wenn man Künstler ist, dann hat man der Gesellschaft was zu geben, und dafür hat man dann von der Gesellschaft auch was zu bekommen. Wenn man Künstler ist, dann hat man schon genug um die Ohren, dann kann man sich nicht auch noch darum kümmern, dass man seine Kunst ausgestellt bekommt! Oder – Gipfel der Zumutung – sogar verkauft! Als Künstler darf man das gar nicht, selber was verkaufen, weil, den materiellen Wert von Kunst anzuerkennen macht sie wertlos, und außerdem, man will nicht mitmachen bei dieser kommerziellen Ausbeutung, und wer bestimmt überhaupt den Wert von Kunst, das ist eh alles total ungerecht, warum wird ein Werk für eine fünfstellige Summe verkauft, nur weil der Künstler seit Jahren dauernd was produziert und mit vielen Leuten über seine Arbeit redet und sich vernetzt und sich sogar selber eine Galerie gesucht hat, voll ungerecht!

Um zu verstehen, wie traurig die Forderungen der Freien Szene sind, muss man einfach eines wissen: die Freie Szene hat auf die Prägung Berlins als Touristen anziehenden Kulturstandort exakt null Einfluss, schon immer null Einfluss gehabt, und das weiß der Schrottskulpturen lötende Mensch im Tacheles genauso wie die Malerin, die ihre letzte und erste Ausstellung vor zehn Jahren in der Kommunalgalerie Wilmersdorf hatte.

Trotzdem finden es Mitglieder der Freien Szene total selbstverständlich, Subventionen zu fordern, die jeder Freiberufler in dieser Stadt auch gern bekäme, aber komischerweise kommen Grafiker, Journalisten oder Modedesigner nie auf die Idee zu sagen, „ich bin Modedesigner! Ich könnte euch schöne Kleider entwerfen, in denen ihr sehr gut aussehen würdet, wenn ihr sie denn kaufen würdet, also gebt mir jetzt dafür ein Atelier, und zwar am besten mietfrei, und in bester Lage, weil, am Stadtrand kann man nicht kreativ sein!“

Nun muss man der Freien Szene zugute halten, dass sie gestern beim Kultursenat nicht mit leeren Händen auflief. Als „Kuchenkommando“ organisiert, brachten die Künstler selbstgebackenen Kuchen. Vielleicht, weil sie sich ein bisschen schämten, dass sie unangemeldet ohne Termin erschienen. Ganz vielleicht aber auch, weil sie dann doch wissen, dass man nichts bekommt, wenn man nichts gibt.

Nur Kuchen, liebe Freie Szene, Kuchen allein reicht leider nicht. Das einzige tragfähige Motto, das je aus Kuchenteig gebacken wurde, lautet zwar: „Willst du ein Stück vom Kuchen abhaben, dann backe ihn selber.“ Aber das ist leider nicht wörtlich gemeint…

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