Umgang mit der Kunstblog-Konkurrenz

Djurberg Puglia

Fressen und gefressen werden – die deutsche Kunstblog-Szene ist ein Haifischbecken (die Abbildung zeigt allerdings Wale: Natalie Djurberg, Whales, 2008-09, installation view Museo Pino Pascali 2012)

Gott sei Dank habe ich vor dem Start von BLITZKUNST keine Überprüfung des Wettbewerbsumfeldes vorgenommen. Die Menge an deutschsprachigen Kunstblogs ist nämlich genauso alarmierend wie ihre Qualität, wobei besonders hervorzuheben ist, mit welcher Konsequenz Kunstblogs nicht gepflegt werden. Das hätte mir eine Warnung sein können, aber jetzt ist es zu spät. Damit dieser Blog überhaupt eine Überlebenschance hat, habe ich beschlossen, ihn nicht als Kunstblog zu bezeichnen. Und auch nicht als Blog.

Der mit Abstand beste deutschsprachige Kunstblog ist der Donnerstag (das Weblog für Kunst & Danach), und es ist eine Schande, dass er zum Erliegen gekommen scheint. Eine Autorin versucht allerdings, den Betrieb aufrechtzuhalten, indem sie alle drei Monate einen Beitrag veröffentlicht. Vielleicht bringt sie den Donnerstag wieder zum Blühen. Ihr Name ist Annika Bender. Der Vorname macht Hoffnung.

Auch auf der Webseite von Monopol werden übrigens seit kurzem Blogs geführt, wobei der von Kenny Schachter der einzige echte ist, aber auf Englisch publiziert; der von Jerry Saltz recycelt nur, und der von der Redaktion geführte muss noch herausfinden, dass man als Blogger auch mal „ich“ sagen darf und der Charme des bloggenden Schreibens in der Unmittelbarkeit liegt, mit der Gedachtes in Geschriebenes übersetzt wird.

Schade, dass die Herausforderung nicht größer ist, unter Konkurrenzdruck bin ich am produktivsten. Aber vielleicht geht es den anderen Kunstbloggern ähnlich? Egal, ich bleibe dabei: dies ist kein Kunstblog.

4 Kommentare

  1. Genau auf den Punkt… Großartiker Artikel.. „die Frage radikal subversiver Kunst – inwieweit ist ein Kunstblog ein Kunstblog?“ …
    Ich bin begeistert… weiter so liebe Kollegen…
    Heike

  2. Es ist auch meine Beobachtung, daß man auf die in Deutschland verwurzelten Blogs – seien sie nun in der Landessprache oder in der Lingua franca des Berliner Project-Room-Universums geschrieben – nicht viel setzen kann. Der Blick ins Ausland lässt die Defizite des philanthropischen Blog-Hobbyismus noch monströser erscheinen; ehe die Deutschen und Neudeutschen Ernst und Profession entdecken, wird man wohl der Lektüre amerikanischer Redaktions- und einiger weniger Nischenblogs den Vorzug geben. Der Donnerstag sticht aus dieser Beobachtung erfreulicherweise als glänzendes Gegenbeispiel hervor und man darf hoffen, daß andere sich daran ein Beispiel nehmen. Nicht ohne auch an die eigene Nase zu fassen, wäre es wünschenswert, wenn sich die noch immer faktisch inexistenten Online-Kunstkritik auf einen lockeren, feuilletonistischen Ton des fundierten Urteils einstimmen würde.
    In diesem Zusammenhang ist es immerhin löblich, daß an dieser Stelle Beobachtungen wie etwa über die Dubai Art Week schon einen deutlichen Schritt in diese Richtung unternehmen. Ich bin gespannt, welche Entwicklung der Blitzkunst beschieden ist!

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