Gutes Personal…

BaibakovaWer sich darüber beklagt, wie schwierig es sei, gutes Personal zu finden, wird in der Regel nicht ernst genommen – als handele es sich um eine Bemerkung, die nur von jenen gemacht wird, in deren Lebensrealität die Suche nach Personal nicht vorkommt und die folglich nur als Witz gemeint sein kann. Aber nein – oft genug ist sie kein Witz, die Sache mit dem Personal. Es ist sehr wohl schwierig, gutes Personal zu finden. Und was noch viel schwieriger ist: es zu halten. Moskauer Oligarchen-Gattinnen und -Töchter zum Beispiel können ein Lied davon singen. Die Sammlerin und Mäzenin Maria Baibakova hat genau das getan. In Form einer Kolumne für den russischen Tatler. Leider kam das nicht so gut an. (mehr…)

Wo sind die deutschen Kuratoren?

Curators shortlist ICI

Die Kuratorenplattform Independent Curators International (ICI) hat die Nominierungen für den „Independent Vision Curatorial Award“ bekanntgegeben. Auf der Liste stehen 15 „emerging curators from across the globe“, ein deutscher (oder ein mit einer deutschen Institution verbundener) Name ist nicht darunter. Das „emerging“ ist übrigens nicht mit „jung“ zu übersetzen, sonst stünde der fast 60-jährige Emile Maurice (gegenwärtig Gastkurator an der University of Western Cape) nicht auf der Liste. Das Fehlen von deutschen Namen kann also nicht dem Umstand zugeschrieben werden, dass deutsche Kunstvermittler im internationalen Vergleich ausbildungstechnisch etwas länger brauchen, um in die Gänge zu kommen. (mehr…)

Dogs Looking at Things #12

Dog 12

Wenn sich ein Mensch einem Teppich nähert, dann dürfte ihn als allererstes interessieren, wie er aussieht. Und erst danach, wie er sich anfühlt. Bei Hunden verhält es sich umgekehrt. Für einen Hund muss sich ein Teppich vor allem gut anfühlen, ob er auch gut aussieht, ist von nachgeordneter Bedeutung, wenn nicht sogar uneingeschränkt bedeutungslos, denn Hunde sind Pragmatiker, sie betrachten Teppiche nicht, sie benutzen sie. Für einen Hund ist ein Teppich auf Betonboden unbedingt zu betreten, für einen Menschen nicht unbedingt. (mehr…)

Das Beste der abc in einer Stunde

Tobias Rehberger

Der Staubsaugende passt kompositorisch toll zur Installation von Tobias Rehberger (neugerriemschneider), gehört aber nicht dazu.

Das Gute an der diesjährigen abc art berlin contemporary: sie ist weniger und mehr zugleich. Dank einer angenehm übersichtlichen und ganz auf die Bedürfnisse des Betrachtens ausgerichteten Anordnung kann man sich innerhalb einer Stunde einen umfassenden Eindruck verschaffen. Dank performativ angelegter Präsentationen kann man aber auch viel länger bleiben. Auch dieses Jahr gibt es natürlich wieder ein paar Dinge zu sehen, die kein Mensch braucht (wobei der Goldfisch in einem zum Goldfischglas umfunktionierten Halbedelstein sicherlich zu den am wenigsten brauchbaren gehört, zumal er wahrscheinlich alle paar Stunden wegen Tod durch Einsamkeit und Bewegungsmangel ausgewechselt werden muss), aber das fällt bei den ganzen Highlights kaum auf. Hier fünf der wirkungsstärksten Positionen: (mehr…)

Straße der Kunst für unter Hundert

Foto-109Wenn man sich die perfekte Kleinstadt vorstellen wollte, dann würde man dort unter anderem folgende Läden sehen: einen Friseur, der bestimmt „Haarstudio“ mit dem Namen der Inhaberin dran heißen würde, und dazu passend ein Nagelstudio, das könnte man zum Beispiel „Happy Nails“ nennen. Eine Fahrschule bräuchte man auch, die hieße neckisch-optimistisch „Success“, und der Optiker hieße ebenso optimistisch „Lichtblick“. Einen Asia-Imbiss gäbe es natürlich auch, und eine Pizzeria sowieso, die trüge einen unverkennbar italienischen Namen, „Romana“ zum Beispiel. Dann hätte man noch einen Bäcker, eine Apotheke, einen Wäscheladen (wie wäre es mit „Drunter & Drüber“?), einen Krimskramsladen, einen Lottoladen, halt alles, was man so braucht.

All diese Läden gibt es wirklich. Nicht in einer Kleinstadt, sondern in einer einzigen Straße in Berlin: der Gustav-Adolf-Straße im Bezirk Weißensee. Und jeder dieser Läden verkauft Kunst. Jedenfalls ein paar Tage lang, nämlich im Rahmen der ART WEISSENSEE, die jene Sphären Berlins und Berliner Kunstproduktion umfasst, die außerhalb des Bewegungsradius der Berlin Art Week liegen. (mehr…)

Keine Zeit kann man kaufen

Denise Reytan MoMaZeitmangel ist ja ein ganz großes Problem unserer Zeit. Die meisten Menschen haben nicht genug Zeit, das zu tun, wofür sie gern mehr Zeit hätten. Wenn man sich nur Zeit kaufen könnte, denken diese Menschen dann, aber Zeit gehört leider genau wie Liebe oder Gesundheit zu jenen Gütern, die man sich eben nicht kaufen kann. Nun ist es aber so: Wer keine Zeit hat, kann immer noch keine Zeit haben. Klingt kryptisch, erschließt sich aber bei einem Blick auf die Uhren von Denise J. Reytan: Die zeigen nämlich keine Zeit an. Und sind käuflich zu erwerben. Wenn also schon keine Zeit, dann auch richtig. (mehr…)

Was so reinkommt

HIER KÖNNTE SICH DOCH EINE ABBILDUNG

VON ÄUSSERST SPANNENDER UND NOCH

TOTAL UNGESEHENER KUNST BEFINDEN

Wie schafft es ein Künstler ohne Biografie, ohne Galerie, ohne Presseerfahrung in ein etabliertes Kunstmagazin? Ganz sicher nicht, indem er eine Email an die Redaktion schickt mit einem Link zu seinem Portfolio. Da fragt sich der Empfänger dann nämlich, woher hat der Künstler meine persönliche Emailadresse und warum schickt der mir Zeug, das niemand kennt und das keine wichtigen Menschen wichtig finden und weiß der nicht, wie viele Emails ich jeden Tag bekomme und wie viele von diesen Emails mich interessieren, nämlich fast gar keine, was drängt der sich mir auf, ich kenne den nicht, der nervt, weg damit. Doch doch, so denken Redakteure von Kunstmagazinen dann oft, wir wissen es, wir, die aus 300 ehemaligen Kunstmagazinredakteuren bestehende BLITZKUNST-Redaktion, wir sprechen aus Erfahrung. (mehr…)

Totgeliebter Hase

Gelitin Pink RabbitEin echtes Kuscheltier trägt Spuren der Liebe, die ihm zuteil werden. Hat abgekaute Ohren, räudiges Fell, leere Augenhöhlen, und irgendwann quellen seine Innereien aus der abgewetzten Haut. Zu Tode geliebt.

So ergeht es auch dem Rabbit, einem riesigen rosafarbenen Hasen auf einem Berg im Piemont. Vor neun Jahren wurde er dort von der Künstlergruppe Gelitin abgelegt, wurde besucht, bestaunt, beklettert, geliebt. (mehr…)

Der Nahostkonflikt aus Sicht von Galerist und Sammler

Saltz Simchowitz YaYaYa

Collage zur Visualisierung einer scheißlustigen Fehde zwischen Jerry Saltz und dem für seine Kommunikationsfreudigkeit bekannten Sammler Stefan Simchowitz auf dem Blog YaYaYa. ©www.yayayagetarty.com

Manche Menschen finden, wenn man keine Ahnung hat, sollte man den Mund halten. Das stimmt nicht immer. Im Gegenteil, das Stellen von Fragen hat sich durchaus als probates Mittel zur Erlangung einer Ahnung erwiesen, und dafür muss man den Mund öffnen. Nur wenn man dumm ist, dann sollte man den Mund in der Tat besser halten. Magnus Edensvard ist dumm. Zumindest einer gestrigen Facebook-Statusmeldung nach zu schließen, einer Aussage von so wortgewaltiger Einfalt, dass wir uns kaum trauen, sie hier zu zitieren. Wir tun es dennoch: „Stop bombing Gaza now!!!! Now!!“ (mehr…)

Dogs Looking at Things #11

Roo the bulldog predicts an England victory in the first World Cup matchDer aufmerksame Hundeliebhaber weiß: Viele Hunde interessieren sich für Bälle. Durchaus auch für Fußbälle. Allerdings kaum für Fußball. Was man zum Beispiel daran erkennt, dass Hundefußballpartien nur von sehr wenigen Menschen besucht werden und Menschenfußballpartien nur von sehr wenigen Hunden. Umso erstaunlicher, dass die Engländer ausgerechnet einen Hund zum Vorhersagetier für die Ergebnisse der Fußball-WM 2014 erkoren haben. (mehr…)