Wie teuer verkauft sich Cindy Sherman?

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Es gibt ja Kunstpreise, und es gibt „Kunstpreise“. Letztere werden meist von kommerziellen Marken ausgelobt und richten sich an „Künstler“, nicht an Künstler. Ausnahmen bestätigen nicht nur die Regel, sondern zwingen dazu, sich mit jedem neuen Kunstpreis aus der Corporate-Ecke auseinanderzusetzen, denn er könnte ja gut sein. Ein ganz wichtiger Faktor für das Gutsein eines solchen Kunstpreises ist die Jury. Wenn es sich um eine „Jury“ handelt, kann man auch den bestdotierten Kunstpreis vergessen, aber wenn die Juroren Tracey Emin, Shezad Dawood, Cindy Sherman und Baz Luhrmann heißen? Dann muss es sich entweder um einen extrem guten Kunstpreis handeln oder um eine der krassesten und kaputtesten Perversionen, seit es Kunstpreise gibt. Weiterlesen

Dogs Looking at Things #10

Rannells_fedoraGott sei Dank können Hunde nicht lesen. Jedenfalls nicht, wenn ein Mensch in der Nähe ist. Könnten sie lesen, dann würden sie sich bestimmt darüber ärgern, was Charles Bukowski über das Stilempfinden von Hunden geschrieben hat. Nur weil sich Hunde nicht ständig Gedanken darüber machen, wie sie aussehen und wirken, heißt das nämlich noch lange nicht, dass sie uneitel wären. Das Bukowski-Gedicht „Style“ jedenfalls, in welchem der Autor Hunden ein angeborenes Stilempfinden abspricht – im Gegensatz zu Katzen, immer wenn jemand etwas gegen Hunde hat, sind ja Katzen als leuchtendes Gegenbeispiel nicht weit –, das läsen Hunde bestimmt nicht gern. Weiterlesen

Rassismus hautnah erleben

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Mitglieder des Stammes der Kali’na als Gegenstand einer Ausstellung 1892 in Paris.

Es musste nicht erst Anders Behring Breivik kommen, um zu zeigen, dass in Norwegen die Welt auch nicht heiler ist als anderswo. Das war sie schon vor hundert Jahren nicht, wie eine Aktion im Rahmen der Weltausstellung von 1914 in Oslo beweist: ein Menschenzoo – bewohnt von Schwarzafrikanern.

Fünf Monate lang lebten 80 Senegalesen in einem als kongolesisches Dorf gestalteten Gehege und bildeten ein Tableau Vivant, für das sich 1.4 Millionen Besucher begeistern konnten (zu einem Zeitpunkt, als die Einwohnerzahl Norwegens 2 Millionen betrug). Zwar unterschieden sich die Norweger mit dieser Aktion nicht von anderen Nationen – die Zurschaustellung von unterschiedlichen Ethnien in Form einer „Völkerschau“ galt als Bildungsmaßnahme und gehörte einfach zu einer ordentlichen Weltausstellung dazu –, erarbeiteten sich dafür aber im Verlauf des folgenden Jahrhunderts den Ruf einer gesellschaftlich vorbildlich agierenden Nation. Weiterlesen

Dann eben nicht, oller Rat für die Künste

Gestern fand BLITZKUNST den Rat für die Künste noch total gut. Heute, einen Tag nach der Wahl der neuen Mitglieder, nicht mehr.
Zu Beginn ließ sich noch alles sehr hoffnungsvoll an. Es waren eine Menge Leute gekommen. Zu viele Leute, wie die Wahlhelferin etwas verängstigt zugab. Man habe mit 300 Wahlwilligen gerechnet und deshalb auch nur 300 Wahlzettel kopiert. Die Wartezeit bis zum Eintreffen nachkopierter Wahlzettel ließ sich aber gut überbrücken, weil ja viele Leute da waren, mit denen man reden konnte. Gute Leute, Leute, von denen anzunehmen war, sie würden das Richtige tun, die Richtige wählen. Wie sich herausstellte, waren von den guten Leuten dann doch zu wenige da.

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Kulturpolitik für alle

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Sophiensaele, Wahllokal für den Rat für die Künste

Man muss nicht gleich in die SPD eintreten und sich vier mühsame Monate Parteizugehörigkeit später zum Kulturstaatssekretär machen lassen, um Einfluss auf die Berliner Kulturpolitik nehmen zu können. Man kann sich auch einfach an der Wahl zum Rat für die Künste beteiligen. Oder sich gleich für den Rat aufstellen lassen, vorausgesetzt, man ist kulturschaffend.

Der Rat ist ein unabhängiges Gremium und fungiert als Vermittler zwischen Politik und kultureller Praxis – er bezieht seine Daseinsberechtigung also vor allem aus dem Umstand, dass in der Berliner Kulturpolitik keine Politiker installiert sind, die auch Praxis können. Weiterlesen

Geht durch die Decke: Horzons Wanddekorationsobjekte

Rafael Horzon vor Wanddekoration

Rafael Horzon mit einem dankbaren Absolventen der Erfolgsbildungseinrichtung Wissenschaftsakademie Berlin? Nein, pure Dekoration.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich Rafael Horzon den Wänden zuwenden würde. Es hatte Zeichen gegeben. Wer sie zu lesen wusste, war nicht überrascht angesichts der Eröffnung von „Horzons Wanddekorationsobjekte“, in den ehemaligen Verkaufsräumen von „Horzons Spülen Sparadies“ auf der Torstraße. Wie alles, was Horzon anfasst, gilt auch das Spülen Sparadies als Erfolgsbeispiel für Horzons Erfolgsrezept (knallharter Fokus aufs Wesentliche in Kombination mit knallhart kalkulierten Preisen). Dass die Spülen mit den Wanddekorationsobjekten nun einer neuen Erfolgsgeschichte weichen müssen, ist insofern zu verschmerzen, als die Wanddekorationsobjekte die ästhetische Güte der Spülen um einiges zu überragen wissen – was natürlich nicht überrascht, denn wie könnte es überraschen, dass alles, was Horzon tut, immer besser ist als alles, was er bisher getan hat. Und (unnötig zu erwähnen, aber wir tun es trotzdem) immer besser ist als alles, was andere bisher getan haben. Weiterlesen

Kurzlob: Webauftritt Berlin Art Prize

BerlinArtPrize_Grafik_ImageByHelloMeBitte mal berlinartprize.com öffnen und eine Swipe-Bewegung ausführen – swipen, nicht klicken, wenn man klickt, ist es nicht so hübsch.

Über das schöne Gimmick freuen, dann weiterklicken, dann über Typo und aufgeräumte Darstellung freuen (Gestaltung von Till Wiedeck/HelloMe), dann Informationen lesen und feststellen, dass der Berlin Art Prize selbst ebenso Grund zur Freude zu geben verspricht.

Kurzlob an dieser Stelle explizit für den Webauftritt, mehr zum Berlin Art Prize zu gegebener Stunde.

Glittery Zickzack mit Blitzkunst

Mousepad Zazzle

Mousepad (zu erkennen an der Maus unten rechts) mit personalisiertem Design von zazzle.de.

Vielleicht needless to say, weil wir es schon so oft gesagt haben, also schon mindestens zweimal, aber egal, wir sagen es nochmal: BLITZKUNST mag Sachen, die was mit Blitzen zu tun haben, vor allem mit Blitzkunst, wobei damit allerdings nicht die despektierliche Bezeichnung von Fotografie gemeint ist, wie oft sollen wir das denn noch sagen.

Sachen mit Blitzkunst gibt es aber leider nur ganz wenige, und die haben wir schon alle aufgezählt. Wobei, eben doch nicht alle, ab und zu passiert im Blitzkunst-Sektor nämlich durchaus etwas Neues. Aktueller Blitzkunst-Fund: „Glittery Zickzack mit Ankern und Blitzkunst“. Weiterlesen

Der nächste Kulturstaatsekretär

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André Schmitz bei der Vergabe eines Förderpreises an Nina Pohl und Nora-Nele Heinevetter vom Schinkel Pavillon 2013. ©kunst-magazin.de

In seinem Rücktrittsgesuch an Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit schreibt der nunmehr tatsächlich zurückgetretene und damit ehemalige Kulturstaatssekretär André Schmitz: „In Wahrnehmung meiner politischen Verantwortung habe ich den Regierenden Bürgermeister heute gebeten, mich von meinen Aufgaben als Staatssekretär für Kulturelle Angelegenheiten zu entbinden. Ich tue diesen für mich persönlich schmerzhaften Schritt, um Schaden für das Amt und für die Berliner Kulturpolitik zu vermeiden.“ Häh? Um Schaden zu vermeiden?! Hätte er Schaden vermeiden wollen, dann hätte er den Job gar nicht erst antreten dürfen. Weiterlesen